Investition in eine neue Liebe geht nicht auf

Heilbronn  Ein Senior aus Heilbronn macht schlechte Erfahrungen mit einer Partnervermittlung. Er zahlt 1300 Euro und lernt trotzdem keine Frau kennen. Der Inhaber der Partnervermittlung weist die Vorwürfe zurück.

Von Heike Kinkopf

Investition in eine neue Liebe geht nicht auf

Der Wunsch nach dem Glück zu zweit treibt alleinstehende Senioren um. Jemand Neues kennenzulernen, ist aber gar nicht so einfach.

Foto: dpa

Alte Menschen werden häufig Ziel von gewieften Partnervermittlungen. Diese nutzen die Sehnsucht alleinstehender Senioren nach einer Beziehung. Die Verbraucherzentrale warnt vor unseriösen Geschäftspraktiken.

Klaus Mayer weiß, was er will: "Ich möchte eine Frau." Der Heilbronner ist seit einigen Monaten Witwer. Seit geraumer Zeit antwortet der über 80-Jährige auf Kontaktanzeigen. Mehr als 30 Briefe habe er bereits geschrieben, erzählt der Senior, der nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden möchte. Die Suche nach einer neuen Partnerin scheint ihm peinlich zu sein. Mayer achtet darauf, nicht auf Annoncen von Partnervermittlungen (PV) zu reagieren. Dann bekommt er es doch mit einer zu tun. Ob bei dem Inserat der Hinweis PV fehlte oder Mayer diesen übersehen hat, lässt sich nicht zweifelsfrei klären.

Fotos von möglichen Kandidatinnen

Zunächst wimmelt Mayer die wiederholten Anrufe des Instituts mit Sitz im Badischen ab. Dann stimmt er einem Besuch des Mitarbeiters zu Hause zu. "Der hat mir den Himmel auf Erden versprochen", sagt Mayer. Der Mitarbeiter zeigt ihm "mindestens 20 Fotos von Damen, die in Heilbronn einen Mann suchen". Damit habe er sich breitschlagen lassen. Mayer unterschreibt einen Vertrag, zahlt 1300 Euro.

Die Hoffnung auf Kontakt zu potenziellen Partnerinnen erfüllt sich nicht. "Die ganzen Versprechen ... nichts ist passiert", beklagt sich Mayer. Ein einziger schriftlicher Vorschlag geht in fünf Wochen bei ihm ein. Woher die Frau kommt, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Eine Telefonnummer gibt es auch nicht. Statt dessen soll Mayer der PV mitteilen, ob er Interesse hat. Daraufhin passiert - nichts.

"Sympathie kann man nicht erzeugen", sagt der Inhaber der Partnervermittlung. Klienten, die Geld bezahlen, hätten "kein Anrecht, dass morgen eine Frau kommt". Für 1300 Euro sei ein Persönlichkeitsgutachten und ein Profil von Mayer erstellt worden. Der Betrag enthalte außerdem die Aufnahmegebühr. Die Verbraucherzentrale (VZ) Baden-Württemberg kennt die betreffende Partnervermittlung. "Wir haben sie schon abgemahnt", sagt VZ-Abteilungsleiter Oliver Buttler. Er warnt vor der Art der Kundengewinnung und der Vertragsgestaltung.

Konflikt lieber nicht am Telefon klären

Dass sich Senioren auf Partnersuche von professionellen Vermittlern überrumpelt fühlen und viel Geld für eine aus ihrer Sicht geringe Gegenleistung bezahlen, kommt laut Buttler häufiger vor. Er rät: Betroffene sollten auf Vertragserfüllung drängen. Schriftlich. Ältere wollten den Konflikt oft schnell klären und riefen bei der PV an. Wenn es schlecht läuft, gingen sie aus solchen Telefongesprächen mit einem Folgevertrag hervor. Besser sei es, die eigenen Kinder um Hilfe zu bitten. Die schauten meist sachlicher und nüchterner auf die Angelegenheit als geprellte Senioren. Unterstützung böten auch die VZ-Beratungsstellen wie die in Neckarsulm.

 

 


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