Ohne Meister geht es im Handwerk nicht

Heilbronn  Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken hat am Freitagabend in der Festhalle Harmonie 166 Frauen und Männer in den Meisterstand erhoben. Der Fachkräftemangel und die vielen offenen Betriebsübergaben sind Dauerthemen.

Von Joachim Friedl
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Das Handwerk in der Region fühlt sich pudelwohl. Gute Laune, Zukunftsglaube, Heiterkeit und Ausstrahlung waren die fast schon greifbaren Gradmesser bei der Meisterfeier 2019 der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. 166 Männer und Frauen wurden am Freitagabend in der Heilbronner Festhalle Harmonie in den Meisterstand erhoben. Die meisten der insgesamt 208 Prüfungen wurden in den Bereichen Kfz-Technik, Feinwerkmechanik und Elektrotechnik abgelegt.

Ein Ständchen für den Kammerpräsidenten

"Das Besondere, in den Meisterstand erhoben zu werden, ist das Alleinstellungsmerkmal. Jeder Meister kann stolz auf diesen Titel sein", sagte Ulrich Bopp. Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer, der lässig und schlagfertig die Meisterfeier moderierte, war es kurz zuvor gelungen, dass der Saal dem Handwerkkammerpräsidenten anlässlich seines 60 Geburtstages am Vortag ein Ständchen schmetterte. Ulrich Bopp war sichtlich gerührt: "Es hat toll geklungen", dankte er von der Bühne dem vielstimmigen Chor.

Ohne die Meister leidet die Qualität

Dann aber wurde Bopp wieder ernst, als es um die ungewisse Zukunft des Meisterbriefes ging. Bestrebungen der EU-Politik gehen dahin, ihn ganz abzuschaffen: "Ohne die Meister leidet die Qualität im Handwerk. Was gut ist, sollte gut bleiben und nicht verwässert werden", betonte der Kammerpräsident und rief in den Saal: "Der Handwerksmeister hat Zukunft."

Die Bundespolitik forderte Ulrich Bopp auf, sich für die Meisterpflicht stark zu machen. Nichts abgewinnen kann er auch dem Akademikerwahn: An die Adresse der jungen Leute sagte er: "Das Handwerk bietet viele tolle Perspektiven." Dass nahezu jeder studieren wolle, sei nicht gut für das Land.

Ausbildungszahlen steigen seit fünf Jahren wieder

Neben dem Fachkräftemangel sind die vielen offenen Betriebsübergaben für Ralf Schnörr die zweite große Herausforderung. Etwa 180.000 Handwerksbetriebe bundesweit haben derzeit keinen Nachfolger. Dennoch ist dem Kammer-Hauptgeschäftsführer nicht bange um das Handwerk: "Seit fünf Jahren steigen die Ausbildungszahlen wieder." Verantwortlich ist Ralf Schnörr für rund 12.400 Kammer-Mitglieder und einen Gesamtetat von 22,4 Millionen Euro.

Frauenquote im Handwerk lässt zu wünschen übrig

Werbung für das Handwerk machte Herbert Sowa: "Der Meister ist zwischenzeitlich dem Bachelor-Abschluss gleichzustellen", sagte der Gebietsdirektor von Signal Iduna bei der Meisterpreisverleihung. "Mit dem Frauenförderpreis wollen wir einen Anreiz geben, dass sich junge Frauen verstärkt für Handwerksberufe interessieren", erklärte Regionalgeschäftsführerin Silvia Braun das Engagement der IKK. Noch immer lasse die Frauenquote im Handwerk zu wünschen übrig.

Meisterbrief eröffnet Vielzahl an Chancen

"Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Mit dem Meisterbrief eröffnen sich eine Vielzahl von neuen Chancen für jeden einzelnen von uns", sagte im Namen der neuen Meister Michael Glattbach. Für den Feinwerkmechanikermeister und Jahrgangsbesten steht fest: "Es liegt in unserer Hand, was wir daraus machen. Die Türen stehen offen."

Für einen musikalischen Farbtupfer der etwas anderen Art sorgte bei der Meisterfeier das Jazztrio Swing To Go. Die entspannte Jazzmusik von Helen Hofmann, Jochen Zunker und Matthias Waßer lud zum Mitwippen und oftmals auch zum Mitsummen ein.

 


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