Heilbronner Theresienturm schon ab April zugänglich

Heilbronn  Die Bauarbeiten am Heilbronner Theresienturm gehen voran. Das Erschließungsbauwerk mit Info-Stelen auf der Theresienwiese soll noch vor der Buga eingeweiht werden. Dann ist der Hochbunker über eine Treppe zugänglich.

Von Kilian Krauth

Heilbronner Theresienturm schon ab April zugänglich

Vorbote des Erschließungsbauwerks ist ein Gerüst an der Theresienstraße. Das alte Zeag-Häuschen (re.) muss weichen, daneben steht schon ein neues.

Foto: Andreas Veigel

Seit den 1950er Jahren scheint die Zeit in und um den ehemaligen Hochbunker und Flakturm auf der Heilbronner Theresienwiese stehen geblieben zu sein. Doch zuletzt ist hier einiges in Bewegung geraten. Im Frühjahr 2018 wurde der zwei Meter hohe Schutthügel rund um den Turm beseitigt. Gleichzeitig hat die Zeag in direkter Nachbarschaft ein neues Stromhäuschen gebaut und wird ihr altes bald abreißen.

Zwei große Werbetafeln, auf denen zuletzt für Tiefkühlkost und die Diakonie geworben wurde, sind verschwunden. Und entlang der Theresienstraße hat die Firma E. + J. Schmidt Baugeschäft GmbH dieser Tage - parallel zu einem frisch betoniertem Fundament - ein Gerüst errichten lassen, hinter dem sich bald eine spektakuläre Baustelle abzeichnen wird.

Spektakuläres Bauwerk mit Innentreppe

Heilbronner Theresienturm schon ab April zugänglich

Nach Plänen der Architekten Joos Keller wird am Theresienturm in den nächsten Wochen ein mit Cortenstahl verkleideter Treppenaufgang angebaut.

Foto: Bürgerstiftung

Die Schlosserei Kornter errichtet hier unter Federführung des städtischen Hochbauamtes ein 16 Meter langes, neun Meter hohes und zwei Meter breites Erschließungsgebäude, das den 28 Meter hohen Turm über eine Treppe zugänglich macht. Die Entwürfe des Architekturbüros Joos Keller sehen auch Info-Stelen zur Turmhistorie vor, die das Stadtarchiv unter dem Motto "Mahnen, erinnern, denken" konzipiert hat. Initiator und Finanzier ist die Bürgerstiftung Heilbronn, die dafür 260.000 Euro gesammelt hat. Das städtische Grünflächenamt wird die Turmumgebung neu gestalten.

Einweihung noch vor Ostern

Schon Ende März soll der schlanke, mit einem Cortenstahlgitter umfangene Kubus fertig sein. "Uns schwebt ein Einweihungstermin im April vor", erklärt Thomas Schick als Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, "nach der Experimenta-Eröffnung und vor dem Auftakt zur Buga", sprich: kurz vor Ostern.

 

 

Starkes Stück Stadtgeschichte

Am Rande der Festwiese, die bis Oktober als Buga-Parkplatz dient, will die Stiftung auf ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte aufmerksam machen, das sich in dem monumentalen Sandstein und Betonbau wie in einer Zeitkapsel verdichtet: die Zeit des Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg, die Luftangriffe auf Heilbronn, die Zerstörung vom 4. Dezember 1944, als hier 1000 Menschen den Feuersturm überlebten, - aber auch die Nachkriegsjahre. Nach 1945 diente der einst so genannte General-Wever-Turm, auf dem später die Großbuchstaben MAN standen, als Notunterkunft für Ausgebombte und als Übernachtungsstätte für Flüchtlinge. Das legendäre "Bunker-Hotel" schloss 1948. Eine Rampe wurde 1951 abgerissen, danach tat sich hier wenig.

Im Innern ist die Zeit stehen geblieben

Tatsächlich scheint hinter den 1,40 bis zwei Meter dicken Mauern auf zehn Ebenen, die mit einem Rundgang verbunden sind, die Zeit stehen geblieben zu sein. An Wänden und Decken hängen Ösen, Leitungen für Strom, Wasser, Abwasser, Schilder und Schriftzüge wie "Mannschaftsraum", "Betreten verboten" oder "Abort" und "frei". Die Geschichte ist förmlich greifbar. Mit der Erschließung soll im Innern nichts verändert werden. Vielmehr soll das Gemäuer als eine Mahnmal erhalten bleiben, das künftig ausschließlich bei regelmäßigen Führungen zugänglich sein wird.

 

 

Bewegte Historie des Turms

Der Flakturm und Hochbunker auf der Theresienwiese wurde 1940 von der Wehrmacht gebaut und 1942 nach dem Fliegergeneral Walther Wever benannt. 1944 wurde der Turm zum Schutzbunker für Bürger, 1945 zur Notunterkunft. Seit der Schließung 1948 steht er leer, 1951 wurde eine Rampe abgebrochen. Seit 1978 gehört der Turm der Stadt. 2004 wurde er von der Bevölkerung bei Tagen des offenen Denkmals wiederentdeckt. Ideen für die Installation einer Bunker-Bar oder einer Champignon-Zucht zerschlugen sich. Mit der Außensanierung 2014 wurde der Bau zum Politikum . Der vom NS-Regime vergebe Name sei „nicht mehr zeitgemäß“, hieß es. „Bunkerturm Theresienwiese“ passe besser, meinte dass Stadtarchiv. Der Gemeinderat taufte das Bauwerk lieber „Theresienturm“. 

 


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