Große Sorgen um den Heilbronner Stadtwald

Heilbronn  Der Klimawandel mit Unwettern, Dürre und Schädlingen macht Bäumen und Waldarbeitern im Heilbronner Stadtwald zunehmend zu schaffen.

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Große Sorgen um den Heilbronner Stadtwald

Erstmals überhaupt müssen im Stadtwald diesen Winter in großem Umfang abgestorbene oder stark verdorrte Buchen und Hainbuchen gefällt werden.

Foto: Christiana Kunz

Alle reden vom Klimawandel. Vielerorts ist er regelrecht greifbar, zum Beispiel im Heilbronner Stadtwald. Dort ist der Holzeinschlag im Forstwirtschaftsjahr 2019 von Trockenheit, Dürre oder Schädlingen wie dem Borkenkäfer getrieben. Bis November musste ein Drittel mehr Bäume gefällt werden als geplant, 6000 Festmeter (Fm) statt 4400.

In Kürze soll dem Gemeinderat ein umfassender Zustandsbericht vorgelegt werden, erklärte Erster Bürgermeister Martin Diepgen im Wirtschaftsausschuss. Dort gab Forstamtsleiter Immanuel Schmutz einen Einblick in die "dramatische Situation".

Fichten trifft es besonders hart

Besonders hart treffe es die Fichte. Dort liege der Dürre- und Käferholzanfall mit rund 1700 Fm beim 1,5-fachen des Vorjahreswertes und beim Vierfachen gegenüber 2017; weitere 1000 Fm müssten noch 2019 gefällt werden. Das Eschentriebsterben verursachte wie schon 2018 einen nicht geplanten Einschlag von rund 650 Fm, 2017 waren es nur 250 Fm). 400 Fm über Plan lag der Eicheneinschlag. Erstmals überhaupt müssten diesen Winter in großem Umfang abgestorbene oder stark verdorrte Buchen und Hainbuchen zu fällen sein, sagte Schmutz.

Forstarbeiter kommen fast nicht mehr nach

Zur "Überlebensrate" im Frühjahr gepflanzter 1800 Hölzer könne man nach der Sommertrockenheit derzeit noch keine sicheren Aussagen treffen. Das geplante Absägen von Ästen an Douglasien und Kirschen, die man normalerweise verkaufen würden, musste erneut ausgesetzt werden: ganz einfach weil das Personal mit der Aufarbeitung von Schadholz mehr als eingedeckt sei. Fast ausgefallen seien im Sommer deshalb auch die geplanten Arbeiten zur Kulturensicherung und die Pflege junger Bestände.

Kosten steigen ohne Ende

Wenig tröstlich: Die Brennholzpreise seien weiterhin stabil. Ansonsten habe der massive Anfall von Sturm-, Dürre- und Borkenkäferholz durch das Überangebot einen drastischen Holzpreisverfall nach sich gezogen. So seien Fichten mittlerer Stärke von 90 bis 94 Euro/Fm (2017) über 50 bis 80 (2018) auf heute 30 bis 60 Euro/Fm (2019) gefallen. Unterm Strich liege der Holzerlös deshalb aktuell mit 336.500 Euro 33.500 Euro unter Plan. Gleichzeitig seien die Beseitungskosten gestiegen, weil man wegen der Käfergefahr zügig handeln und dadurch öfter bestimmte Waldbereiche absperren musste.

Nervöse Ratsdebatte

Eigentlich wollte Diepgen die Ratsdebatte auf den nicht öffentlichen Teil der Sitzung beschränkt wissen, weshalb Stadtrat Wolf Theilacker (Grüne) warnte, "die Katastrophe kleinhalten zu wollen". Diepgen verwahrte sich gegen diesen Vorwurf energisch und verwies auf die anstehende Grundsatzdebatte im Gemeinderat hin. Herbert Burkhardt (FWV) warf Theilacker "Panikmache" vor.

Derweil erfuhr Eva Luderer (Grüne), dass - abgesehen von der Fichte - weiterhin Nadelhölzer gepflanzt werden: weil man sie auf dem Bau brauche und weil sie auch im Winter grün sind, sagte Schmutz mit Blick auf die Erholungsfunktion des Waldes. "Da fühlen sich Spaziergänger wohler."

Weil der Wald seinerseits "ein Stück Klimastabilität" sei, dürfe mit Finanzmitteln hier nicht geknausert werden, befand Erhard Jöst (Linke). Auf Anfrage von Sylvia Dörr (FPD) machte sich Schmutz wenig Hoffnung, dass Heilbronn Geldern und Stellen, die Bund und Land in Aussicht gestellt haben, tatsächlich profitiert: weil man an anderer Stelle schon Geld bekomme, und weil Forstarbeiter nicht vom Himmel fallen.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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