Heilbronn: Mit Tempo 40 und Blitzern gegen Kfz-Lärm

Heilbronn  Die Stadt Heilbronn bringt ein weiteres Maßnahmenbündel zum Anwohnerschutz an stark befahrenen Straßen auf den Weg. So soll auf vier großen Straßen bald Tempo 30 gelten.

Email
Heilbronn: Mit Tempo 40 und Blitzern gegen Kfz-Lärm

An der Oststraße leiden Anwohner besonders unter dem Straßenlärm. Hier und auf drei anderen großen Straßen soll bald Tempo 40 gelten.

Fotos: Archiv/Berger/dpa

Von gut 125.000 Heilbronnern sind durch Straßenlärm tagsüber 1700 Menschen sehr hohen Belastungen von mindestens 70 Dezibel ausgesetzt. 65 Dezibel gelten als Lautstärkepegel, der Reaktionen wie Veränderungen der Pulsfrequenz oder Adrenalinausschüttung verursachen kann. Unter hohen Belastungen (mindestens 60 Dezibel) leiden tags 5400, nachts sogar 5700 Bewohner, dann gelten nämlich strengere Grenzwerte.

Bei Stadtbahn rechtlich kein Handlungsbedarf

Dies ist das Ergebnis einer sogenannten "Betroffenheitsanalyse", die im Zuge des städtischen Lärmaktionsplans durchgeführt wurde. Die dritte Stufe des Plans wurde jetzt dem Gemeinderat vorgelegt. Demnach besteht im Bereich der Stadtbahn und an Industriebetrieben aktuell "kein Handlungsbedarf", im Autoverkehr aber sehr wohl.

Mit verschiedenen Maßnahmen will die Stadt Abhilfe schaffen. Spektakulärster Punkt: Auf vier stark befahrenen Straßen soll schon bald eine Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 40 km/h gelten: auf der Weinsberger Straße zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Allee, auf der Wilhelmstraße in der Südstadt, der Wollhausstraße und auf der Oststraße. Darüber hinaus werden gerade an Lärmschwerpunkten verstärkt Blitzer aufgestellt.

Flüsterasphalt auf weiteren Straßen

Wie schon einige andere Strecken bekommen in den nächsten fünf Jahren weitere Straßen einen sogenannten Flüsterasphalt: Theodor-Heuss-Straße in Klingenberg, Südstraße, Wilhelm-Leuschner-Straße in Böckingen und Oststraße. Nicht zuletzt soll das Lärmschutzfensterprogramm ausgeweitet werden, bei dem der Einbau besserer Fenster finanziell unterstützt wird: auf Wollhaustraße, Schlossstraße und Jägerhausstraße.

Außerdem werden sogenannte "Ruhige Gebiete" ausgewiesen, bei denen der Vorsorgegedanke im Vordergrund steht. Hier will man Menschen, die in dicht besiedelten Quartieren wohnen und dem Lärm stark ausgesetzt sind, wohnungsnahe Erholungsgebiete anbieten, in denen sie etwas zur Ruhe kommen können: Neu aufgenommen werden Botanischer Obstgarten und Friedhof Heidelberger Straße. Bereits als "ruhig" ausgewiesen sind Ziegeleipark, Wertwiesenpark, Hauptfriedhof, Stadtgarten, Pfühlpark, Alter Friedhof sowie der Leinbachpark zwischen Neckargartach und Frankenbach.

Rege Ratsdebatte: Zum Schutz der Bürger

Heilbronn: Mit Tempo 40 und Blitzern gegen Kfz-Lärm

Stadträte aller Fraktionen stimmten dem neuen Maßnahmenpaket zu. Von einem "Beitrag zum Schutz der Bürger" und einer Verbesserung der Lebensqualität sprach Albrecht Merkt (CDU). Man dürfte auch keine Maßnahme herausnehmen, weil sonst das Gesamtkonzept untergraben werde. Holger Kimmerle (Grüne) geht davon aus, dass der Verkehrsfluss unter Tempo 40 nicht leidet. Er lobte die Einbindung der Bürger und wünschte sich in Zukunft "mehr Mut zu ganz neuen Schritten". Eine Ausweitung des Fensterprogramms in Böckingen wünschte Herbert Tabler (SPD), außerdem regte er an, am Kreuzgrund die Felder als "Ruhiges Gebiet" auszuweisen. Dass die Tempobremse auch positive Auswirkungen auf die Luftbelastung habe, hob Marion Rathgeber-Roth (FWV) hervor.

"Wir tragen alle Maßnahmen gegen Krankmacher mit", betonte Nico Weinmann (FDP), wobei Tempo 40 überdacht werden sollte, sobald auf den betreffenden Straßen Flüsterasphalt aufgebracht sei. Weinmann pochte zudem auf strenge Kontrollen für getunte Autos. "Die haben im Straßenverkehr nichts zu suchen." "Die EU zwingt uns zu dem Aktionsplan, deshalb stimmen wir zu", so Michael Seher (AfD). Von "lauter Tropfen auf den heißen Stein", sprach indes Alfred Dagenbach (Pro). Er nannte die Maßnahmen ein "Herumdoktern an Symptomen" und "kleinkarierte Krämerseelenpolitik".


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

Kommentar hinzufügen