Gesucht: Rezepte gegen den Verkehrsinfarkt

Heilbronn  Die Verkehrssituation im Bereich der Gerberstraße und der Lammgasse treibt die Anwohner auf die Barrikaden. Die Kranenstraße fehlt als Verbindung. Verschiedene Lösungsideen kursieren.

Von Manfred Stockburger

Gesucht: Rezepte gegen den Verkehrsinfarkt

Die Heilbronner Gerberstraße hat sich von einer ruhigen Wohn- zu einer dicht befahrenen Durchfahrtsstraße in der Innenstadt verwandelt.

Foto: Mario Berger

 

Die Verkehrssituation im Bereich der Gerberstraße und der Lammgasse treibt die Anwohner auf die Barrikaden. Zwei Dutzend Anwohner und Interessierte folgten nun am Samstagmittag der Einladung der Heilbronner Grünen, bei einer Begehung die Situation vor Ort zu erkunden.

Auto um Auto biegt von der Mannheimer Straße in die Gerberstraße ein − die Strecke ist seit der Sperrung der Kranenstraße für viele zur Abkürzung zwischen dem Heilbronner Norden und Süden geworden. Seit Monaten ist das Thema virulent. "Wir haben viele Beschwerden aus der Innenstadt bekommen", sagt die Grünen-Frakionschefin im Rathaus und Landtagsabgeordnete Susanne Bay. "Gelegentlich komme ich da nicht einmal mit dem Fahrrad mehr durch."

Die Kranenstraße fehlt als Verbindung

Der Grund für die aktuellen Probleme ist klar − die Kranenstraße fehlt als Verbindung zwischen dem Europaplatz und dem Bahnhof. "Wir haben der Sperrung für die Buga zugestimmt", sagt Bay. Als temporäre Maßnahme. Jetzt habe der Verkehr aber solche Ausmaße angenommen, dass er das Leben der Anwohner beeinträchtige.

Was aber tun gegen den Verkehrsinfarkt in den Altstadtgassen? In der Ablehnung der von den Freien Wählern ins Spiel gebrachten Idee, die Durchfahrt von der Gerber- in die Kramstraße und damit zum Stadtgalerie-Parkhaus zu erlauben, waren sich die Teilnehmer einig: Das würde noch mehr Verkehr anlocken. "Wir halten das für überhaupt keine gute Idee", sagt Susanne Bay.

Welche Ideen sie haben, das möchten die Grünen bei dem Rundgang von den Anwohnern wissen. Die Denkweise der Teilnehmer des Rundgangs ist eindeutig: Die Einfahrt in die Altstadtgassen sollte nur Anliegern erlaubt sein. Kürzere Ampelphasen an der Kreuzung beim Bollwerksturm würden es weniger attraktiv machen, die Abkürzung durch die Innenstadt zu nutzen. Als "Plan C" bringt ein Anwohner eine Citymaut ins Gespräch, um die Autos aus der Innenstadt zu halten. "Eine Stadt ist dann für Anwohner und Geschäfte attraktiv, wenn sie verkehrsfrei ist", findet Stadtrat Wolf Theilacker.

Längere Grünphasen nötig

Zugleich müsse im Sommer, wenn wieder mehr Menschen zu Fuß in der Stadt unterwegs sind, die Grünphase an den Fußgängerampeln zwischen Marrahaus und der Unteren Neckarstraße und ab der Einfahrt zur Gerberstraße beim Käthchenhof wieder verlängert werden. "Aktuell ist da nur sechs Sekunden grün", weiß eine Teilnehmerin. "Das ist viel zu kurz." Dem Arbeitskreis Wohnen der Lokalen Agenda habe die Stadt zugesichert, so Ingeborg Jähne, mit einer Verkehrszählung herauszufinden, wie viele Autos die Gerberstraße tatsächlich als Durchgangsstraße verwenden.

Langfristig hofft Stadtrat Karl-Heinz Kimmerle auf die zunächst aus Kostengründen gestrichene Fortführung der Paula-Fuchs-Allee zur Bahnhofstraße. Dazu muss aber die Eisenbahn unterquert werden − was sehr teuer ist. "Ich habe die begründete Hoffnung, dass Dieter Schwarz etwas dazubezahlt", sagte der Grüne. Dann könne diese Tangente realisiert werden − schließlich geht es auch um die Zufahrt zur Experimenta. Unter dieser Voraussetzung könnte die Verkehrsführung so geregelt werden wie bei den Gassen, die von der Allee in die Innenstadt führen: in Schleifen.