Hunderte protestieren gegen rechten Terror

Heilbronn  Eine Mahnwache auf dem Kiliansplatz bringt nach dem Hanauer Anschlag Deutsche, Kurden und Aleviten zusammen. Mehrere hundert Bürger kommen zur kurzfristig angesetzten Kundgebung. Redner fordern, geistigen Brandstiftern von Rassismus entgegenzustehen. Eine Schweigeminute wird für die Opfer veranstaltet.

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Mahnwache mit Teelichtern auf dem Kiliansplatz. Neben den Kerzen stehen die Namen der Hanauer Opfer.

Brennende Teelichter auf dem Kiliansplatz, die Namen und Fotos der ermordeten Migranten von Hanau daneben: Mit einer Mahnwache unter dem Titel „Aufstehen gegen den rechten Terror“ haben einige hundert Menschen verschiedener Nationalitäten am Samstagabend gegen Rassismus und rechte Gewalt demonstriert.

Organisiert vom Netzwerk gegen Rechts, gedachten die Teilnehmer in einer Schweigeminute der Opfer von Hanau. Ein 43-jähriger Deutscher, der im Internet rassistische Aussagen und wirre Verfolgungstheorien verbreitet hatte, hat dort nach Angaben der Polizei neun Migranten erschossen, ehe er seine Mutter und sich selbst tötete. Politisch organisiert war er offenbar nicht.
 
Hinderer (SPD) fordert, rechten Terror mit allen Mitteln zu bekämpfen
 
„Es sterben wieder Menschen durch einen rechtsextremen Terroranschlag, Menschen, die hier integriert sind, für die Deutschland Heimat war“, rief Gilistan Ates der Menge zu. Die Sprecherin der Kurdischen Gemeinde fragte, warum sehe man weiter zu, „wie rechte Parteien Menschenverachtung und Rassismus verbreiten“? Mit den Schüssen „meinen sie uns alle“. Sie las alle Namen der Opfer vor.

SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Hinderer forderte, „zusammen gegen Gewalt und Rassismus“ aufzustehen. Fassungslos stehe man diesem Anschlag 75 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur gegenüber. Er appellierte, rechten Terror „mit allen Mitteln zu bekämpfen“. Die Polizei solle rechte Netzwerke intensiver durchleuchten. Und demokratische Parteien sollten „jeden Flirt“ mit rechtsextremen Parteien einstellen.

Seit Jahren warne man vor den Gefahren, die von AfD und Co. ausgingen, betonte Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Katharina Kaupp. Man müsse den „geistigen Brandstiftern“ entgegenstehen. „Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, dass wir rassistische Terroranschläge in Deutschland haben.“ Ergin Özcan vom Landesverband der Alevitischen Gemeinde sprach von Wut, wenn sich ein Ministerpräsident mit AfD-Stimmen wählen lasse oder in Polizeibehörden rechtes Gedankengut verbreitet sei. Die Opfer von Hanau seien auch Opfer solcher Entwicklungen. Und für Jürgen Patzelt (Linke-Kreisverband) ist der Anschlag eine Folge von Aussagen rechter Hetzer, die „Menschenverachtung predigen“.
 
THG-Schülerinnen tragen Plakate gegen Rassismus
 
Die Polizei sprach von 500 bis 600 Teilnehmern, die Veranstalter von 800. Von der Menge angetan war Verdi-Chefin Kaupp. Immerhin sei die Kundgebung sehr kurzfristig angesetzt und nur einen Tag zuvor veröffentlicht worden.

Mit Plakaten „Rechten Terror stoppen“ und „Rassismus ist ekelhAfd“ sind THG-Schülerinnen auf den Kiliansplatz gekommen. „Wir wollen, dass die Politik etwas gegen rechte Gewalt unternimmt, dass sich etwas ändert“, sagte Kaltrina (18). „Wir sind über jeden Menschen froh, der hier ist“, freute sich Mukaddes Begenmis vom kurdischen Kulturverein.

„Die Menschen sind doch alle gleich“, sagte der Heilbronner Hiwa Age-Omer. Dass auch viele Deutsche zu der Mahnwache gekommen waren, ist für ihn an diesem Abend „ein sehr gutes Zeichen“.


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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