Erfolg beim zweiten Versuch: Alexander Gerst antwortet aus dem All

Heilbronn  Die Funk-AG des Heilbronner Robert-Mayer-Gymnasiums hat Kontakt mit der Internationalen Raumstation ISS. Nachdem beim ersten Versuch nur Rauschen zu hören war, gab es diesmal Antworten auf Schülerfragen.

Von Tanja Ochs

Aufgeregter als beim ersten Mal war nicht nur Schulleiterin Antje Kerdels. Die Funk-AG des Heilbronner Robert-Mayer-Gymnasiums hatte am Mittwochnachmittag Funkkontakt mit Alexander Gerst. Rund zehn Minuten lang beantwortete der Kommandant der Internationalen Raumstation die Fragen der Schüler.

Beim ersten Versuch im Oktober waren die Antworten des gebürtigen Künzelsauers im Rauschen untergegangen, weil das passende Funkmodul im All nicht verfügbar gewesen war. Diesmal waren die Geräte zur Bildübertragung kaputt, aber auch ohne Video waren die jungen Funker am Ende mehr als zufrieden.

Direkt unterm Dach

Eineinhalb Jahren hatten sich die Schüler mit Unterstützung der Heilbronner Funkamateure auf den großen Moment vorbereitet. Diesmal waren sie mit ihrem Equipment direkt unters Schuldach gezogen, "um alle Fehlerquellen auszuschließen", sagte Lehrer Steffen Utech. Alle Geräte waren doppelt aufgebaut und getestet. "Hoffentlich antwortet er", wünschte sich Utech, die Aufregung war ihm und seinen Schülern im Vorfeld deutlich anzumerken.

Doch dann war äußerste Konzentration gefragt: Pünktlich um 15.20 Uhr rief Christian Weidemann die ISS. Für ihn war der Kontakt mit Alexander Gerst ein besonderes Geschenk, der Schüler feierte seinen 17. Geburtstag.

Zehn Fragen an Gerst

Im Wechsel mit Schülern aus Weingarten durften die Heilbronner zehn Fragen an Gerst stellen. Der Astronaut lobte den Einfallsreichtum: "Wirklich sehr gute Fragen", hätten die Gymnasiasten vorbereitet, so Gerst. Aus 420 Kilometern Entfernung erzählte er, dass er und seine Kollegen ständig Sonnenaufgänge erleben, dass sich die Kompassnadel im All ständig bewegt, und dass er fünf Stunden braucht, um einer drohenden Kollision auszuweichen. "Es ist nicht einfach, bis alle Triebwerke starten", erklärte der Kommandant. Einfacher ist die Sache mit dem Schnupfen: Den gibt es in der Raumstation nicht, "weil die Viren nicht hier oben sind".

Heilbronn ist schwer erkennbar

Um Heilbronn aus dem All zu sehen, müsse man schon genauer hinsehen, so Gerst. "Da braucht es ein geübtes Auge." Auch seine Heimatstadt Künzelsau sei nur schwer zu erkennen. Deutlicher hingegen sieht der Wissenschaftler die Spuren der Umweltverschmutzung auf der Erde, der gerodete Regenwald oder Feuer seien zu erkennen. Doch nicht nur dort gibt es Müll, auch im Weltraum fliegt einiges rum. "Das ist gar kein einfaches Problem", betonte Gerst. Die ISS weiche dem Schrott aus, die ESA arbeite an einem Programm, um das Problem in den Griff zu bekommen. "Dafür brauchen wir viele junge Ingenieure", warb Gerst um Nachwuchs.

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Wichtig für die Gemeinschaft

Bevor sich der Kommandant verabschieden konnte, ging seine Stimme wieder im Rauschen unter. "Die Raumstation verschwindet hinterm Horizont", erklärte Funkamateur Joachim Sack. Auch sein Kollege Wolfgang Haug strahlte und gestand: "Es hat schon wehgetan beim letzten Mal." Diesmal habe sich der Aufwand gelohnt, meinte Christian Weidemann.

Glücklich und erleichtert waren Schüler, Funker und Lehrer nach ihrem Kontakt mit dem All. Gemeinsam mit vielen Gästen feierten die Schüler bei Punsch und Glühwein auf dem Schulhof. "Das Ereignis ist wichtig für die ganze Schulgemeinschaft", betonte Schulleiterin Antje Kerdels.