Heilbronn hat eine neue Partnerstadt in Russland

Noworossijsk  Heilbronn und Noworossijsk unterzeichnen am Schwarzen Meer einen Vertrag für eine Städtepartnerschaft. Oberbürgermeister Harry Mergel zeigte großen Respekt vor der Geschichte der Stadt, mahnte aber auch, nach vorne zu schauen.

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Ein kleines Stückchen mehr Frieden

Die Oberbürgermeister Igor Dyachenko (links) und Harry Mergel unterzeichnen im Beisein von Stadträten beider Kommunen den Partnerschaftsvertrag. Im Mai 2020 wird der Vertrag in Heilbronn gegengezeichnet.

Fotos: Joachim Friedl

Es war ein historischer Augenblick: Am Tag der Befreiung von Noworossijsk am 16. September 1943 durch die Rote Armee von der Wehrmacht unterzeichneten am Montag die Oberbürgermeister Igor Dyachenko und Harry Mergel einen Städtepartnerschaftsvertrag. Die geschichtsträchtige Zeremonie fand im Administrationshaus der Stadt am Schwarzen Meer statt. Heilbronn ist die 14. Partnerstadt der russischen Kommune mit 250.000 Einwohnern.

Gemeinderat stimmt nachträglich zu

Die Gegenzeichnung wird im Mai 2020 im Heilbronner Rathaus erfolgen. Begleitet wurde OB Mergel bei der viertägigen Delegationsreise von Stadträten, die bis auf Pro und Linke die politische Landschaft Heilbronns repräsentierten. In der öffentlichen Sitzung am 30. September wird der Gemeinderat dem Vertragswerk nachträglich zustimmen.

Ein kleines Stückchen mehr Frieden

Noworossijsk wächst in die Höhe wie hier an der Hafenpromenade.

"Das Abkommen ist ein Symbol für den Erhalt des Friedens und Verpflichtung, dass sich Krieg zwischen unseren beiden Ländern nicht wiederholt", betonte Igor Dyachenko. Er erinnerte an die ersten Verbindungen, die zwischen Heilbronn und Noworossijsk auf sportlicher Ebene über den Judo Club Kano entstanden waren und hielt fest: "Möge unser gemeinsamer Weg gut sein." Die Duma steht voll hinter der Partnerschaft.

Geschehenes ist nicht rückgängig zu machen

"Wir stehen zu unserer Schuld, aber wir können das Geschehene nicht rückgängig machen", bekannte Mergel bei der Unterzeichnung und sprach von einem "besonderen Tag". Mergel bekräftigte seinen "großen Respekt" vor der Geschichte der Stadt, mahnte aber, nach vorne zu schauen und eine gute Freundschaft zu entwickeln: "Die Tatsache, dass Noworossijsk eine Partnerschaft mit uns eingeht, ist respektabel und ehrt uns", rückte er die Versöhnung in den Vordergrund.

Mehr zum Thema: Die Heilbronner Stadträte stehen der Städtepartnerschaft mit Noworossijsk aufgeschlossen gegenüber. Bei der viertägigen Delegationsreise zeigten sie sich von der Herzlichkeit der Menschen beeindruckt

 

Feierliche Zeremonie auf dem Heldenplatz

Ein kleines Stückchen mehr Frieden

Die Heilbronner Delegationsmitglieder pflanzen einen Partnerschaftsbaum.

Welches Trauma Noworossijsk durch die Zerstörung durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg bis heute mit sich herumträgt, wurde bei der eindrucksvollen und emotionalen Gedenkfeier deutlich. Auf dem Heldenplatz erzählten Chöre in Uniform und Sänger das Leid der Bevölkerung und die unermessliche Freude nach der Befreiung nach. Soldaten, Veteranen und hohe Würdenträger der russisch-orthodoxen Kirche gaben der feierlichen Zeremonie einen würdevollen Rahmen.

Viel beachtet wurde, als Oberbürgermeister Harry Mergel am Kranz der Gefallenen innehielt und die Heilbronner Delegation an der Ehrenwand und dem ewigen Feuer einen Gedenkkranz niederlegte. Im angrenzenden Park pflanzten anschließend Vertreter beider Städte als Zeichen der Freundschaft eine Linde.

Noworossijsk wurde 1973 zur Heldenstadt ernannt

Ein kleines Stückchen mehr Frieden

Nico Weinmann, Rainer Hinderer, OB Mergel, Thomas Randecker und Agnes Christner (v. l.) legen an der Ehrenwand auf dem Heldenplatz einen Kranz nieder.

Nach dem sechstägigen Befreiungskampf, bei dem 25 000 Soldaten den Tod fanden, und nach dem Ende des Zweiten Krieges gehörte Noworossijsk zu den 15 Vorrangstädten in Russland für den Wiederaufbau. 1973 wurde die Stadt als "Heldenstadt" ausgezeichnet. 2020 soll der Marinestützpunkt der Schwarzmeer-Flotte fertiggestellt werden.

Heute ist Noworossijsk eine prosperierende Stadt. An allen Ecken und Enden wird gebaut, Straßen werden erneuert, Wohngebäude in die Höhe gezogen. Die Liberalisierung der Märkte leistet nach Anfangsproblemen ihren Beitrag. Selbst der ÖPNV wird privat-wirtschaftlich organisiert. Vor drei Jahren besuchten 300.000 Touristen - überwiegend Einheimische - die Schwarzmeerstadt; 2018 kamen eine Million Besucher. Positiv auffällig: Die Stadt ist sauber und man sieht keine Graffitischmierereien.

Mehr zum Thema: Die Städtepartnerschaft zwischen Heilbronn und dem russischen Noworossijsk hat historische Bedeutung, meint Stimme-Redakteur Joachim Friedl

 

 

IHK Heilbronn-Franken strebt engere Zusammenarbeit an

Die Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken nutzte die Delegationsreise, um mit der IHK Noworossijsk einen Partnerschaftsvertrag zu unterzeichnen. Die Unterschrift unter das Vertragswerk setzte im Administrationshaus Christof Steffen Geiger. Der Leiter Außenwirtschaft, Steuern, Verkehr bei der IHK Heilbronn-Franken sagte zur Intension: "Unser Ziel ist es, in allen Bereichen stärker zusammenzuarbeiten und gemeinsame Aktionen zu planen. Im Mai 2020 wird der Vertrag dann bei uns in der IHK gegengezeichnet."

Die IHK Noworossijsk ist so aufgebaut wie die IHK Heilbronn und hat 250 Mitglieder. Im Vergleich zu hier gibt es aber keine Pflichtmitgliedschaft. Die Finanzierung erfolgt über Dienstleistungen, die sie vermarktet. Die meisten Mitgliedsfirmen sind Logistikunternehmen im Hafen, mit einem Warenumschlag von 147,4 Millionen Tonnen der größte Seehafens Russlands. Getreide, Öl, Zement sind die Hauptgüter. Von den 250.000 Einwohnern arbeiten 100.000 im Hafen.

 

 
 

Joachim Friedl

Joachim Friedl

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Joachim Friedl arbeitet seit Ende 1979 bei der Heilbronner Stimme. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Kommunalpolitik. 

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