Heilbronner Solarzellen-Hersteller feiert mit einem Astronauten Jubiläum

Heilbronn  Der Heilbronner Unternehmen Azur Space Solar feiert mit Ernst Messerschmid, dem dritten Deutschen im All, den 50. Jahrestag des Starts des Satelliten Azur. Denn die Solarzellen für den ersten deutschen Trabanten wurden in Heilbronn hergestellt.

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Jubiläum mit einem Astronauten

Ernst Messerschmid, dritter Deutscher im All, befragt Azur-Space-Geschäftsführer Jürgen Heizmann (links) zu den Solarzellen des Hubble-Teleskops.

Foto: Mario Berger

Der Grund der Feier war nur in Form einer originalgetreuen Kopie gekommen. Kein Wunder, schließlich dreht der Satellit Azur immer noch seine Runden um die Erde. Für die Feierstunde anlässlich des 50. Jahrestags des Starts hatte sich die Leitung des Solarzellen-Herstellers Azur Space daher eines der drei Duplikate ausgeborgt, die an Standorten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt stehen.

So konnten die gut 200 Mitarbeiter und Gäste einmal selbst in Augenschein nehmen, wie der Trabant aussieht, der am 8. November 1969 mit Solarzellen der Heilbronner Fabrik an der Theresienstraße in den Orbit geschossen worden war.

Wie hieß der dritte Mensch auf dem Mond?

Dass das Jahr bedeutsam war, machte Azur-Space-Geschäftsführer Jürgen Heizmann mit wenigen Schlagworten deutlich: Woodstock, Vietnam, Willy Brandt, Mondlandung - all dies ereignete sich vor 50 Jahren. Aber: "Es gab in dem Jahr auch eine zweite amerikanische Mondlandung. Doch wer erinnert sich noch, wie der dritte Mensch auf dem Mond hieß?"

Ähnlich ergehe es dem Satelliten Azur und der Firma Azur Space, die nur in der Raumfahrtbranche bekannt sind. Dabei habe das Unternehmen inzwischen etwa 600 Satelliten mit Solarzellen ausgerüstet, darunter die chinesische Mondmission Jadehase, die Landesonde der Kometen-Mission Rosetta und Navigationssatelliten für das Galileo-System - "alle auf Basis von Azur". Parallel habe das Unternehmen Grundlagen geschaffen für die deutsche und europäische Solarindustrie. "Wir verschieben die Grenzen des technisch Machbaren - schon seit mehr als 50 Jahren."

Stolz auf die Hightech-Schmiede

Harry Mergel hob mit Stolz die Leistung der Heilbronner Hightech-Schmiede hervor. "Wir können sagen: Wir waren bei der deutschen Raumfahrt von Anfang an dabei." Der Standort an der Theresienstraße sei für das Renommee Heilbronns unbezahlbar. Darauf gelte es aufzubauen, auch durch die Erweiterung der Hochschulen. "Wir brauchen den Wandel", meinte Mergel. "Wir sind ein starker Wirtschaftsstandort, aber noch immer abhängig von traditionellen Branchen wie Autoindustrie und Maschinenbau."

Raumfahrt hat ihre Berechtigung

Wie es da oben bei Azur aussieht, konnte aber nur einer berichten: Ernst Messerschmid, 1985 dritter Deutscher im All, war als Festredner gekommen. "Azur war ein Technologieexperiment", sagte er. Die Raumfahrt habe ihre Berechtigung: "Wir würden gar nichts vom Klimawandel wissen, gäbe es keine Satelliten." Auch wenn es kaum einer ahne: Baden-Württemberg sei in Deutschland Schwerpunkt der Weltraumforschung, 43 Prozent aller Umsätze würden hierzulande getätigt. "Die größte Expertise ist hier", sagte der emeritierte Professor des Instituts für Raumfahrtsysteme an der Universität Stuttgart. Aber: "Raumfahrt ist und bleibt noch für einige Zeit ein Nischenprojekt."

Ürigens: Der dritte Mensch auf dem Mond hieß Charles Conrad.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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