Heilbronn wird zum Magneten für die IT-Elite

Heilbronn  Heilbronn bekommt die deutschlandweit erste Filiale der Ecole 42 mit 700 Studienplätzen. 2021 eröffnet die Dieter-Schwarz-Stiftung den Ableger der französische Programmierschule mit einem einzigartigen Konzept, das bereits an 29 Standorten weltweit IT-Talente hervorbringt.

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700 Studierende sollen in Heilbronn programmieren lernen. Foto: Paul Pirosca/stock.adobe.com

Es ist eine Sensation: Deutschland erhält einen Ableger der außergewöhnlichen Pariser Schule Ecole 42, und zwar in Heilbronn. Die besten IT-Talente haben die Chance, hier kostenfrei zu studieren. Dazu will die Dieter-Schwarz-Stiftung bis 2021 ein Umfeld schaffen, das maximale Kreativität und Fokussierung auf das Wesentliche ermöglicht. Die Verträge dazu wurden am Montag in Paris unterschrieben.

Platz für 700 Studenten vorgesehen

Der Ausbau der Schule wird in mehreren Etappen verlaufen. Rund 700 Studenten sollen letztlich Platz finden, wie der Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung, Professor Reinhold Geilsdörfer, gegenüber unserer Redaktion erklärt. Welche Investitionen dafür notwendig sind, darüber bewahrt die Stiftung wie immer Stillschweigen. Sie bezahlt aber sowohl die laufenden Kosten als auch die Infrastruktur. Zudem werden Stipendien angeboten, die auch für die Lebenshaltungskosten der Studenten aufkommen.

Es kommt aufs Talent und die Motivation an

Die Idee der Schule ist so innovativ wie ihre Lehrdisziplin: Die Programmierschule ist offen für jeden, der gut genug ist, das anspruchsvolle Zulassungsverfahren erfolgreich zu durchlaufen.

Talent und Motivation müssen stimmen, dann können an der Schule innerhalb von drei bis fünf Jahren einzigartige Programmierkenntnisse erlangt werden. Dabei werden die Schüler zu Lehrern, es gibt keine Professoren, keinen klassischen Unterricht. Auswendiglernen hat hier nichts verloren, stattdessen werden Probleme gelöst. Talente sollen sich frei entwickeln.

Neuer Campus im alten Industriegelände?

Somit ist die Schule keine offizielle Hochschule und keine Universität - obwohl sie manchmal so genannt wird. In Heilbronn wird sie auch nicht auf dem Bildungscampus erbaut, sondern möglicherweise in einem alten Fabrikgebäude im Industriegebiet unterkommen. "Noch gibt es nur die Pläne. Aber natürlich lebt die gesamte Idee auch vom Image", sagt Geilsdörfer. Das soll offenbar keinesfalls angestaubt wirken. Die Studenten sollen sich wohlfühlen.

Dass das Konzept der Programmierschule gut in die neu geadelte Universitäts- und Wissensstadt Heilbronn passt, davon war die Unternehmerin Hester Spiegel-van den Steenhoven als erste überzeugt. Die Bildungsexpertin berät die Dieter-Schwarz-Stiftung und fädelte den Deal ein.

 

 

Die Wirtschaft wartet auf solche Talente

Die Zielgruppe der Schule ist international. Xavier Niel, der mit Internet- und Mobilfunkfirmen zu einem der reichsten Franzosen wurde, hatte die Schule mit Partnern 2013 gegründet. "Er wollte mit dieser Einrichtung auch der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich entgegenwirken", erzählt Geilsdörfer.

Es ist auch überzeugt ist, dass sich die Absolventen um Stellenangebote dann keine Sorgen machen müssen: „Erfahrungen anderer Standorte zeigen, dass die Studierenden beste Arbeitsmarktchancen haben und von der Wirtschaft stark nachgefragt sind.“ So funktioniert es bisher in Paris und 28 weiteren Standorten weltweit.

Heilbronn wird demnächst auf einer Liste mit Orten wie Amsterdam, Seoul und dem Silicon Valley aufgeführt. Trotz der internationalen Ausrichtung möchte die Dieter-Schwarz-Stiftung mit der Investition aber vor allem die Wirtschaft der Region stärken. „Dafür brauchen wir mutige Konzepte und außergewöhnliche Innovationen im Bereich der Informatik, die unserer zukünftige Arbeitswelt grundlegend verändern wird“, erklärt Reinhold Geilsdörfer.

Aufnahme

Jeder kann versuchen, das Zulassungsverfahren erfolgreich zu durchlaufen, unabhängig von Alter und Vorbildung. In der Regel werden vor allem junge Menschen bei einem Online-Test herausfinden, welche logischen Fähigkeiten sie besitzen. Ob sie schon programmieren können, einen Doktortitel oder auch nur einen Schulabschluss besitzen, spielt dafür keine Rolle. Sind sie gut genug, kommen sie eine Runde weiter und landen in einem vierwöchigen Intensivtest, der "Piscine" - Schwimmbad - genannt wird. Die besten werden an der Schule aufgenommen. Für das Studium werden dann keinerlei Gebühren verlangt. Innerhalb von drei bis fünf Jahren müssen dort Projekte in 21 Niveaustufen abgeschlossen werden.

 


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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