Kirchen-Baustellen: "Hansi"-Verkauf vertagt, Gaffenberg in Not

Heilbronn  Die evangelische Kirche in Heilbronn hat zurzeit viele Baustellen. Der geplante, aber umstrittene Verkauf des Hans-Rießer-Hauses wird zunächst einmal vertagt. Am Gaffenberg fehlt es unterdessen an Geld.

Von Kilian Krauth

Große Überraschung im Evangelischen Gesamtkirchengemeinderat: Eigentlich sollte dort ein weiterer Schritt in Richtung Verkauf des Hans-Rießer-Hauses getan werden. Doch der Punkt wurde in eine Sondersitzung vertagt. Wie Sitzungsleiterin Susanne Härterich sagte, wolle man "nicht zwei emotionale Themen" - das andere ist der Kinderpornofall - "in eine Sitzung pressen".

Gleichwohl wurden Stimmen laut, die vor dem Verkauf des "Hansi" die Einbindung der dort probenden Chöre anmahnten und sich gegen den Bau eines Ersatzgebäudes am Friedensgemeindehaus aussprachen.

Große Defizite am Gaffenberg

Derweil tut sich für die Kirche im Stadtwald eine ganze andere "Baustelle" auf. Das Walderholungsheim Gaffenberg ist zwar in den letzten Jahren baulich auf Vordermann gebracht worden. Wie Daniel Herrmann als stellvertretender Kirchenpfleger und Jugendpfarrerin Stefanie Kress erklärten, habe man in den Vorjahren zur Deckung des Abmangels stets auf Rücklagen zurückgreifen können - die nun aber aufgebraucht seien.

Wobei das aktuell "exorbitante" Defizit von 92.740 Euro nicht aus Kinderfreizeiten resultiere, sondern aus dem Jahresbetrieb und vor allem auf Personal- und Sanierungskosten zurückzuführen sei. Kress: "Hier müssen wir uns überlegen, wie's weitergeht."

Eine ganze Reihe von Baustellen

In seinem Jahresbericht, den er aus Zeitgründen nur schriftlich vorlegte, brachte Vorsitzender Dr. Henning Hoffmann unter anderem weitere Baumaßnahmen zur Sprache.

  • Kilianskirche: Nachdem in den letzten Wochen das Gerüst von der Kaiserstraße an den Kiliansplatz verlagert wurde, läuft aktuell die Kartierung für den dritten und letzten Bauabschnitt, der im Oktober abgeschlossen sein soll. Kommerzielle Werbung am Gerüst habe die Stadt nicht genehmigt, eine Aktion mit großen Sponsorenköpfen sei leider aus Kostengründen gescheitert.

  • Südgemeinde: Gemeindehaus plus Kindergarten sollen für insgesamt 2,753 Millionen Euro abgerissen und neu gebaut werden, dies sei günstiger. Das Architekturbüro Stuible Schlichtig stimme die Pläne derzeit mit der Stadt ab.

  • Wartberggemeindehaus: Mit der längst beschlossenen Sanierung soll jetzt begonnen werden. Fertigstellung: wohl Herbst 2018.

  • Nikolaikirche: Nach langer Vorberatung mit der Gemeinde plant Architekt Weinreich im Chor Möglichkeiten,  Treffpunkte zu schaffen und das Kirchenschiff mit mobilem Gestühl auszustatten. Doch das Denkmalamt ist wegen des alten, nicht mehr zeitgemäßen Gestühls bisher dagegen.

  • Pfarrhäuser: In der Wilhelm-Busch-Straße 14 sind die Wohnungen hergerichtet, die energetische Sanierung fehlt noch. Gesamtkosten hierfür: 324.000 Euro. Die Außensanierung ist noch offen. Die Innensanierung der Goethestraße 4 ist fast fertig, die Außenanlage soll 2018 folgen; Gesamtkosten: 370.000 Euro. Die Mundelsheimer Straße 2 soll für 176.500 Euro außen energisch saniert werden.

Nicht zuletzt verabschiedete das Gremium den von Herrmann vorgelegten, über 20 Millionen Euro umfassenden und unterm Strich ausgeglichenen Etat für 2018. Über die Hälfte davon entfallen auf Personalkosten; davon wiederum zwei Drittel auf die Kindergärten mit mehr als 1000 Kindern in 55 Gruppen. Vom Oberkirchenrat bekommt Heilbronn 40.660 Euro weniger Kirchensteuerzuweisungen.

Auch die nach Gemeindegliedern bemessenen Sondermittel schrumpfen von 123.780 auf nun 48.020 Euro. Positiv zu Buche schlagen indes außerordentliche Zuweisungen für Substanzerhaltung und Strukturentlastung. Die Ausgaben kletterten wegen steigender Personal-, Betriebs- und Handwerkerkosten sowie der höheren Bezirksumlage um 56.750 Euro. Externe Schulden hat die Gesamtkirchengemeinde indes keine.