Gärtnern extrem: Die Region gießt und gießt

Trockenheit  Lang anhaltende Hitze und Trockenheit nicht nur in Heilbronn: Erinnerungen an den Jahrhundertsommer 2003 werden wach.

Von Helmut Buchholz

Gärtnern extrem: Die Region gießt und gießt

Die lange Hitzeperiode und der fehlende Regen werden zur Herausforderung. Gärtner kommen mit dem Gießen gar nicht mehr nach, um ihre Pflanzen vor dem Verdursten zu retten. Das Heilbronner Grünflächenamt hat sogar schon zwei Privatunternehmen zum Wässern engagiert, weil sie aus eigener Kraft "nicht mehr rumkommen", sagt Stephan Näschen. "Zwei landwirtschaftliche Betriebe unterstützen uns jetzt."

Der Experte vom Grünflächenamt fühlt sich gar an den Jahrhundertsommer 2003 erinnert. "Damals hatten wir Neupflanzungen absterben lassen. Weil es billiger war, diese zu ersetzen als sie permanent mit dem Gießen am Leben zu erhalten."

Normalerweise spült der Regen das Läusepippi weg

Noch ist es in diesem Sommer nicht so weit. "Im Moment haben wir alles halbwegs im Griff", erklärt Näschen. Die Bäume in der Allee bekommen über ein unterirdisches Leitungssystem automatisch Wasser. Allerdings müssen die Blumenkübel und Blumenbeete in der Innenstadt noch mit Tankwagen und Wasserschlauch von Hand gegossen werden.

Das übernimmt das Betriebsamt. "Alles was fahren kann, ist im Einsatz", berichtet Helmut Lange, Chef der Wässerungstrupps. Der Aufwand ist enorm, "denn die Strahlungsintensität der Sonne ist groß", so Lange. Dazu komme ein heißer Ostwind, der wie ein Fön alles austrockne. Lange: "Es ist extrem, weil die Hitze schon im April sehr früh einsetzte." Näschen vom Grünflächenamt nennt eine weitere Auswirkung der ungewöhnlichen Wetterlage: "Der Lausbefall bei Linden ist extrem, auch das hängt mit der Hitze zusammen." Es fehle der Regen, "der das Läusepippi von den Bäumen abspült".

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Gärtnern extrem: Die Region gießt und gießt
Gärtner kommen mit dem Gießen gar nicht mehr nach. Foto: Mugler

Wie Bäume mittlerweile Vorsorge fürs Überleben treffen, lässt sich auch zum Beispiel an Nadelgehölzen beobachten. Sie bilden sehr große Zapfen. Die Bäume versuchen so ihre Nachkommenschaft zu sichern, wenn ihnen schon der Hitzekollaps droht.

In der Baumschule Schimmele in Neckarsulm "haben wir zum Glück Leitungen im Boden, die die Bäume mit Wasser versorgen", sagt Florian Leiensetter. "Sonst wäre es jetzt extrem schwierig." Er wundert sich über die lang anhaltende Hitze. "Bei uns ist ja gefühlt seit April Hochsommer." Das sei verrückt. "So etwas hatten wir lange nicht mehr oder vielleicht sogar noch nie."

Florian Leiensetters Wunsch wäre "mal wieder Landregen". Doch wie gießt man ohne ihn richtig? Das ist bei der ungewöhnlichen Hitze- und Trockenheitsphase eine Existenzfrage für die Pflanzen. Die Baumschule Schimmele gibt ihren Kunden ein Kärtchen mit Tipps mit (siehe Infografik).

Böden sind staubtrocken

Hans-Peter Eckert ist stellvertretender Vorsitzender der Gartenfreunde Rasenäcker in Böckingen. Seinen Gärtnerkollegen in der Laubenkolonie setzt die Trockenheit zu. "Die Behälter, in denen wir das Regenwasser sammeln, sind mittlerweile leer", berichtet Eckert. "Jetzt nehmen wir eben normales Leitungswasser zum Wässern." Indes, der Regen fehlt schon so lange, "dass der Boden auch tiefer bereits staubtrocken ist". Wenn nun ein Regenguss käme, sagt der Hobbygärtner, würde nur die Oberfläche feucht. "Das Wasser kann nicht richtig einsickern. Es müsste öfter regnen", hofft Eckert.

Auf dem Bundesgartenschau-Gelände "laufen die Regner zurzeit überall", berichtet Pressesprecherin Suse Buchner-Pinell. Das sei auch bitter nötig. "Wir haben in den letzten Wochen zum Teil frisch Rasen eingesät", listet Suse Buchner-Pinell auf. "Stauden, die jetzt blühen, brauchen Wasser. 1000 Bäume wurden gepflanzt. Wir wollen auf keinen Fall, dass das alles vertrocknet." Das Nass kommt aus den beiden Seen im Buga-Gelände, die gleichzeitig Regenüberlaufbecken sind. Wasser sei jedenfalls "ausreichend vorhanden". Ein Trost in diesen heißen, trockenen Zeiten.

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