Menschen aus der Region hängen wegen Corona im Ausland fest

Region  Die Restaurantbetreiber Zinser aus Brackenheim und Luisa Müller aus Heilbronn erleben turbulente Tage im Ausland. In der Corona-Krise müssen sie zusehen, wie sie wieder nach Hause kommen.

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Was, wenn die schönste Zeit des Jahres länger anhält als erwartet? Nach wie vor sitzen Tausende Menschen im Ausland fest. Schuld ist das Coronavirus. Das Auswärtige Amt hat bereits 150.000 Reisende zurückgeholt. Etwa 50.000 warten noch auf ihren Rückflug, darunter einige Urlauber aus der Region.

Die Kreuzfahrt von Thomas (55) und Matthias Zinser (57) verlängert sich unfreiwillig. Ende der Reise: ungewiss. Die Macher des Restaurants Zinsers Flämmle in Brackenheim-Neipperg befinden sich auf einem Kreuzfahrtschiff. Gebucht hatten sie eine Südamerika-Reise über Argentinien, Kap Hoorn bis nach Santiago de Chile. Die Reise sollte bereits vor fast zwei Wochen am 15. März enden. Das Coronavirus stellt die Pläne auf den Kopf.

Kreuzfahrt ohne Ende und Panama im Ausnahmezustand
Matthias (links) und Thomas Zinser harren auf dem Kreuzfahrtschiff aus. Foto: privat

Zwei Tage seien sie vor der Küste in der Nähe von Santiago de Chile gekreuzt, bis sie anlegen durften. "Von Bord durfte niemand. Die Crew hat Proviant und Medikamente geladen. Dann legten wir wieder ab" sagt Matthias Zinser. Da viele US-Amerikaner an Bord seien, fahre das Schiff nach Kalifornien. Dort, so hoffen die Zinsers, können sie kommenden Montag von Bord gehen und nach Hause fliegen. Trotz der unerwarteten Lage sei die Stimmung entspannt. "Uns geht es hier vermutlich besser als vielen Menschen zu Hause."

Straßensperren in Panama

Weniger entspannt empfinden Luisa Müller (23) aus Heilbronn und ihre Freundin Anna Buess (25) aus Stuttgart den Trip in Panama. "Panama ist ein wunderschönes Land mit unglaublich netten und hilfsbereiten Menschen", schwärmen die beiden Frauen in einer E-Mail an diese Zeitung. Sie möchten den Urlaub positiv in Erinnerung behalten. Obwohl die vergangenen gut eineinhalb Wochen turbulent sind.

Kreuzfahrt ohne Ende und Panama im Ausnahmezustand
Luisa Müller (links) und Anna Buess erleben turbulente Zeiten. Foto: privat

In einem der letzten Boote schaffen sie es von einer Insel aufs Festland und ergattern Plätze in einem Bus, der sie in die abgeriegelte Hauptstadt bringt. Strände, Parks, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Hotels und Hostels - nahezu alles sei geschlossen. Es gibt Straßensperren. Zum Glück seien sie bei ihrem Bekannten Malte Stäps untergekommen. "Die nächtliche Ausgangssperre war ein Schock." Wer gegen diese verstößt, den erwarte eine hohe Strafe. "Panama handelt schnell und drastisch", schreiben Müller und Buess. So solle eine komplette Ausgangssperre kommen. Dann dürften die Bewohner nur noch für maximal zwei Stunden das Haus verlassen, wenn sie einen triftigen Grund angeben. Die Zahl der Corona-Infizierten steige Tag für Tag exponentiell. Viele Menschen trügen eine Mundschutzmaske. Beim Betreten eines Gebäudes werde häufig Fieber gemessen, die Hände müssten desinfiziert werden.

Erleichtert, dass das Auswärtige Amt hilft

Viele Tage verbringen Müller und Buess am Flughafen und im Internet. Ihr Flug sei annulliert worden. "Fast eine Woche verbrachten wir in der Ungewissheit." Über die deutsche Botschaft erhalten sie Nachricht vom Auswärtigen Amt. Am Mittwoch kommt die erlösende Bestätigung: Ein Shuttle hole sie ab und bringe sie am Donnerstag zum Flughafen. Wenn alles klappt, werden sie am heutigen Freitagmorgen in Frankfurt landen. "Wir sind total erleichtert", schreiben sie.


Jürgen Kümmerle

Jürgen Kümmerle

Reporter

Jürgen Kümmerle ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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