Neckarbogen: Weichen für Qualität im neuen Quartier gestellt

Heilbronn  Die ersten Wohnungen im neuen Heilbronner Stadtteil Neckarbogen sind bezugsfertig. Bis alle Arbeiten abgeschlossen sind, dauert es aber noch eine Weile.

Von Bärbel Kistner
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Thomas Jocher wurde frühmorgens vom Baulärm aus seinen Träumen gerissen. Die Häuser im mittleren Baufeld I sind nahezu fertig, und in einem Gebäude mit Serviceapartments hat der Münchener Architekt Jocher geschlafen − als erster Übernachtungsgast in dem neuen Quartier. Doch bei den meisten Bauten im Neckarbogen sind die Arbeiten ein knappes Jahr vor Eröffnung der Buga noch in vollem Gange.

Projektentwickler Joachim Kruck hat den Baufortschritt bei seinen fünf Gebäuden zum Anlass genommen, um die beteiligten vier renommierten Architekturbüros nach Heilbronn einzuladen. "Wir sind exakt im Zeitplan", betont Kruck und hofft, dass auch die anderen Bauherren nachziehen und zügig vorankommen.

Ende Juni sollen die ersten Bewohner einziehen

Die Zugangsbereiche sind derzeit noch so schmutzig, dass weder die bezugsfertigen Serviceapartment vermietet, noch die verkauften Wohnungen an die Eigentümer übergeben werden können. Ende Juni sollen die ersten Bewohner jedoch einziehen und das Unternehmen hofft, "dass sich alle Beteiligten anstrengen und die Zugangssituation akzeptabel wird".

Bei dem Rundgang steht die architektonische Qualität im Modellquartier im Vordergrund. Sie soll auch die Weichen stellen für den neuen Stadtteil Neckarbogen, der nach der Bundesgartenschau auf dem Gelände entstehen wird. Rund 3500 Menschen sollen später dort wohnen. Der Heilbronner Baubürgermeister Wilfried Hajek bekräftigt: "Wir haben es richtig gemacht."

Das Viertel zeige ein anderes Bild der Stadt und orientiere sich an dem Städtebau der Gründerzeit: "Die Dichte hat sich bewährt." Durch den Neckarbogen werde die Stadt Heilbronn eine andere sein.

Vergabe der Grundstücke nach Konzept

Eine zentrale Rolle für die architektonische Qualität und das Gesicht des Modellquartiers hat nach Ansicht aller Akteure das Prinzip der Konzeptvergabe: Die Grundstücke wurden in dem Wettbewerbsverfahren nach der Konzeption und Nutzung der Gebäude vergeben und nicht einfach an den meistbietenden Interessenten verkauft. "Das ist der Garant für die Vielfalt", erklärt auch Stadtplaner Professor Franz Pesch, der im Baufeld I die städtebauliche Begleitung übernommen hat.

Pesch hofft auch für die weiteren Bauabschnitte auf kreative Bauträger und "Mut zum Experiment". In homogenen Strukturen seien städtebauliche und soziale Vielfalt nicht in dem Maße möglich.

Inklusionswohnen spielt eine wichtige Rolle

Das gemeinsame Wohnen von Menschen mit und ohne Behinderung in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lichtenstern spielen eine wichtige Rolle im Modellquartier. Stationär betreutes Inklusionswohnen gibt es in dem Gebäude mit einer eindrucksvollen vorgehängten Weißzementfassade von Weinbrenner, Single, Arabzadeh.

Das Stuttgarter Architekturbüro hat noch ein zweites Gebäude, das monolithische Eckhaus mit Backsteinfassade, gebaut. Das Erdgeschoss beherbergt eine Tagesförderstätte, in den Obergeschossen sind zwölf möblierte Wohnungen für Mieter auf Zeit untergebracht.

18 Serviceapartments hat auch das Haus in Betonsandwichbauweise vom Architekturbüro Kauffmann, Theilig & Partner. Im Erdgeschoss öffnet demnächst das als Inklusionscafé betriebene Samocca. Optische Besonderheit der Fassade sind bronzefarbene Aluminiumlamellen als Sichtschutz. Dieses Gestaltungsprinzip findet sich auch beim Gebäude von Baumschlager Hutter mit Holzfassade.

Holz ist auch der Werkstoff des Büros Fink + Jocher. Das Holzhybridhaus zum Neckarufer hin hat eine graue Schindelfassade. Der Ansatz von Architekt Thomas Jocher ist "die Sensation des Einfachen".

 

Werkberichte

Die Werkberichte, bei der Architekten des Neckarbogens ihre Projekte im Knotenpunkt Inselspitze vorstellen, werden fortgesetzt. Am Donnerstag, 7. Juni, 18.30 Uhr, geht es um Wohnen für alle Generationen und die Tagesförderstädte vom Büro Weinbrenner, Single und Arabzadeh aus Stuttgart. Am Donnerstag, 21. Juni, 18.30 Uhr, werden Freiraumplanung und Innenhofgestaltung von Pfrommer + Roeder präsentiert. Nächste öffentliche Baustellenführung am Freitag, 22. Juni, 17 Uhr. 
 

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