Faire Mode aus Berlin, New York und Zaberfeld im Heilbronner Schießhaus

Heilbronn  Die Berliner Agentur Fashion Exchange bringt junge Designer ins Heilbronner Schießhaus. Sie zeigen am heutigen Freitag und Samstag ihre Mode. Eine Ausstellerin aus der Region ist auch dabei.

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Faire Mode aus Berlin, New York und Zaberfeld

An diesem Samstag ist der Pop-up-Store im Schießhaus von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Foto: Mario Berger

Um für Heilbronn genügend Ware zu haben, sind Ingo Müller-Dormann und Gabi Warszinski zurück nach Berlin gereist und haben Nachschub geholt. Die Macher des Pop-up-Stores "Fashion Exchange" (Faex) waren bei ihrer Herbsttour zuvor in Ludwigburg und Esslingen. Und dort haben sich die Kollektionen der jungen Designer so gut verkauft, dass noch neue Ware her musste.

Stilmix: Von schick bis Streetware

Noch bis Samstag präsentieren sich an Kleiderständern im Heilbronner Schießhaus ein gutes Dutzend Labels, unter anderem aus Berlin, New York und Krakau, die auf Nachhaltigkeit Wert legen. Angeboten werden Kleider, Shirts, Röcke, Hosen oder Jacken in einem Stilmix von schick bis Streetwear und von farbenfroh bis schwarz. Das Gros ist Mode für Frauen, auch zwei Herrendesigner sind dabei.

Alle Modemacher informieren detailliert über ihre Konditionen. Die Gründer von Stoffrausch zum Beispiel verarbeiten Bio-Cord, Bio- Baumwolle und Reißverschlüsse aus Deutschland. Die Wollstoffe kommen aus Italien, das Nähzubehör aus Frankreich. Produziert wird in Berlin und Polen, von der Unterwäsche bis zum feuerroten Wintermantel wirbt das Label von Steffi di Freddi und Dominik Muun mit "extrem haltbarer Verarbeitung".

Label "Flying Lovebirds" aus Zaberfeld

Mit Lisa Heidinger ist eine regionale Designerin im Schießhaus vertreten. Die Bademode, Sport- und Yogakleidung von "Flying Lovebirds" wird überwiegend in Zaberfeld gefertigt: "In der Schneiderwerkstatt meiner Großeltern", berichtet Heidinger, die sonst überwiegend online verkauft.

Individuelle Modemacher, die keine Massenware produzieren, will Ingo Müller-Dormann einem breiteren Publikum bekannt machen. Er ist überzeugt, dass es für faire Mode eine wachsende Nachfrage gibt: "Die Zielgruppe der an Nachhaltigkeit interessierten Kunden wird unterschätzt." Die in Heilbronn angebotenen Teile beginnen bei Preisen um 40 Euro. Die Macher finanzieren ihre Tournee über eine Beteiligung am Verkauf.

Heilbronn wird ein bisschen Modestadt

Für Steffen Schoch, Chef der Heilbronn Marketing GmbH, ist die Faex-Tour ein gelungener Baustein, um Heilbronn als Modestadt nach vorne zu bringen. "Ein Angebot abseits des Mainstreams ist eine gute Ergänzung." Auch Gabriele Ostermann von Roth, Dozentin für Modedesign an der Akademie für Kommunikation, ist angetan, dass Heilbronn für die Modemesse von Interesse ist. "Am Thema Nachhaltigkeit kommt heute niemand mehr vorbei." Es ist auch Thema für ihre Modeschüler, die im Rahmen des Unterrichts den Auftritt der Designer besuchen. "Viele meiner Schüler träumen von ihrem eigenen Label."

Kontakt zum örtlichen Einzelhandel

Ingo Müller-Dormann hat nicht nur die Kundschaft im Schießhaus im Blick. Er will für die Modemacher auch Partner im Einzelhandel vor Ort finden. Ob das funktioniert? "Wir hatten gute Gespräche im Vorfeld", sagt Chantal Lang von der Stadtinitiative. Zumindest die Neugierde auf die Individualisten ist da. Das weitere Vorhaben, mit dem Pop-up-Store-Konzept auch Leerstände in der Heilbronner Innenstadt zu belegen, hält Einzelhändlerin Ingrid Dörr auf alle Fälle für eine gute Idee - auch wenn ihr persönlich die im Schießhaus präsentierte Mode "ein wenig zu öko" ist.

 


Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel  

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