Dieses Jahr fällt besonders viel Schadholz im Heilbronner Stadtwald an

Heilbronn  Durch die Trockenheit gibt es verstärkten Borkenkäferbefall bei den Fichten sowie viele abgestorbene Buchen. Infolgedessen fällt dieses Jahr besonders viel Schadholz im Heilbronner Stadtwald an.

Von Henrike Mielke
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Dieses Jahr fällt besonders viel Schadholz im Heilbronner Stadtwald an
Hier sieht man die vertrockneten, eingerollten Blätter einer Buche. Fotos: Christiana Kunz

Diesen Baum hat es erwischt. Die Markierung in orangener Farbe zeigt an: er muss weg, wird gefällt. Schaut man hoch in die Krone, sieht man dickere, vertrocknete Äste ohne Blätter. Die feineren Äste sind schon abgefallen.

Schadholz: Dieses Jahr besonders viel 

Pro Jahr werden im Heilbronner Stadtwald 3700 Festmeter Holz gefällt. In diesem Jahr fällt besonders viel Schadholz an. "Ein Drittel des Jahreseinschlags wird allein durch die von Borkenkäfern befallenen Fichten abgedeckt", sagt Förster Stephan Drescher. Im Vergleich zu 2018 verzeichnet das Forstamt einen sechs- bis achtfach höherer Befall. Dazu kommen die abgestorbenen Buchen, die besonders unter der Trockenheit gelitten haben. "Es ist schon jetzt absehbar, dass 80 Prozent vom Jahreseinschlag Schadholz sein wird", sagt Drescher.

Die Trockenheit setzt im Wald eine Kettenreaktion in Gang

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich nicht nur an den Polkappen der Antarktis, sondern auch im Stadtwald. In den vergangenen 20 Jahren hat es im Sommer extreme Trockenperioden gegeben. "Das setzt im Wald eine Kettenreaktion in Gang", erklärt Drescher. Entweder gingen die Bäume durch den Wassermangel direkt ein oder sie würden stark geschwächt. Ein gefundenes Fressen für Insekten: Bei den Nadelbäumen, vor allem bei Fichten, nistet sich der Borkenkäfer unter der Rinde ein. Aber auch Pilze wie der Hallimasch profitieren von einem geschwächten Baum und machen sich an den Wurzeln breit. Dabei hat das Absterben eines Baumes auch Konsequenzen auf den verbliebenen Bestand. Es kommt mehr Sonneneinstrahlung in den Wald hinein, dadurch wird es noch wärmer und trockener.

Auch Bäume bekommen Sonnenbrand

Lichtet sich der Wald, hat das auch Auswirkungen auf die Stammbeschattung, wie der Fachmann sagt. Spenden die umliegenden Bäume keinen Schatten mehr, überhitzt sich der Stamm und bekommt Sonnenbrand. "Den bekommen nicht nur Menschen, sondern auch Bäume", sagt Drescher und zeigt auf einen schwarzen Fleck am Stamm einer hohen Buche. Bekommen die Bäume zu wenig Wasser, haben sie Trockenstress. Die Blätter rollen sich ein, verwelken, fallen ab. Eigentlich sorgen die Bäume selbst für ein kühleres Klima im Wald, indem sie Wasser über ihre Blätter verdunsten.

Dieses Jahr fällt besonders viel Schadholz im Heilbronner Stadtwald an
Mit dem Harvester werden Fichten gefällt, die vom Borkenkäfer befallen sind. Das Käferholz muss aus dem Wald, bevor die Tiere ausfliegen und sich weiter vermehren.

Trockenheit führt zu mehr Trockenheit 

"Wenn sie das nicht mehr können, wird es im Wald zu warm und man spürt gar nicht mehr die typische Kühle", erklärt Drescher. Trockenheit führt zu mehr Trockenheit, stirbt ein Baum wird es für alle umliegenden Artgenossen noch ungemütlicher. Ein Teufelskreis, den das Forstamt zu unterbrechen versucht, indem auf den kahlen Flächen Baumarten gepflanzt werden, die mehr Trockenheit aushalten, wie zum Beispiel die Baumhasel, die vor allem in der Türkei vorkommt. Aber auch heimische Arten wie Traubeneiche und Elsbeere gelten als trockenresistent.

Außerdem setzt man auf Artenvielfalt. "Wenn sie irgendwo im Stadtwald stehen und sich einmal im Kreis drehen, sehen sie mindestens zehn verschiedene Baumarten", sagt Drescher. Eine gute Strategie: Denn wie sich das Klima verändert und wie die unterschiedlichen Arten darauf reagieren, ist noch unklar. Dass es sich hier nicht um ein lokales Problem handelt, zeigt sich am Holzmarkt. Dort sind die Preise gesunken, weil aus Deutschland und den Nachbarländern so viel Holz zur Verfügung steht. "Beim Fichtenholz sind die Preise um 60 Prozent gefallen", sagt Drescher. Gewinne werden durch den Verkauf nicht erwirtschaftet.

Den Wald bei Nacht erleben

Dieses Jahr fällt besonders viel Schadholz im Heilbronner Stadtwald an
Die abgestorbenen Buchen am Straßenrand müssen gefällt werden. Dafür wird die Donnbronner Straße am 20. und 21. August für den Verkehr gesperrt.

Wer mehr über den Wald wissen will und ihn auch einmal bei Nacht kennenlernen möchte, kann dies am Freitag, 27. September ab 18.30 Uhr bei der Waldnacht im Heilbronner Stadtwald tun. Bei der Abendveranstaltung gibt es neben einer Waldführung am von Teelichtern und Schwedenfeuern erhellten Weg auch viele Mitmachstationen für Groß und Klein. In den letzten Jahren gab es unter anderem Märchenerzähler, Holzschnitzen und Musik von Jagdhornbläsern. Das genaue Programm für die fünfte Waldnacht wird in Kürze bekannt gegeben.



 
 

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