Heilbronn misst den Verkehr in der Gerberstraße

Heilbronn  Im Heilbronner Innenstadt-Nadelöhr wird der Anteil der Querer erfasst. Das Ergebnis soll in die künftige Verkehrsführung einfließen. Anwohner empfinden die Zunahme als stark belastend und wünschen sich ein Durchfahrtsverbot. So schnell wird aber wohl nichts passieren.

Von Carsten Friese

Stadt misst Durchgangsverkehr in Gerberstraße

Anwohner klagen über häufige Staus: Seit es die neue Verkehrsführung ohne Kranenstraße gibt, hat der Verkehr in der Gerberstraße deutlich zugenommen. Fotos: Friese

 

Zwei große schwarze Kästen am Straßenrand deuteten es Ende letzter Woche an: In der Gerberstraße und dem Abzweig am Marra-Haus Richtung Bahnhof wird erneut der Verkehr gezählt.

In der engen Gerberstraße, die seit der neuen Verkehrsführung und der geschlossenen Kranenstraße von Autofahrern als Abkürzung durch die Innenstadt benutzt wird, spüren Anwohner einen deutlichen Verkehrszuwachs als belastend. Von vielen Rückstaus, mehr Abgasen, Lärm und brenzligen Situationen für Radfahrer und Fußgänger berichteten Bürger.

Die Stadt hat im Herbst schon einmal gezählt und eine Zunahme von rund 2000 Fahrzeugen gegenüber der früheren Verkehrsführung festgestellt. "Geringer als befürchtet", hatte Dirk Herrmann vom Amt für Straßenwesen dazu gesagt. Aber: Immerhin 9425 Kraftfahrzeuge rollten in 24 Stunden durch die Straße, die teilweise eine Einbahn ist - das ist kein kleiner Wert.

Kamera nahm 24 Stunden an zwei Standorten Autokennzeichen auf

Jetzt will die Behörde wissen, wie groß der Anteil des reinen Durchgangsverkehrs ist und stellte die Geräte mit den Kameras 24 Stunden auf. Erfasst wird, wie viele Autos von der Mannheimer Straße einfahren und wie viele binnen fünf Minuten am Marra-Haus Richtung Bahnhof rausfahren - die Straße also nur zum Queren nutzen.

"Es wurden nur Autos gemessen", betont Verkehrsplaner Wolfgang Teventhal. Ein Fachbüro vergleicht nun anhand der Kennzeichen, wer Durchfahrer war und wie hoch der Anteil am gesamten einfahrenden Verkehr ist. Die Bilder würden nur für den Zweck erhoben und danach gelöscht, sagt Teventhal.

Die Ergebnisse werden demnächst den Gremien des Gemeinderats vorgestellt. Sie sollen erhellen, wie stark die Straße mit reinem Durchgangsverkehr belastet ist und wie groß der Anteil der Autofahrer ist, die ein Ziel in der Innenstadt haben oder dort selbst Anlieger sind.

Wie Anwohner entlasten? Viele Alternativen gibt es nicht, sagt die Stadt

Stadt misst Durchgangsverkehr in Gerberstraße

Mit solchen Messkoffern samt Kameras wurde der Verkehr erfasst.

 

Für die Frage, ob die Kranenstraße nach der Bundesgartenschau im Jahr 2019 wieder als direkte Verbindung zum Europaplatz geöffnet werden soll, werden die Daten eine Rolle spielen. Auch, um die Anwohner der Gerberstraße vorher schon durch Maßnahmen zu entlasten?

Teventhal ist vorsichtig. Er erwartet, dass die Mehrheit der Autofahrer Ziel- und Quellverkehr ist. Die Frage, wie man reinen Durchgangsverkehr lenken könne, sei zu beantworten. Viele Alternativen sieht er nicht. Eine Lösung müsse dann in den Ratsgremien diskutiert werden.

Anwohner hatten sich dafür ausgesprochen, nur noch Anliegern die Einfahrt in die Altstadtgassen über die Gerberstraße zu erlauben. Zudem sollten die Grünphasen für Fußgänger in den Sommermonaten verlängert werden. Eine diskutierte Unterquerung der Eisenbahnlinie als Alternativ-Trasse von der Paula-Fuchs-Allee ist Zukunftsmusik - und kostspielig.

Lokale Agenda ist für einen Versuch, Durchfahrt zu verbieten

Die Arbeitskreise Mobilität und Wohnen der Lokalen Agenda haben sich zwei Mal mit Anwohnern getroffen. "Eine Sperrung der Durchfahrt" ist der Wunsch der Bürger, den auch die Lokale Agenda vertritt. Mehr als 9000 Kfz am Tag "ist zu viel", betont Agenda-Mitglied Uwe Ahrens.

Die Zufahrt zur Stadtgalerie sieht er auch über die Bahnhofstraße oder die Rollwagstraße gewährleistet - nicht zwingend über die enge Gerberstraße. Anwohner oder Kunden von Geschäften in dem Areal dürften indes weiterhin in die Straße einfahren, erklärt er die Idee.

"Man kann es doch wenigstens einmal versuchen", findet Ahrens. Wenn die Stadt sich dazu durchringe, müssten an der Einfahrt von der Mannheimer Straße aber deutliche Hinweise stehen, dass eine Durchfahrt zur Bahnhofstraße nicht möglich sei, mahnt er. Weil sonst neue Probleme durch wieder wendende Autofahrer in der Straße entstehen würden.