Gesperrte Götzenturmbrücke löst Dispute aus

Heilbronn  Seit Neujahr dürfen Autos nicht mehr über die Götzenturmbrücke in Heilbronn fahren. Ein Verkehrsschild und ein großer Blumenkübel sollen Autofahrern die Sperrung verdeutlichen. Doch ein Kübel lässt sich aus dem Weg räumen. Und nun?

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Gesperrte Götzenturmbrücke löst Dispute aus

Große Hinweissschilder kündigen die Sperrung der Brücke seit Wochen an.

Seit dem Neujahrstag ist die Götzenturmbrücke für Autofahrer gesperrt. Ein großer Blumenkübel zwischen den Pollern an der zuvor noch möglichen Einfahrt vom Götzenturm sowie ein blaues Fuß- und Radwegschild sollten die neue Ära klar kennzeichnen. Doch wie so oft gibt es in der Anfangszeit Stress.

Einen lauten Disput zwischen einer Kleintransporterfahrerin und einem Fußgänger erlebte ein Radfahrer aus Donnbronn Anfang Januar. "Die Fahrerin regte sich noch über das Hindernis auf", sagte er der Stimme. Einen Tag später sei der große Kübel "auf die Seite geschoben worden" - quasi die Bahn freigeräumt, damit ein Auto durchkommt. "Bin gespannt, welche Wellen diese Brückensperrung noch schlägt", merkt der Radler trocken an.

Viele Autofahrer seien in Spielstraße schneller als erlaubt gefahren

Die neue Regelung ist Gesprächsthema bei Anwohnern, und Margit Kühnle hat den weggeschleiften Kübel auch gesehen. Zu dritt habe man ihn wieder an seinen Platz gezogen, berichtet sie. Sie ist "natürlich" dafür, dass Autos wegbleiben. Vorher sei Schrittgeschwindigkeit die Vorgabe gewesen, doch viele seien schneller gefahren. Jetzt "ist es angenehmer".

Jürgen Girke hat beides erlebt, langsam und vorsichtig agierende Autofahrer und solche, die zu schnell fuhren und Fußgänger an den Rand drängten. Den Kübel mit dem kleinen Tannenbaum hält er für keine gute Lösung. "Da müsste man schwere Steine hinlegen, die schieben sie nicht weg." Der Nordheimer Reiner Müller wiederum findet das Szenario mit Blumenkübel plus Mini-Weihnachtsbaum "nicht würdig" für eine Großstadt. Eine Anwohnerin klärt kurz danach auf, dass der Mini-Tannenbaum anfangs nicht im Kübel war. Irgendjemand muss ihn dort platziert haben.

Mit dem Rollator spaziert Anneliese Urschel (88) hier jeden Tag über die Götzenturmbrücke. Was sie von der Sperrung für Autos hält? Sie hätten die Autos nicht groß gestört, erzählt die Rentnerin. Probleme habe sie nicht gehabt.

Gesperrte Götzenturmbrücke löst Dispute aus

Ein Blumenkübel wirkt derzeit als Sperrhindernis für Autos an der Brücke. Er wurde zum Ärger von Fußgängern aber auch schon zur Seite geschoben.

Fotos: Carsten Friese

Klares Verkehrsverbot außer für Fußgänger und Radfahrer

Dennoch kommt die Frage auf: Wie sinnvoll ist eine Sperrung, die offenbar relativ einfach umgangen werden kann? Jürgen Girke fällt zudem auf, dass man an einer Stelle am Rand mit einem Kleinwagen auch locker noch auf die Brücke fahren könne. "Wenn, dann sollte man es richtig machen", ist seine Meinung.

Die Stadt Heilbronn hat schon einige Reaktionen auf die Sperrung erhalten, "sie reichen von sehr positiv bis sehr negativ", stellt Rathaussprecherin Suse Bucher-Pinell fest. Bereits einen Monat vor dem Stichtag habe man die Sperrung auf großen Tafeln angekündigt. Der Stadt waren bis gestern keine Verstöße bekannt. Aber: Die Götzenturmbrücke sei durch ein Verkehrszeichen als gemeinsamer Rad- und Gehweg ausgewiesen.

"Somit gilt für andere Verkehrsarten ein Verkehrsverbot", stellt Bucher-Pinell klar fest. Ein unberechtigtes Befahren mit einem Auto könne mit Verwarnungs- oder Bußgeld geahndet werden. Das Verstellen eines Blumenkübels kann nach Angaben der Sprecherin zudem als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr gewertet werden - "und insofern eine Straftat darstellen".

Teil des Masterplans

Warum die Stadt Heilbronn die Götzenturmbrücke für Autos zu Beginn des Jahres 2020 gesperrt hat? Ziel des Verbots ist nach Angaben von Rathaussprecherin Suse Bucher-Pinell, die Götzenturmbrücke zu entlasten. Viele Fußgänger und Radfahrer benutzten sie; ohne motorisierten Kfz-Verkehr "ist die Situation für sie dort entspannter".

Zudem sei die Sperrung auch Teil des Masterplans Innenstadt mit einem Ziel, den Neckar für Heilbronn "wieder erlebbar zu machen".

Bei der Lösung mit dem Blumenkübel soll es nicht bleiben. In den nächsten Wochen werde der Kübel "durch Poller ersetzt", erklärt Suse Bucher-Pinell. Diese sollen die Brücke so absperren, "dass keine Durchfahrt für Kraftfahrzeuge mehr möglich ist".

Eine weitere positive Auswirkung hat die Sperrung nach Ansicht von Anwohnerin Margit Kühnle. Autofahrer könnten die Brücke nicht mehr als Abkürzung nach Böckingen nutzen und dann verbotenerweise die Fahrradstraße am Neckar entlangfahren. Sie hat erlebt, dass Radfahrer im Viertel auf dem Gehweg fahren - mit dem Argument, sie wollten den vielen Autos in der Fahrradstraße aus dem Weg gehen.

 

 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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