Familie kämpft in Heilbronn mit Erfolg gegen Hundekot

Heilbronn  Sollte die ungewöhnliche Privatinitiative mit einem Gratis-Tütenspender in der Heilbronner Bahnhofsvorstadt Schule machen? Die Hinterlassenschaften von Vierbeinern sind ein Dauerproblem in der Stadt.

Von Helmut Buchholz

Familie kämpft in Heilbronn mit Erfolg gegen Hundekot

Der privat finanzierte Tütenspender in der Bahnhofsvorstadt.

Foto: privat

Haufenweise Häufchen: Was Ulrike Krafft und ihr Mann erlebt haben, ist total ekelig. Denn täglich bis zu drei Mal hinterlassen Hunde ihre Notdurft direkt vor ihrer Haustür. Die beiden haben in der Bahnhofsvorstadt neu gebaut und vor acht Monaten Zwillinge bekommen. "Wir haben uns oft über den Kot am Schuh oder am Kinderwagen geärgert", berichtet Ulrike Krafft.

Das Paar war sich sicher, dass sie mit Verbotsschildern nichts erreichen. Deshalb hat es sich bei einer auf Hundetoiletten spezialisierten Firma aus Lörrach für 150 Euro einen Hundekot-Beutelspender gekauft, plus 2500 Tüten. Den Gratis-Beutel-Automat montierten sie am Stützbalken eines neu gepflanzten Baumes gegenüber der Haustür. Und siehe da: "Seitdem grüßen uns die Hundebesitzer freundlich." Und Ulrike Krafft stolpert über keinen Haufen mehr.

Die Eltern nennen ihren Vorstoß "eine Privatinitiative für ein sauberes Heilbronn". So steht es auch auf dem Aufkleber auf dem Beutel-Spender. "Wir wollen einfach mit gutem Beispiel vorangehen", unterstreicht Ulrike Krafft. Sie richtet an die Hundehalter öffentlich eine Bitte: "Benutzen Sie die Beutel für die Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Freunde."

Eine Riesensauerei in der Karl-Marx-und Hans-Sachs-Straße

Familie kämpft in Heilbronn mit Erfolg gegen Hundekot

Hundeexkremente: keine Seltenheit in der Karl-Marx- und Hans-Sachs-Straße.

Der Appell trifft jedoch schon lange vielerorts auf taube Ohren. Vor wenigen Tagen hat sich eine Stimme-Leserin bei der Redaktion gemeldet und sich über die "extrem mit Hundekot verdreckten Grünflächen" um die Bäume in der Karl-Marx- und Hans-Sachs-Straße beklagt. Ein Vor-Ort-Termin beweist: Hier reiht sich tatsächlich Notdurft an Notdurft. "Eine Riesensauerei ist das", sagt ein Anwohner. Er beobachte Herrchen, "die mit dem Tempo den Po ihres Hundes abputzen und den Rest einfach liegen lassen".

Das Ordnungsamt hatte die Marx-/Sachs-Straße in Sachen Hundekot bisher noch nicht auf dem Schirm. "Uns liegen keine Beschwerden vor", berichtet Amtsleiterin Dorothea Grigore. Sie kündigt an, "dass der Kommunale Ordnungsdienst den Bereich in den Kontrollgang aufnimmt". Grundsätzlich sei es verboten, dass Hunde in der Stadt ihre Notdurft verrichten und der Kot nicht weggeräumt wird. Das kostet normalerweise 50 Euro Bußgeld. "Das Problem ist nur, dass man die Hundehalter auf frischer Tat ertappen muss", sagt Dorothea Grigore. Oft helfe aber die Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes.

Aktuell gebe es keine Hundekot-Schwerpunkte, so die Amtsleiterin. "Das passiert im ganzen Stadtgebiet." Die Anzeigen gingen seit 2013 zurück. Damals zählte das Amt noch elf erfasste Verstöße, 2017 und 2018 waren es nur noch jeweils fünf. Ob der Rückgang darauf zurückzuführen sei, dass die Hundehalter vernünftiger werden, "ist Interpretationssache". Gute Erfahrungen habe die Kommune mit den 39 Gratisbeutel-Spendern gemacht, die in der Stadt angebracht sind. Anders als in vielen anderen Städten dürften die Herrchen die Beutel sogar in öffentlichen Papierkörben entsorgen. Grigore: "Das ist ein Riesen-Entgegenkommen der Stadt."

Pro Jahr werden in Heilbronn 800.000 Hundekot-Beutel ausgegeben

Familie kämpft in Heilbronn mit Erfolg gegen Hundekot

Sind beliebt bei Hund und Halter: die Bäume in der Karl-Marx- und Hans-Sachs-Straße. Auf den Grünflächen rund um die Bäume sind jede Menge Hundekothaufen zu finden. Anwohner bezeichnen dies als Riesensauerei.

Fotos: Helmut Buchholz

Michael Schmid vom Grünflächenamt weist darauf hin, dass man die Hundetkottüten rollenweise gratis bei den Bürgerämtern bekomme. 800.000 Tüten pro Jahr werden ausgegeben. Grundsätzlich fahre das Amt die Linie: keine Beutelspender ohne Mülleimer. "Sonst fliegen die Beutel ins Gebüsch." Das passiere auch auf manchen Gassiwegen in freier Landschaft, erklärt Schmid. Darum sei das Grünflächenamt dazu übergegangen, die bisher schwarzen Plastiktüten mit orangenen zu ersetzen. "Weil man die besser sieht, das ist für Hundebesitzer peinlicher, wenn die im Gebüsch landen." Prinzipiell sucht das Amt für jeden Beutelspender einen privaten Paten, der die Automaten mit neuen Tüten auffüllt. Der Grund: Die personellen Ressourcen des Amtes seien begrenzt.

Zur "Privatinitiative" der Familie in der Bahnhofsvorstadt erklärt Schmid: Grundsätzlich brauche man eine Genehmigung für "Veränderungen im öffentlichen Raum". Die Erlaubnis hat sich jedoch Ulrike Krafft vorher nicht besorgt. Unklar sind die Konsequenzen. Krafft sagt: "Im Notfall bauen wir den Beutelspender halt wieder ab."


Das sind die Vorschriften

In der Heilbronner Polizeiverordnung steht: Hunde dürfen ihre Notdurft nicht auf öffentlichen Straßen, Gehwegen oder anderen öffentlichen Verkehrsflächen verrichten. Das gilt auch für öffentliche Grün- und Erholungsanlagen, Spiel- und Sportplätze sowie fremde Vorgärten. Dennoch dort abgelegten Hundekot müssen Halter sofort beseitigen und im privaten Restmüll entsorgen. Ausnahmsweise kann die Entsorgung bei Nutzung von verschlossenen, witterungsfesten Leichtverpackungen in öffentlichen Abfallkörben erfolgen. Eine Missachtung dieser Pflicht kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

 


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