Heilbronnerin schreibt trotz Legasthenie 600-Seiten-Roman

Heilbronn  Ihr Handicap wurde erst spät festgestellt – und hinderte Antke Metzger nicht daran, einen Fantasy-Roman zu veröffentlichen.

Von Julia Weller

Heilbronnerin schreibt trotz Legasthenie 600-Seiten-Roman

Die Legasthenie hindert Antke Metzger nicht am Lesen und Schreiben. Ihren ersten Roman hat sie im Selbstverlag herausgebracht.

Foto: Andreas Veigel

 

Wenn die Geschichte aus Antke Metzger herausfließt, vertauschen sich schon mal B und P oder D und T. Buchstaben landen in der falschen Reihenfolge auf dem Papier, die Groß- und Kleinschreibung folgt keinen Regeln. Antke Metzger ist Legasthenikerin, trotzdem schreibt sie Bücher. 633 Seiten dick ist ihr Erstling "Das Drachenpentagramm", das sie dieses Jahr im Selbstverlag herausgebracht hat. Und der zweite Band ist auch schon halb fertig.

"Ich finde es wichtig, dass jeder Mensch seine Stärken nutzen kann - egal, welches Handicap er hat." Metzgers Stärke: Ihre Kreativität. Schon als Kind träumte sie sich in fantasievolle Welten voller Engel und Drachen. Ihre Deutschlehrerin benotete einen ihrer Aufsätze mit einer Sechs und der Begründung, so viel Fantasie könne keine Zwölfjährige haben.

Die ersten Seiten schrieb sie von Hand

Für ihre ausufernden Geschichten war Metzger als Jugendliche bekannt, die Rechtschreibschwäche hingegen wurde lange nicht festgestellt. Erst, als sie mit 25 eine Umschulung zur Mediendesignerin machte, bekam sie die Diagnose. Im gleichen Jahr begann Metzger damit, die ersten Kurzgeschichten aufzuschreiben. Zwölf handgeschriebene Seiten gab sie eines Morgens ihrem Klassenkameraden zum Lesen. Er war begeistert, sie war motiviert - nach 74 Seiten jedoch verschwand die Geschichte um die Hauptpersonen Anika und Lucas erst einmal für einige Jahre in der Schublade.

Worum geht es im "Drachenpentagramm"? In "Anarmur", der "anderen Welt", leben magische Wesen. Hauptfigur Anika hatte schon als Kind zwei imaginäre Engel-Freunde. Als Erwachsene sehnt sie sich im tristen Alltag der menschlichen Welt nach etwas anderem. Nach einem Sturz liegt ihr Körper im Koma - Geist und Seele wandern jedoch hinüber nach Anarmur, wo sie ihren Mentor Lucas kennenlernt und von Jilocasin erfährt, dem göttlichen Drachen.

Bei manchen Wesen in ihrer Geschichte hat sich Antke Metzger an alten Sagen orientiert: Jilocasin soll zur Zeit Karls des Großen tatsächlich häufig in Menschengestalt am Hof des Königs zu Gast gewesen sein. Andere Stellen im Buch erinnern an Rituale heutiger Religionen. Antke Metzger glaubt an Magie, bezeichnet sich aber auch als Christin. Sie ist in der evangelischen Gemeinde aktiv und geht oft in die Kirche. "Ich glaube, dass es mehr gibt als Himmel und Erde", sagt sie - eine spirituelle Macht. Als Kind habe sie selbst die imaginären Engel gesehen, die im Buch auftauchen.

Autorin und Hauptfigur sind sich ähnlich

"Ich wäre manchmal gerne Anika", sagt Antke Metzger über ihre Hauptfigur, die ohnehin autobiografisch angehaucht ist. Beide wollten als Kinder Polizistin werden, beide litten unter der Alkoholkrankheit der Mutter. Mit 14 verließ Autorin Metzger das Elternhaus und zog zu ihrer Schwester. Es folgten schulische und gesundheitliche Probleme.

Doch als Metzger 2004 ihren heutigen Mann kennenlernte, nach Heilbronn zog und einen Neuanfang wagte, hatte sie das Gefühl, angekommen zu sein. "Ich habe hier das erste Mal so etwas wie Freundschaft und Akzeptanz erlebt", sagt die 41-Jährige. Als sie schwanger wurde und gelangweilt zu Hause saß, wendete sie sich schließlich wieder dem Schreiben zu. "Das floss einfach aus mir heraus, der Computer zeigte jede Menge rote Fehler an", erzählt sie. Eine Freundin half ihr mit Lektorat und Korrekturen - fast ein Jahr lang mussten sich die beiden durch die Geschichte "durchboxen". Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Zuerst veröffentlichte Metzger "Das Drachenpentagramm" in fünf Teilen als E-Book, mittlerweile kann man es auch gedruckt kaufen.

Einen Euro pro verkauftem Buch spendet Metzger an die Heilbronner Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden", die Eltern von Frühgeborenen unterstützt. Metzgers eigene Kinder kamen beide zu früh auf die Welt, waren danach mehrere Monate im Krankenhaus. Heute sind die zweijährige Tochter und der vierjährige Sohn normal entwickelte Kinder. "Aber nicht jedes Frühchen wird der gesellschaftlichen Norm entsprechend entlassen", sagt Metzger. Dass ein Handicap aber niemanden von seinen Träumen abhalten muss, hat die Autorin mit ihrem Roman bewiesen.

 

Lesung

Am Montag, 8. Oktober, liest Antke Metzger um 18.30 Uhr aus ihrem Buch "Das Drachenpentagramm". Die etwa einstündige Lesung findet im Mehrgenerationenhaus, Rauchstraße 3, in Heilbronn statt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Exemplare des Buches zu erwerben und signieren zu lassen. Um telefonische Anmeldung im Mehrgenerationenhaus unter 07131 2789214 wird gebeten, der Eintritt ist frei.