Richtfest beim höchsten Holzhaus Deutschlands

Heilbronn  Das Stadtsiedlungsgebäude Skaio im Heilbronner Neckarbogen gilt unter Architekten und in der Baubranche als Leuchtturmprojekt. Es ist das höchste Holzhaus Deutschlands.

Von Bärbel Kistner

 

Das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands steht im Neckarbogen - mit zehn Stockwerken und einer Gebäudehöhe von 34 Metern. "Mit dem Skaio betreten wir Neuland", freut sich der Geschäftsführer der Stadtsiedlung, Dominik Buchta, beim Richtfest. Es ist das letzte in der Stadtausstellung auf dem Bundesgartenschaugelände. Im März, kurz vor Eröffnung der Buga, sollen die Mieter der 60 Wohnungen einziehen können.

Baubürgermeister Wilfried Hajek wird derzeit überall, wo er unterwegs ist, auf das neue Hochhaus angesprochen: "Davon geht ein Signal aus. Durch das Projekt wird Heilbronn anders wahrgenommen als bisher." Nicht nur deshalb ist Hajek "stolz und froh, dass wir hier stehen". Nachdem der erste Investor für ein Hochhaus als markantes Gebäude am Eingang zum Neckarbogen abgesprungen war, hätte an dieser Stelle auch eine Baulücke sein können, meint Hajek.

Das "Skaio" steht für die Leistungsfähigkeit des Holzbaus 

Kennzeichnend für den Holzbau ist der hohe Vorfertigungsgrad in der Werkstatt von Züblin Timber. Die Holzteile, insgesamt 1000 Kubikmeter, sind in 70 Lastzügen von Aichach in Bayern an den Neckar transportiert worden. Die Montage auf der Baustelle ging schnell: "Wir brauchten fünf Tage pro Geschoss", berichtet Christoph Zimmermann, technischer Bereichsleiter von Züblin Timber.

"Für uns als Holzbauer ist es ein Leuchtturmprojekt und hat eine große Bedeutung", sagt Zimmermann. "Wir können damit die Leistungsfähigkeit des Holzbaus demonstrieren." Von der Konstruktion her wären sogar weitere Geschosse möglich gewesen. Zimmermann hofft zudem, Vorbehalte gegenüber Holzhäusern ausräumen und weit mehr Bauherren für den Baustoff begeistern zu können.

Ziel ist, den Holzbau in die Breite zu bringen

Auch der Berliner Architekt Markus Lager von dem auf Holzbau spezialisierten Büro Kaden + Lager ist überzeugt, dass von dem Heilbronner Gebäude ein wichtiger Impuls ausgehen wird. Das Skaio positioniere sich zwischen zwei Extremen. Hochhäuser hätten vielfach entweder den Ruf des schmutzig-anonymen oder aber des hochpreisig-luxuriösen.

Das Skaio entspricht dem Ziel der Planer, den Holzbau in die Breite zu bringen und das Wohnen dort für jedermann zu ermöglichen. "Wir sind froh, dass wir mit einer städtischen Wohnbautochter arbeiten und dass es dort geförderten Wohnraum gibt." 40 Prozent der Wohnungen im Skaio sind gefördert und werden zwischen 6,80 und 8 Euro pro Quadratmeter vermietet. Die anderen Mieter zahlen zwischen 10,50 und 12 Euro.

Auch interessant: Die ersten Wohnungen im Neckarbogen sind bezugsfertig

Für die Stadtsiedlung zählt auch Nachhaltigkeit. 1500 Tonnen CO2 sind in dem Hybridbau gebunden. Das Sockelgeschoss und der Treppenhauskern bestehen aus Stahlbeton, alle anderen Elemente sind aus Fichtenholz, das weitgehend auch im Innern sichtbar bleibt. Von außen wird man Skaio allerdings nicht ansehen, dass es sich um ein Holzgebäude handelt. Die Fassade ist mit Aluminiumplatten verkleidet: aus Brandschutzgründen, aber vor allem auch wegen der "Werthaltigkeit und Langlebigkeit", wie Stadtsiedlungschef Buchta erläutert.

Mehr zum Thema: Besichtigung der Häuser im Neckarbogen

 

 


Kommentar hinzufügen