Journalismus soll keine Klischees bedienen

Heilbronn  Das zweite offene Kaffeehaus-Gespräch im Kaffeehaus Hagen verläuft mit großer Publikumsbeteiligung. Mit dem SWR, dem Stadtmagazin Hanix und der Heilbronner Stimme stellen sich die lokalen Medien den Fragen des Publikums zu Rechtsextremismus und Fake-News.

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Journalismus soll keine Klischees bedienen

Christian Klose, Gunter Haug, Brigitte Fritz-Kador, Ulrike Hagenbuch und Robert Mucha bei den zweite Kaffehausgesprächen (von links).

Foto: Andre Daub

Die Verschwörungstheorie ist alt. "Lügenpresse" ist ein rechter Kampfbegriff, den auch Joseph Göbbels, Propaganda-Minister in Nazi-Deutschland, nutzte. "Dieser Vorwurf steht vor unserer Arbeit wie eine Wand", sagt die freie Journalistin Brigitte Fritz-Kador. Sie war wie drei andere Journalisten lokaler Medien Podiumsgast bei den zweiten Kaffeehausgesprächen "Wehret den Anfängen" diesen Mittwoch im Kaffeehaus Hagen.

Das Thema des Abends: "Qualitätsjournalismus in Zeiten von Fake-News". Die Podiumsdiskussion entwickelt sich schnell zu einer Publikumsdiskussion. Sämtliche Tische und Stühlen sind besetzt. 75 Menschen kommen zur Veranstaltung und geben Input.

Demokratie benötigt kritischen und regionalen Journalismus

Ein Punkt eint sie alle: Eine vielfältige Demokratie benötigt regionalen und kritischen Journalismus, der auch in den sozialen Medien stark ist. So können Jugendliche und unter 40-jährige erreicht werden. Zudem solle Journalismus die Meinungsvielfalt innerhalb der demokratischen Grundordnung abbilden und keine Klischees bedienen um Vorurteilen und Rechtsextremismus entgegenzuwirken.

Der SWR setzt mit einem "Fake-Finder" auf Aufklärung. "Das ist eine Seite für Jugendliche, auf der aufgestellte Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden können", erklärt SWR-4-Studioleiterin Ulrike Hagenbuch. Die Nutzer können auf der Homepage veröffentlichte Meldungen bis zur Quelle zurückverfolgen und so beurteilen, ob es sich um eine Fehlinformationen handelt. Zudem besucht der SWR mit dem Projekt Medienstark Schulen und berichtet über die Arbeitsweise und Aufgabe von Journalismus.

Auch die Heilbronner Stimme ist mit den Projekten Zeitung in der Schule (Zisch) und Zeitung im Kindergarten (Zig) früh am Nachwuchs dran. Zudem können Formate wie das mit Beteiligung der Heilbronner Stimme vom Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger aufgelegte "Journalismus zeigt Gesicht" das Vertrauen in Regionalzeitungen stärken. Leser lernen die Arbeitsabläufe und Qualitätssicherung von Redaktionen kennen und werden für Falschnachrichten sensibilisiert. Im Onlinepremiumbereich finden sie kritische, aufwendig recherchierte Artikel, "die auch mutig und frech sind", erklärt Christian Klose, stellvertretender HSt-Chefredakteur

Journalismus und Stadtgesellschaft Hand in Hand

"Wichtig ist, dass der Journalismus sich nicht den technischen Neuerungen verweigert, sondern die Chancen nutzt", fordert Robert Mucha, Chefredakteur des Stadtmagazins Hanix.

Das Podium ist der Meinung, dass der regionale Journalismus im Umgang mit Fake-News im Vorteil ist. Die Nähe zu den Lesern sorge für eine zusätzliche Kontrolle von außen. Auch Moderator Gunter Haug fordert ein Miteinander. "Als Aktion gegen rechts wollen wir uns mit anderen Bündnissen in Heilbronn vernetzen."

 


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André Daub

Volontär

André Daub arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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