Heilbronner Stadtteil Horkheim wächst weiter

Heilbronn  Viel Raum nahm beim Bürgerabend in Horkheim der Verkehr ein: vor allem Raser auf der Talheimer Straße und im Kelterweg, wo zudem Engpässe für Probleme sorgen, aber auch verspätete Busse. Außerdem standen bei der Stadtteilversammlung der Rahmenplan für den Ortskern und geplante Bauprojekte im Fokus.

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Heilbronner Stadtteil Horkheim wächst weiter

Die Johanniter bauen am Kelterweg eine Seniorenwohnanlage mit 30 betreuten Wohnungen und 14 Tagespflegeplätzen.

Wäre er kein überzeugter Sontheimer, würde der amtierende Oberbürgermeister Horkheim als Wohnort "definitiv in die engere Wahl nehmen". Mit diesem Satz toppte OB Harry Mergel die vielen Superlative seiner bisherigen Stadtteil-Versammlungen: mit Blick auf Neckar, Natur und historischen Ortskern, dessen Weiterentwicklung früher oft kontrovers diskutiert wurde, nun aber mit einem Rahmenplan, inklusive Bürgeranregungen, in geordnete Bahnen komme.

Doch die 150 Horkheimer, die am Montagabend für zwei Stunden die Alte Turnhalle bevölkerten, trieb vor allem eines um: der Straßenverkehr (siehe unten). Die zuletzt realisierten und die Zukunftsprojekt wurden bei der lebhaften Debatte nur am Rande gestreift.

Am Kelterweg entsteht eine Seniorenwohnanlage

Kräftig gebaut wird bereits im Kelterweg, wo die Johanniter Unfallhilfe Anfang 2021 eine Seniorenwohnanlage mit 30 betreuten Wohnungen und 14 Tagespflegeplätzen einweiht. Mit dem 3,5 Hektar großen Baugebiet Hossäcker III sollen 150 Wohneinheiten, vornehmlich für junge Familien entstehen, ein städtebauliches Konzept sei in Vorbereitung. So kommen auch mehr Kinder in den Ort.

Der von der Awo betriebene zweigruppige Kindergarten an der Nußäckerstraße 39 müsse deshalb mittelfristig erweitert werden, weshalb die Stadt laut OB einen Neubau für fünf Gruppen favorisiert. Gleichzeitig sei die Grundschule durch die Erweiterung 2015 "bestens aufgestellt und stabil zweizügig". Am und im "Wallfahrtsort Stauwehrhalle", wo neben Fasching und Oktoberfesten Handball "vom Feinsten" angesagt seien, wurden seit 2015 Brandschutz und Dach sowie Beleuchtung, Beschallung, Boden und nicht zuletzt Außenanlagen saniert. Das neue Foyer bekommt laut OB schon bald eine neue Möblierung.

Neuer Hochwasserschutz in großem Stil

Größere Dimensionen hat der Hochwasserschutz am Neckar, der in der Gesamtstadt für 30 Millionen verbessert werden muss, wobei die Ertüchtigung für ein 200-jährliches Hochwasser in Horkheim 2022 beginnt: mit einem Deich unterhalb der Staustufe am rechten Ufer. Zudem wird dabei der Radweg parallel der Unteren Kanalstraße zwischen Hollandstraße und dem Recyclinghof auf 300 Meter höhergelegt. Der dritte Schutzbereich ist am östlich Ende der Amsterdamer Straße. Dort soll 2023 das Wasser, das durch Rückstau über die Schozach einströmt, mit Blocksteinmauern und einer mobilen Hochwasserschutzbarriere zurückgehalten werden.

Positive Buga-Effekte auch für Horkheim

Nicht zu vergessen: Die Buga, von der über die Aktion Stadtgrün auch die Stadtteile profitiert hätten, Horkheim etwa durch den vom Interessenkreis Heimatgeschichte und dem Stadtarchiv entwickelten Nostalgiepfad mit 18 Info-Station und durch neues Grün an der Stauwehrhalle, wo die Horkheimer feste mithalfen und weiterhin helfen. Wie die anschließende Debatte zeigte, bringen sie sich aber auch gerne bei Verkehrsfragen ein. Zumindest zwei Problempunkte wurden zuletzt etwas entschärft: Der Kelterweg bekam 2018 eine Ausweichstelle, die Untere Kanalstraße von der Einmündung Hollandstraße bis zu Einmündung Ernst-Bader-Straße neuen Asphalt.


Auch in Horkheim liegen die Probleme auf der Straße

Am Kelterweg gibt es viele Probleme, etwa die Beleuchtung.

Foto: Archiv/Veigel

Auch in Horkheim liegen die Probleme auf der Straße

Viel Raum nahm beim Bürgerabend in Horkheim der Verkehr ein: vor allem Raser auf der Talheimer Straße und im Kelterweg, wo zudem Engpässe für Probleme sorgen, aber auch verspätete Busse. Zum Auftakt hatte Bettina Heindl ein Erfolgserlebnis. Sowohl Jens Boysen vom Amt für Straßenwesen als auch Stadtwerke-Direktor Tilo Elser sagten zu, danach zu schauen, dass auf der Johannesburger Straße das Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 2,8 Tonnen, also auch für Busse, eingehalten wird. Zudem sagte Ordnungsamtschefin Dorothea Kleinhanss hier − und an anderen Problemstellen − Geschwindigkeitskontrollen zu

Von "dramatischen Situationen" wegen Rasern mit regelrechten Autorennen auf der Talheimer Straße, aber auch von B27-Ausweichverkehr sowie Belastungen für Anwohner berichteten Hans-Joachim Gerber und Jürgen Krüger. Kleinhanns bestätigte dies mit einer Blitzer-Statistik. Boysen gab zu bedenken, dass Tempo 30 innerörtlich grundsätzlich nur in Schul- und Kita-Nähe eingeführt werden darf. Er lote aber nochmals den "Ermessensspielraum" aus. Ins Spiel gebrachte "Schikanen" will er prüfen. Gegen Ausweichverkehr könne er aber nichts machen. Immerhin anschauen will er sich auf Hinweis von Herwig Jarosch, ob im Bereich Talheimer Straße, eventuell unter Einbindung von Feldwegen, die Situation für Radler verbessert werden kann.

Komplizierte Abbiegesituation und Engstellen

Die komplizierte Abbiegesituation an der Kreuzung Talheimer und Hohenloher Straße soll durch Schilder und eventuell durch Änderungen am Bordstein klar werden. Am anschließender Kelterweg beklagen Anwohner wie Landwirt Gerhard Kurz die Verkehrszunahme durch den Reiterhof und das Reiterstüble. Zudem gebe es Engstellen, auch durch Fremdparker. Angesichts kaum abreißender Kritik gab Stadtplaner Dr. Christoph Böhmer zu bedenken, dass eine solche Einrichtung "auch gut ist für Horkheim". Das Grundsatzproblem brachte Bezirksbeiratssprecher Jürgen Gärtner auf den Punkt. "Eigentlich ist das ein Feldweg." Nun versuche man durch Leuchten an bestehenden Masten und wohl durch einen parallelen Fuß- und Radweg die Sicherheit zu verbessern.

Allen voran kritisierten zwei "Berlin-Pendler" Verspätungen im Busverkehr. Diese sollen laut Elser bald über eine Handy-App "in Echtzeit" abrufbar sein. Tatsächlich halte man einen Ersatzbus vor, weitere seien zu teuer. Fahrpläne und Linien kämen im Zuge eines Gesamtverkehrsplans auf den Prüfstand. Dass die Verbesserung des ÖPNV und der Kfz-Verzicht eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, gleichzeitig aber "der Wohlstand der Region an der Autoindustrie hängt", gab der OB zu bedenken. Hier müsse sich jeder an die eigene Nase fassen.

Andere Fragen gab es kaum. Eine Dame erfuhr, dass im Ortskern die Möglichkeit einer Container-Poststelle geprüft wird. Petra Lörcher ließ sich versichern, dass der Vertrauensraum an der Grundschule nicht vergessen ist. Antworten auf Fragen, die nicht am Abend beantwortet werden konnten, wie etwa zu den Abbauplänen am benachbarten Talheimer Steinbruch, will das Rathaus laut Moderation Roswitha Keicher nachliefern.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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