Hinter den Mauern der Dauerbaustelle Dammschule

Heilbronn  Die Heilbronner Dammschulen werden bis 2022 saniert. Am Montag wird das Dach angepackt. An Pfingsten soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Schon seit 2015 lernen Grundschüler in Containern.

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In den hohen Klassenräumen des Altbaus laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. Auf allen Stockwerken mussten die Decken komplett erneuert werden.

Fotos: Dennis Mugler

Unterrichtscontainer, ein zum Bauhof umfunktionierter Schulhof, ein gewaltiges Baugerüst: Passanten, Autofahrer, Schüler, Lehrer, Bauleute - sprechen von einer "ewigen Baustelle". Seit 2012 hält die Generalsanierung der von 750 Grund- und Realschülern besuchten Dammschulen das Hochbauamt auf Trab. Die Hauptarbeiten begannen zwar erst vor fünf Jahren.

Doch zuvor waren aufwendige Untersuchungen notwendig. In dem 112 Jahre alten, 1944 ausgebrannten und danach wieder hergestellten Sandsteingemäuer gab es so manche Überraschung. Vor allem die Decken waren marode - bei einer Gesamtfläche von 4800 Quadratmetern auf fünf Stockwerken.

Spannende Führung hinter dicken Mauern

Dieser Tage informierten Baubürgermeister Wilfried Hajek, Amtschef Johannes Straub und Projektleiter Welf Kirchner Stadträte über den Baufortschritt. Von nächster Woche an wird der westliche Teil des Dachs abgebrochen und ein neuer Dachstuhl aufgestellt, "unter laufendem Betrieb", betont Straub. Gleichzeitig lobt er bei allen Beeinträchtigungen, Staub und Lärm die gute und kooperative Zusammenarbeit mit den Lehrern sowie den kurzen Draht zu Eltern und Baufirmen.

Grundschüler dürfen sich auf Pfingsten freuen

Einen "Meilenstein" kündigt Straub für Pfingsten an. Dann sollen 14 Grundschulklassen nach fünf Jahren aus Containern zurück in den modernisierten Teil des Altbaus ziehen. Im Gegenzug gehören die - passend gemachten - Container vom Sommer an rund 500 Realschülern, die derzeit noch im nicht sanierten Teil des Altbaus unterrichtet werden.

Hinter den Mauern der Dauerbaustelle Dammschule

An der Südflanke des historischen Sandsteingemäuers zeugt ein gewaltiges Gerüst mit Fluchttreppe von den aufwendigen Bauarbeiten im Innern des Gebäudes.

In zwei Jahren soll das auf 25 Millionen Euro bezifferte Großprojekt tatsächlich fertig sein. Ein Neubau - ohne Sporthalle und Verwaltung - wäre zehn Millionen teurer geworden, gibt Hajek zu bedenken. Er ist zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten werden kann, denn beim zweiten Bauabschnitt dürften allen Beteiligten die Erfahrungen aus dem komplizierten ersten zugute kommen.

Hochbauamtsleiter spricht von Musterschule

Bei der Führung konnten die Räte die unterschiedlichen "Aggregatzustände" des Projekts in Augenschein nehmen. Ein mit historischem Geländer versehenes Treppenhaus, inklusive neuem Aufzug, half bei der Orientierung. Im Keller sind über blankem Boden noch nackte Backsteine sichtbar, Fenster im Holz-Alu-Verbund aber schon überall montiert. In oberen Geschossen ist bereits der Estrich verlegt, in den Gängen wurden historische Fliesen erhalten. Im oberen Stock ist das Ende absehbar, Wände sind tapeziert, gestrichen, abgehängte Decken eingebaut.

Hinter den Mauern der Dauerbaustelle Dammschule

Projektleiter Welf Kirchner zeigt an einer Art Fotogalerie den Baufortschritt.

Anhand von Fotos führt Bauleiter Kirchner den Bauablauf vor Augen. Der Putz sei "von alleine abgefallen." Zum Abbruch der Decken kam schweres Gerät mit Raupenfahrzeugen zum Einsatz. 2000 Stützen hielten die unteren Etagen. 70 Tonnen Stahl wurden verbaut. Mit den statisch verstärkten Decken wurde in den vier Meter hohen Räumen auch der Brandschutz auf Höhe der Zeit gebracht.

Die Sanierung umfasst neben energetischen Aspekten auch die Akustik sowie neue Fachräume für NWT und Verwaltung. Nicht zu vergessen: die Technik wird auf die digitale Gegenwart und Zukunft ausgerichtet. "Die Dammschule wird zur Musterschule," so Straub, "auch bezüglich Inklusion." Am Ende sei alles auch für Kinder mit Handicap barrierefrei zugänglich.


Historie der Dammrealschulen

Die Dammschule wird auch aus historischen Gründen nicht einfach durch einen Neubau ersetzt. Sie wurde wie die angrenzende Dammstraße nach einem Damm benannt, der sich in unmittelbarer Nähe befand. Architekt war Heinrich Arnold (1858-1917). Das Gebäude wurde 1908 eingeweiht, im Zweiten Weltkrieg beschädigt, nach den Möglichkeiten der Zeit wieder aufgebaut und mehrfach saniert.

1971 wurde im Schulhof eine Turnhalle errichtet, 1986 erhielt die Realschule einen Neubau mit Fachräumen. Seit 2015 − und noch bis Pfingsten ist die Grundschule in Containern an der Paulinenstraße ausgelagert, im Sommer zieht die Realschule aus dem Altbau dorthin. Was nach 2022 aus der 20 Ar großen Stellfläche wird, ist noch offen.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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