Im Stadtwald mussten viele Bäume gefällt werden

Heilbronn  Die Bäume im Stadtwald sind im Trockenstress. Der Regenmangel setzt den Beständen derart zu, dass sich der Borkenkäfer rasant ausbreitet. Seit Sommer mussten schon 900 Festmeter Holz geschlagen werden.

Von Bärbel Kistner

Für Fachleute wie Förster Stephan Drescher gibt es viele Hinweise, die auf den extremen Trockenstress der Bäume im Heilbronner Stadtwald hinweisen. Seit Monaten fehlt Regen. Und wenn im Sommer Niederschlag von oben kam, dann hat er kaum den Waldboden erreicht, sondern ist gleich auf den Blättern verdunstet.

Bäume im Stadtwald sind im Trockenstress

Die Trockenheit bedeutet Dauereinsatz für Waldarbeiter: Schon 900 Festmeter Holz haben Silas Rössl und seine Kollegen seit dem Sommer geschlagen.

Viele Früchte, wenig Blätter

Drescher zeigt gegenüber dem Parkplatz Waldheide auf ein paar große Buchen: Sie tragen viele Früchte und ganz wenig Blätter - die charakteristischen Zeichen für Bäume im Notprogramm. Die Reaktion folgt einem Muster: Wenn der Baum es selbst nicht schafft, zu überleben und vielleicht abstirbt, dann will er wenigstens vorher noch möglichst viele Samen abwerfen und für Nachkommen sorgen.

Für den Förster war die Trockenheit im Wald den ganzen Sommer über präsent. Linden verfärbten sich zeitig und warfen ihre Blätter ab, bei anderen wurden die Kronen ganz früh kahl. An vielen Stellen ist der Boden so durchgetrocknet, dass nicht nur an der Oberfläche Risse entstanden, sondern auch in der Tiefe, so dass es Wurzeln zerreißt. An Standorten mit unterirdischen Wasserläufen, etwa am Hang, seien Bäume einigermaßen gut durch den Sommer gekommen.

Bäume im Stadtwald sind im Trockenstress

Förster Stephan Drescher markiert eine Fichte, die gefällt werden muss.

Folgeschäden wahrscheinlich

Drescher kann nicht vorhersehen, wie sich die Trockenheit in den Folgejahren auswirkt. Viele Bäume hatten schön in früheren, trockenen Jahren Notprogramme gefahren, Wurzeln seien abgestorben. Das machten Bäume nicht unbegrenzt mit. Auch kleine Pflanzen haben die Hitze nicht überlebt.

Mächtige Fichten und Lärchen im Stadtwald sind mit einem orangefarbenen Strich markiert und warten auf die Kettensägen von Silas Rössl, Thomas Christ und Dietmar Romagna. Der Borkenkäfer hat den Bäumen so stark zugesetzt, dass sie gefällt werden müssen. Insgesamt neun Mann sind derzeit im Einsatz.

Bäume im Stadtwald sind im Trockenstress

Der Borkenkäfer hat dieser Fichte im Stadtwald an der Donnbronner Straße so zugesetzt, dass ein Großteil der Rinde abgeplatzt ist.

Fotos: Dennis Mugler

Preisverfall beim Holz

200 Festmeter Holz wurden im Stadtwald-Ost seit dem Sommer geschlagen, 700 Festmeter waren es in den Waldgebieten im Westen der Stadt: deutlich mehr als sonst. Weil es auch in Tschechien und Polen wegen des Borkenkäferbefalls reichlich Holzeieinschlag gibt, sei die Folge ein extremer Preisverfall, berichtet Drescher.

Die Trockenheit hat Bäume derart geschwächt, dass der Harzfluss versiegt, mit dem sich ein gesunder Baum normalerweise gegen den Borkenkäfer zu Wehr setzen kann. Die befallenen Nadelbäume sind leicht zu erkennen, weil sie ihre Rinde abwerfen. An den dürren Ästen hängen nur noch wenige Nadeln. Dietmar Romagno erinnern Fichten "an Christbäume zu Ostern".

Waldboden ist staubtrocken

Staubtrocken ist in diesem Jahr auch der Boden unter dem Laub, und auch dort bleibt das nicht ohne Folgen. Bei der Umweltolympiade vor einigen Wochen hat Förster Drescher mit Kindern den Waldboden untersucht. Normalerweise gibt es in einem Kubikzentimeter Humus eine Million Mikroorganismen: "Diesmal haben wir nichts gefunden." Das bedeutet: Das Laubstreu wird nicht zersetzt, der Nährstoffnachschub fehlt.

Wie sollen Förster dem Klimawandel in Zukunft begegnen? Für Drescher und seine Kollegen ist das eine zentrale Frage für die Waldbewirtschaftung: "Der Stadtwald wird seinen Charakter verändern."

Ein Käfer, 100.000 Nachkommen

Der männliche Borkenkäfer bohrt zuerst ein Loch in die Rinde und hebt eine Rammelkammer aus, in die er das Weibchen lockt. Der weibliche Käfer nagt einen langen Gang, daran entlang werden in kleinen Nischen die Eier abgelegt. Die Larven fressen sich nach außen, dabei werden die Gänge immer dicker. So entsteht das charakteristische Fraßbild an Stamm und Unterseite der Rinde. Die Vermehrungsrate von Borkenkäfern ist rasant. Ein einziges Weibchen des Buchdruckers kann in besonders heißen und trockenen Jahren mehr als 100.000 Nachkommen erzeugen, wie etwa die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft errechnet hat. 

 
 

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