Juristischer Kleinkrieg um ein Luxus-Wohnmobil

Heilbronn  Herbert Huth hat sich jahrelang durch alle Instanzen geklagt, um den Kaufpreis für seinen 202.000 Euro teuren Camper zurückzubekommen.

Von Helmut Buchholz
Email
Juristischer Kleinkrieg um ein Luxus-Wohnmobil

Sieht aus wie ein nobles Wohnmobil, war für Herbert Huth aber ein großes Ärgernis: Die Concorde Charisma wird von seinem Hersteller als Premiumprodukt bezeichnet. Doch das Modell, das der 67-Jährige kaufte, hatte viele Mängel. Foto:privat

Herbert Huth und seine Frau waren begeisterte Wohnmobil-Fans. Doch neun Jahre nach dem Kauf eines Luxusgefährts namens Concorde Charisma 840 HS hat sich das gründlich geändert. Eine schier endlose Mängelliste und ein juristischer Kleinkrieg durch alle gerichtlichen Instanzen haben den Huths, die in Heilbronn eine Videothek führen, das Hobby gänzlich vergällt.

Im April 2008 ist das Paar noch guter Dinge. Da holen sie ihren rund 185.000 Euro teuren Edelcamper vom Hersteller Concorde in Bayern ab. Ein Haus auf Rädern mit allem Pipapo. "Das sollte unser Ruhestandsfahrzeug werden", erinnert sich der 67-Jährige. Doch dann treten die ersten Mängel an dem noblen Gefährt auf, das Concorde auf seiner Internetseite als "Premiumprodukt" beschreibt, das "herausragende Qualität und handwerkliche Perfektion" biete.

60 Werkstatttage

Bis zum Februar 2009 hat Huth mehr als 70 Mängel aufgelistet, darunter eine defekte Heizung, diverse Elektronikprobleme und Befestigungsschrauben, die sich lösten und nicht mehr nachziehen ließen. 60 Werkstatttage habe die "Landyacht" schon auf dem Buckel gehabt, bis Concorde seinem Kunden erklärt: Die beste Lösung sei der Umtausch des Wohnmobils. Also geben die Huths ihr "Montagsauto", wie sie es nennen, wieder zurück und kaufen im Januar 2010 eine zweite Concorde Charisma mit ein paar Extras zusätzlich für 202.000 Euro. Doch damit fängt der Ärger erst richtig an.

Juristischer Kleinkrieg um ein Luxus-Wohnmobil

Die Akten der juristischen Auseinandersetzung füllen einige Regalmeter. Herbert Huth sagt im Nachhinein: "Die Belastung war riesengroß."

Foto: Andreas Veigel

Wieder muss der 67-Jährige eine lange Mängelliste anlegen mit mehr als 60 Defekten in den Bereichen Elektrik, Heizung und Frontrollo an der Windschutzschutzscheibe. Die Jalousie bleibt beim Hochfahren nach 25 Zentimetern stehen. "So können Sie nicht losfahren", sagt Huth. Den Fehler kann Concorde auch nicht nach fünf Werkstattaufenthalten finden.

Ersatzfahrzeug oder Geld zurück

Jetzt reicht es Huth: Anfang 2012 stellt er Concorde vor die Entscheidung: ein Ersatzfahrzeug oder Geld zurück. Der Hersteller ist zwar bereit, ein Ersatzfahrzeug zu stellen. Dabei soll es sich aber um das mangelhafte erste Wohnmobil der Huths handeln − plus Rückerstattung der Differenz zum Kaufpreis der zweiten Charisma. Für Huth ein "ungeheuerlicher Vorgang".

Er beschließt: "Das lass ich mir nicht gefallen. Ich habe recht." Der 67-Jährige will sein Geld zurück, nimmt sich einen Anwalt. Was dann folgt, ist eine jahrelange Odyssee durch alle gerichtlichen Instanzen. Das erste Verfahren vor dem Landgericht in Heilbronn verliert Huth. Doch er gibt nicht auf, lässt Gutachten erstellen und investiert noch mal 50.000 Euro bis zum Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

Hohe Prozesskosten 

Im Mai 2016 gewinnt Huth gegen Concorde. Und zwar auf ganzer Linie. Die Richter bemängeln vor allem die nicht funktionstüchtige Jalousie. Zwar versucht Concorde noch, den Richterspruch am Bundesgerichtshof anzugreifen. Doch der BGH weist die sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde zurück. Concorde hat im Juli rund 187.000 Euro auf das Konto von Herbert Huth überwiesen. Diese Summe haben die Stuttgarter Richter nach Abzug der "Nutzungsentschädigung" festgesetzt − der Betrag beinhaltet die Abnutzung des Fahrzeugs, während es im Besitz des Videothekenbetreibers war.

Insgesamt beziffert Huth seine Prozesskosten auf rund 75.000 Euro. Einen Teil davon bekommt er von Concorde, einen anderen Teil, so hofft er, erstreitet er sich von einem Anwalt, der ihn während des Verfahrens vertreten hatte und den er dann wechselte. Der Ärger hört nicht auf. "Die Belastung war riesig", zieht er heute Bilanz. "Man braucht einen langen Atem." Wenige hätten wie er so lange im Dschungel der Paragrafen durchgehalten. Aber ihm sei keine Alternative geblieben: "Es ging ja schließlich auch um viel Geld."

Tipps

Herbert Huth gibt nach dem juristischen Tauziehen um sein Wohnmobil Tipps für Leidensgenossen, die in ähnliche Situationen kommen. Bei Reklamationen vor Garantieende handeln. Dem Verkäufer sollte immer die Möglichkeit der Nachbesserung eingeräumt werden. Nur bei erheblichen Mängeln kann der Kaufpreis zurückerstattet werden. Allerdings können aus geringen Mängeln erhebliche werden, wenn beispielsweise die Defekte nicht beseitigt werden können. Huth hat seine Geschichte im Internet veröffentlicht: www.wandlungsklage-wohnmobil-bis-zum-bgh-gewonnen.de

 


Kommentar hinzufügen