Heilbronner Knorr-Werk steht auf der Kippe

Heilbronn  Unilever-Produktionschef Marc Engel sieht kaum noch eine Zukunft für das Stammwerk der Marke in Heilbronn. Arbeitnehmervertreter wollen gegen eine mögliche Schließung kämpfen.

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Schlechte Nachrichten im Jahrestakt
Bei der Belegschaftsversammlung ging es um die Zukunft des Knorr-Standorts Heilbronn. Foto: Mario Berger

Die rund 550 verbliebenen Mitarbeiter des Heilbronner Knorr-Werks blicken bangen Zeiten entgegen – die Schließung ist ein realistisches Szenario. „Nur wenn wir eine neue und verbesserte Kostenbasis für die Fabrik finden, sehe ich eine Zukunft für Heilbronn“, sagte Marc Engel, der in dem britisch-niederländischen Konsumgüterkonzern Unilever das weltweite Produktionsnetzwerk verantwortet, am Montag bei einer Belegschaftsversammlung in der Kantine. Der Standort müsse „in seiner Kostenstruktur radikal umgebaut“ werden. „Diese Option liegt auf dem Tisch“, ergänzte ein Unilever-Sprecher. „Und das ist auch ernst gemeint.“ Der Ausgang ist aber offen. 

„Wenn es nach Herrn Engel geht, hat das Werk keine Zukunft“, übersetzte der Heilbronner Betriebsratsvorsitzende Thilo Fischer die Aussagen des Produktionschefs. Bei der Versammlung hätten die Mitarbeiter minutenlang „Wir sind Knorr“ skandiert. „Es ist mit jeder Faser zu spüren, dass die Menschen hier nicht nur einen Job haben, sondern mit Leib und Seele Knorrianer sind.“

Alleine durch Lohnverzicht könne das Werk nicht gerettet werden

Während die Beschäftigten mit versteinerten Mienen in den Feierabend gingen, haben Betriebsrat und Gewerkschaft schon auf Angriff umgeschaltet. „Kampflos werden wir das Werk nicht aufgeben“, betonte Fischer bei einer Lagebesprechung im Gewerkschaftshaus. Er möchte auf alle Fälle ein Alternativkonzept erarbeiten, das dem Werk eine Zukunft geben könnte.

Dazu sei es aber notwendig, dass Heilbronn neue Produkte und neue Technologien bekomme, ergänzte Unilever-Konzenbetriebsratschef Hermann Soggeberg. Alleine durch Lohnverzicht könne das Werk nicht gerettet werden. Es sei sehr gewagt, der Belegschaft die Verantwortung für die Misserfolge des Unternehmens zuzuschieben.  

„Wie hier ein Unternehmen offenbar seine Verantwortung für die Menschen und den Standort abwälzen will, ist unglaublich“, sagte der Heilbronner NGG-Geschäftsführer Burkhard Siebert. Der aktuell geltende Zukunftstarifvertrag habe gerade einmal Halbzeit. Er frage sich, was Zusagen von diesem Konzern wert seien. „Das Motto für den Widerstand ist klar: Knorr muss in Heilbronn bleiben!“

Standortvertrag läuft Ende 2020 aus

Einen Zeitplan für eine mögliche Schließung nannte Engel nicht. Er machte aber deutlich, dass die Entscheidung innerhalb einiger Wochen fallen müsse. Bis Ende 2020 sind die Arbeitsplätze noch durch einen Standortvertrag gesichert. 

Die Geschichte der Fabrik reicht bis ins Jahr 1838 zurück. Das Unternehmen ist eng mit der Historie der Stadt verwoben. „Knorr gehört für mich zu Heilbronn wie die Kilianskirche und das Rathaus“, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel. Die jetzt angekündigten Maßnahmen reihten sich ein in eine Kette von Zumutungen ein. „Ich verstehe die Enttäuschung und Wut der Beschäftigten.“

 


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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