Evangelische Kirche will Hans-Rießer-Haus verkaufen

Heilbronn  Das von vielen Hansi genannte Hans-Rießer-Haus steht vor dem Aus. Die Sanierung des Eckhauses zwischen Wollhausstraße und Am Wollhaus wäre zu teuer. Deshalb will es die Kirche verkaufen. Ein Ersatz-Standort ist schon gefunden. Es regt sich Protest.

Von Kilian Krauth

Evangelische Kirche will Hans-Rießer-Haus verkaufen

Das in der Nachkriegszeit gebaute Hans-Rießer-Haus steht gegenüber dem Busbahnhof am Wollhaus. Durch die vielfältige Jugendarbeit, zwei Säle und diakonische Läden ist es von je her mehr als ein Verwaltungszentrum.

Fotos: Dennis Mugler

 

Die evangelische Kirche von Heilbronn hat viele Baustellen. Nun kommt eine weitere hinzu: das Thema Hans-Rießer-Haus. Seit Jahren wird über die Zukunft des sanierungsbedürftigen und mit vielen Emotionen behafteten kirchlichen Verwaltungs- und Veranstaltungsgebäudes diskutiert - bisher ergebnisoffen.

Doch nun scheint das Ende des von vielen "Hansi" genannten Nachkriegsgebäudes an der Ecke Allee/Wollhausstraße nahe zu sein. Am Montag, 19. März, kommt die Sache in den Gesamtkirchengemeinderat. Es ist mit einer emotionalen Debatte zu rechnen, schon im Vorfeld werden kritische Stimmen laut. Der Reihe nach:

Sanierung würde 8,5 Millionen kosten

Die gutachterlich auf 8,5 Millionen Euro veranschlagte "Sanierung des Hans-Rießer-Hauses wird endgültig als Alternative ausgeschlossen, da keinerlei Zuschüsse zu erwarten sind." So lautet die Kernaussage der Ratsvorlage, deren Inhalte bereits vom Engeren Rat der Gesamtkirchengemeinde abgesegnet wurde: mit 15 Ja-Stimmen, fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung.

Evangelische Kirche will Hans-Rießer-Haus verkaufen

Sechs Ersatzstandorte wurden geprüft. Die Wahl fiel auf eine unbebaute Grünfläche am Friedensgemeindehaus. Mitglieder der Gemeinde sind davon nicht begeistert.

 

Gleichzeitig soll ein Neubau, so heißt es, "forciert werden": und zwar auf einer kircheneigenen Freifläche vor dem Friedensgemeindehaus an der Ecke Goethestraße/Moltkestraße. Zunächst waren sechs Standorte geprüft worden. Selbst der neue Raumbedarf steht schon zur Debatte, so könnten dort "gegebenenfalls" auch Sozialwohnungen, ein Kindergarten und das Dekanat, inklusive Wohnung, angesiedelt werden; es ist bisher in einem historischen Gebäude an der Wilhelmstraße angesiedelt. In dem Ersatzgebäude, so heißt es, sollen auf 940 Quadratmeter vor allem Kirchenpflege, Verwaltungsstellen, Kindergartenfachberatung, Gaffenberg-Geschäftsstelle und mindestens zwei Besprechungsräume untergebracht werden.

Ersatz für Chöre gesucht

Evangelische Kirche will Hans-Rießer-Haus verkaufen

Nicht zuletzt sollen die Räte am 19. März den Weg für den "mittelfristigen" Verkauf des Hans-Rießer-Hauses frei geben. Wobei "spätestens zum Veräußerungsbeschluss" neue Übungsräume für die großen Chöre der Gesamtkirchengemeinde gesucht beziehungsweise hergerichtet werden. Außerdem sollen für die Jugendarbeit in der Friedensgemeinde Flächen "ergänzt werden", heißt es in der Ratsvorlage.

Bei der Heilbronner Stimme haben sich bereits Kritiker zu Wort gemeldet. "Mit Entsetzen" hat Pädagogin Ute Düsseldorf als Mitglied der Friedensgemeinde, Mutter zweier Pfadfinderinnen und Mitglied des Vocalensembles Heilbronn diesen Montag von den Plänen erfahren. Sie fürchtet, dass gegen den "empörten Widerstand" der Friedensgemeinde "dort, wo Jugendarbeit geleistet wird, ein Verwaltungsgebäude" auf einer innerstädtischen Grünfläche "durchgepeitscht" wird.

Sänger, wie etwa die ehemalige Volkshochschulchefin Dorothea Braun-Ribbat, machen sich Sorgen, dass beim Wegfall des Saals im Hans-Rießer-Haus kein adäquater Ersatz gefunden wird. Deshalb wünscht sie sich in guter demokratischer Manier, dass "öffentlich darüber nachgedacht wird, welche Alternativen es zum sofortigen Verkauf gäbe". Zumindest sollte man ein zeitliches Moratorium schaffen, damit der neue Dekan Christoph Baisch, der am 22. Juli ins Amt eingeführt wird, "nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird".

Breit angelegter Entscheidungsprozess

Andere heben den hohen Identifikationswert und die Emotionen hervor, die viele kirchlich Sozialisierte mit dem "Hansi" verbinden - vom CVJM-Flohmarkt bis zu den "Jungen Senioren". Eben deshalb, so erklärte Ratsvorsitzender Henning Hoffmann in einer früheren Ratsdebatte, habe man schon 2010 einen Entscheidungsfindungsprozess in die Wege geleitet. In enger Abstimmung mit dem Oberkirchenrat und einem sogenannten Zukunftsausschuss sollten dabei wichtige Aspekte "abgeklopft" werden, um am Ende, also mutmaßlich am 19. März, "in Ruhe" eine angemessene Entscheidung treffen zu können.