Kritik an Informationspolitik der Heilbronner Polizei

Kriminalität  Nach der Messerattacke vor der Heilbronner Kilianskirche wird von verschiedenen Seiten ein gewissenhafter Umgang mit Informationen zu Tatverdächtigen gefordert.

Von Hans-Jürgen Deglow, Jürgen Kümmerle und Michael Schwarz

Der 70 Jahre alte Mann, der am vergangenen Samstag vor der Heilbronner Kilianskirche drei Flüchtlinge mit einem Messer verletzt haben soll, gibt eine verfehlte Flüchtlingspolitik als Tatmotiv an. Das teilte die Heilbronner Staatsanwaltschaft gestern in einer Pressemitteilung mit. Ein 17-Jähriger ist nach dem Angriff in stationärer Behandlung, ein 25- und ein 19-Jähriger wurden leicht verletzt.

Korrektur bei der Staatsangehörigkeit 

Die Polizei Heilbronn hatte nach dem Messerangriff zunächst angegeben, es handele sich um einen in Heilbronn wohnhaften russischen Staatsangehörigen. Erst auf mehrfache Nachfrage dieser Zeitung korrigierte sich die Polizei. Der Mann habe auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Gewerkschaft der Polizei fordert von Polizisten ein, dass die Identität von Tätern und Opfern erst herausgegeben wird, wenn diese gesichert sind. "Hier müssen die Polizisten vor Ort sauber recherchieren. Es darf keinen Verdacht geben, es werde hier etwas verschleiert", sagte der baden-württembergische Landesvorsitzende Hans-Jürgen Kirstein der Heilbronner Stimme. Kirstein: "Wenn man noch nicht genau weiß, wer der Täter ist, sollte man nach außen besser kommunizieren, dass die Identität des Täters noch ungeklärt ist."

Negative Wirkung

Ähnliche Kritik äußerte Ralf Kusterer, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Er sagte, dass der Polizei bei der Bekanntgabe von Identitäten keine Fehler unterlaufen dürfe. "Sofern die Polizei etwas herausgibt, muss es stimmen. Fehlermeldungen müssen vermieden werden, weil die negative Wirkung in der Öffentlichkeit enorm ist", so Kusterer.

Auch Sascha Binder, SPD-Innenexperte im Stuttgarter Landtag, hält es für sehr wichtig, dass Angaben der Polizei über die Nationalität von Tätern richtig sind. "Es darf hier nicht der Anschein erweckt werden, dass man etwas verschleiert."

"Man muss genau sein"

Der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic (SPD) erklärte: "Ich finde es schwierig, dass im Zusammenhang von Straftaten die Nationalitäten genannt werden. Eine Straftat bleibt eine Straftat, egal, wer sie begangen hat. Doch wenn man das schon tut, muss man genau sein."

 


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