In Neckargartach soll nicht noch mehr Natur verschwinden

Heilbronn  Mehr als 100 Menschen wanderten mit dem Ortskartell über die Äcker im Neckargartacher Norden. Die Bauvorhaben für das Areal, die vorgestellt werden, sorgen bei den Teilnehmern nicht für Begeisterung.

Von Marie-Luise Schächtele

In Neckargartach soll nicht noch mehr Natur verschwinden

Die Wanderer machen eine Pause. Sie wärmen und stärken sich, damit es anschließend wieder weitergehen kann.

Mehr als 100 Menschen wandern am Dreikönigstag entlang des alten Römerwegs bei Neckargartach. Das Ortskartell hat zur Bankmeilenwanderung eingeladen. "Große Neuerungen stehen für die Neckargartacher an", verkündet der Leiter des Stadtplanungsamts, Dr. Christoph Böhmer. Nicht alles aber stößt bei den Teilnehmern auf Zustimmung.

Das Gewerbegebiet Steinäcker, ein Areal von etwa 30 Hektar Fläche, soll erschlossen werden. Die Verwaltung will um zusätzliche 30 bis 35 Hektar jenseits des Römerwegs erweitern. Begrünung soll das Industrieareal auflockern, erklärt Böhmer. Herbert Burkhardt, Vorsitzender des Ortskartells, kann sich eine Bebauung auf der östlichen Seite des Wegs nicht vorstellen: "Am Römerweg muss Schluss sein." Und: "Die alte Trasse des Römerwegs soll erhalten bleiben." Die Fraktionen von CDU, SPD und Freien Wählern haben im Gemeinderat einen entsprechenden Antrag gestellt.

Eine neue Straße wird gebaut

Das zweite Bauprojekt, das auf die Stadtteilbewohner zukommt: Das Industriegebiet Böllinger Höfe soll mit dem Bau der Nordumfahrung an die Neckartalstraße angeschlossen werden. Sie soll sich von der Buchener Straße im Osten zur Alexander-Baumann-Straße hinüberziehen. Von der Alexander-Baumann-Straße aus soll die neue Straße an die B 39 anknüpfen. Die Neckartalstraße soll in diesem Bereich vierspurig werden.

Burkhardt betont, wie wichtig die wirtschaftliche Leistung des Industriegebiets Böllinger Höfe für die gesamte Stadt sei. "Ein Teil der Wertschöpfung muss deshalb auch wieder im Stadtteil ankommen." Es gebe kaum einen Stadtteil, der so viele Gewerbeflächen habe wie Neckargartach, sagt er und erhält großen Applaus.

Kein Stadtteil, der so viele Gewerbeflächen hat wie Neckargartach

Die Wandergruppe hält am Kindlesbrunnen. Am Horizont liegt das Audi-Werk. Audi wolle zum Wäldchen hin erweitern, sagt Burkhardt. "Nein!", rufen lautstark mehrere Zuhörer, pfeifen. Die Vorsitzenden von CDU und SPD im Gemeinderat, Thomas Randecker und Rainer Hinderer, sind sich einig: "Hier wird nicht gebaut." Die Neckargartacherin Andrea Kurz ärgert sich: "Warum kann Audi kein Hochlager machen?", fragt sie. Das würde Platz sparen. Sie ist entsetzt, dass weitere Äcker bebaut werden sollen. "Wir haben drei Kinder. Wo bleibt die Luftreinhaltung?" Was sei mit der Natur, mit den Kleinstlebewesen, den Vögeln? Warum baue man gleichzeitig eine Umfahrung und ein Gewerbegebiet für Speditionen? So viel Land für Gewerbetreibende und Speditionen bedeute "noch mehr Verkehr".

Keine Entlastung des Verkehrs

Aber nicht nur sie vertritt diese Ansicht. Wiederholt ist zu hören: Eine Entlastung des Verkehrs in Neckargartach und Frankenbach werde es mit dem Straßenneubau nicht geben. Die Verlängerung der Saarlandstraße wäre wichtiger gewesen.

Für den Böckinger Werner Bächle vom Landwirtschaftlichen Ortsverein ist sicher, dass durch die Bebauung und die dadurch notwendigen Ausgleichsflächen zu viel Land verbraucht werde. Da die Bauern nur die Pächter und nicht die Eigentümer des Landes seien, erhielten sie nicht einmal Geld für die Flächen. Nur noch zwei Vollzeitlandwirte gebe es im Ort, klagt er.

 

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