Fast 2000 Kostüme gibt es - und ein jedes hat sie im Kopf

Gundelsheim  Der nächste Fasching kommt bestimmt: Beim Gundelsheimer Carneval-Verein wurden jetzt wieder ausgediente, aber originelle Verkleidungen verkauft.

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Fast 2000 Kostüme gibt es - und ein jedes hat sie im Kopf

Petra Baumgart (links) ist die Herrin über die Kostüme der Gundelsheimer Narren. Sie weiß, was nicht mehr gebraucht wird und verkauft werden kann.

Foto: Ralf Seidel

Natürlich gibt es eine Liste. Aber Petra Baumgart braucht sie nicht. "Wenn wir zum Beispiel sagen: ,Petra, vor vier Jahren stand das Männerballett mit diesem oder jenem Kostüm auf der Bühne", dann weiß sie genau, an welchem Ständer das Kostüm hängt", sagt Birgit Petrasch vom Gundelsheimer Carneval-Verein über Petra Baumgart, die Herrin über die fast 2000 Kostüme des Gundelsheimer Carneval-Vereins (GCV).

Weil das Kleiderdepot in schönster Regelmäßigkeit aus den Nähten zu platzen droht, sortiert die Kostümfachfrau jedes Jahr einmal aus. Was die Narren nicht mehr tragen, wird beim Flohschoppen-Grillmarkt verkauft - der nächste Fasching kommt bestimmt.

Wer will ein Geisterjäger sein?

Noch nie ein Ghostbuster gewesen? Dann wird"s aber Zeit. In der Halle des GCV hängen gleich mehrere Geisterjäger-Overalls - und eigens umgebaute Geisterjäger-Rucksäcke mit integriertem Saugschlauch gleich dazu. "Das waren mal Kostüme des Männerballetts", sagt Petra Baumgart. Es ist zwar schwer vorstellbar bei fast 25 Grad im Schatten - aber schon in ein paar Wochen ist der 11.11. Wer dann originell sein will, baut vor. Vielleicht ein Schottenröckchen für ihn? Ein indischer Sari für sie? Oder ein Kleopatra-Gewand? Ein paillettenbesetztes Charleston-Hängerchen? Leo-Prints? Alles da. Die Halle wird zwar nicht gerade gestürmt an diesem Altweibersommersonntag. Aber immer wieder kommen Leute und schauen die Ständer durch.

Auch die Konkurrenz kommt zum Stöbern

Auch andere Faschingsvereine sind auf der Suche. "Die Rappenauer Wolfsstecher waren schon da und die Narren aus Tamm und Waldmichelbach", sagt Birgit Petrasch, die mit Petra Baumgart an der Kasse steht. Später kommen noch die Binswanger Boschurle. "Die wissen, dass wir gute Sachen haben."

Erinnerungen werden wach

Etwa 300 Outfits hat Petra Baumgart für den Verkleidungsflohmarkt aussortiert. Teils sind sie selbst genäht, teils gekauft. Auf jeden Fall sind sie mit Erinnerungen behaftet: "Weißt du noch, das war in der Kampagne..." - "Ach, das war doch damals, als..." Erst vorhin hat Birgit Petrasch ein Aladin-Kostüm verkauft, das einst ihr Sohn getragen hatte. "Da war er sieben Jahre alt. Jetzt ist er 29." Sie hat sogar ein Foto von damals auf ihrem Handy gespeichert.

Andrea Kozka wohnt in der Nachbarschaft der Halle des 1100 Mitglieder großen Carneval-Vereins und kommt immer vorbei, wenn Flohschoppen-Grillmarkt ist. "Man kann hier gute Sachen finden", sagt sie und hält sich eine Latzhose mit Fransen aus Bast hin. "Soll wohl ein Vogelscheuchen-Kostüm sein?"

Was, wenn die Kleider doch noch gebraucht werden?

In ihre Liste mit dem Inventar - dazu gehören auch Accessoires und mehrere hundert Perücken - schaut Petra Baumgart selten. Sie tippt sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. "Alles hier drin." Auch das Wissen um das, was in den Verkauf kommt. Aber was, wenn eine Gruppe nach ein paar Jahren doch wieder auf ein Kostüm zurückgreifen will und die Kleiderbügel leer sind? Petra Baumgart lacht: "Dann hat sie halt Pech gehabt."

 


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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