Die freie Kulturszene darf das Olga erobern

Heilbronn  Noch dieses Jahr soll das soziokulturelle Zentrum in Heilbronn starten. Das Land hat das Konzept abgesegnet. Doch wo finden laute Konzerte statt? Der OB bringt den Block E ins Spiel.

Von Christian Gleichauf
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Die freie Kulturszene darf das Olga erobern

Noch ist das Olgazentrum in erster Linie Anlaufstelle für Jugendliche. Künftig sollen hier Künstler und Kulturschaffende Platz für ihre Kreativität bekommen.

Foto: Gleichauf

Heilbronn soll ein soziokulturelles Zentrum für die freie Kulturszene bekommen. Das Konzept dafür wird seit Jahren erarbeitet. Doch bislang ist wenig an die Öffentlichkeit gekommen. Die SPD fordert nun, dass das Projekt zeitnah umgesetzt wird. Die CDU bremst.

Mit dem soziokulturelle Zentrum sollen in Heilbronn drei Einrichtungen in der Bahnhofsvorstadt verknüpft werden. Da ist zum einen das Kunst- und Kulturzentrum Zigarre, das bislang schon Heimat zumindest eines Teils der freien Kulturszene ist. Zum zweiten gibt es das Wilhelm-Waiblinger-Haus in der Schützenstraße, bisher Sitz des Stadt- und Kreisjugendrings. An dritter Stelle soll das Olga-Jugendzentrum mit seiner Sport- und Veranstaltungshalle die zentrale Rolle spielen.

Ein Ort zum Experimentieren

Die freie Kulturszene darf das Olga erobern

Im Kunst- und Kulturzentrum Zigarre finden schon bisher viele kleinere Veranstaltungen statt. Wegen des Brandschutzes sind ihnen aber enge Grenzen gesetzt.

Für Oberbürgermeister Harry Mergel steht außer Frage, dass eine Stadt wie Heilbronn "jenseits der etablierten kulturellen Spielstätten Orte braucht, um etwas auszuprobieren, zu experimentieren". Jedes der drei Häuser würde bisher schon einen Teil abdecken, doch nur im Zusammenspiel kann das entstehen, was gemeinhin als "soziokulturelles Zentrum" gilt. Wie genau das aussehen soll, wurde in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet.

Ein Problem scheint gelöst. Für die im bestehenden Olga-Zentrum ansässigen Gruppen und Vereine und auch für das Jugendzentrum wird es eine neue Bleibe oder eine Perspektive an alter Stelle geben, erklärt Kulturamtsleiterin Karin Schüttler. Wie genau das im Einzelfall aussieht, wird dem Gemeinderat gemeinsam mit dem Gesamtkonzept erläutert, wenn der Punkt im September oder Oktober auf die Tagesordnung kommt. Noch in diesem Jahr soll das Zentrum starten.

Olga-Halle derzeit nur für kleinere Veranstaltungen geeignet

Die freie Kulturszene darf das Olga erobern

Das Wilhelm-Waiblinger-Haus wird bisher vom Stadt- und Kreisjugendring (SKJR) genutzt. Unter dem Dach des SKJR entsteht der neue Trägerverein.

Fotos: Andreas Veigel

Zu Details möchte Karin Schüttler noch nicht Stellung nehmen. Auch nicht bei einer zentralen Frage: Wo sollen künftig größere Konzerte stattfinden? Sie gehören zur Kulturszene und damit auch zu einem soziokulturellen Zentrum. Auch OB Mergel ist sich bewusst: "Für laute Musik ist an keinem der drei Orte der richtige Platz." Für Kabarett und ähnliches sei die Halle des Olgazentrums gut geeignet - dafür wären bis auf die Bühnentechnik wohl keine größeren Investitionen notwendig. Doch sobald der Lautstärkeregler nach oben geschoben werden soll, sind Probleme mit der Nachbarschaft vorhersehbar.

Insgesamt hält Mergel diese Frage aber nicht für entscheidend. Wichtig sei, dass alle drei Einrichtungen koordiniert ihr Profil schärfen. Mergel wird grundsätzlich: "Es ist eine große Chance für die kulturelle Szene und für die Bahnhofsvorstadt insgesamt." Deshalb möchte er auch Rücksicht nehmen auf das Wohnumfeld. Er könne sich vorstellen, besonders "laute Veranstaltungen" aus der Stadt herauszuhalten. "Vielleicht könnte man sie auslagern, zum Beispiel in den Block E im alten E-Werk", schlägt Mergel vor.

Härteres Ringen über Investitionen ist abzusehen

Der Gemeinderat wartet derweil gespannt auf das Konzept. 150.000 Euro pro Jahr sind im Haushaltsplan bewilligt. Damit soll das Angebot bezuschusst werden, das der Trägerverein auf die Beine stellen muss. Dazu kämen noch die Investitionskosten - bei der Ausgestaltung der Veranstaltungshalle geht es hier auf jeden Fall um einen höheren sechsstelligen Betrag.

Die SPD fordert nun Klarheit. Bei einer Summe jenseits der Million sieht auch Fraktionschef Rainer Hinderer eine Grenze erreicht, die man nicht überschreiten solle. Thomas Randecker (CDU) würde schon früher bremsen: "Wir investieren ins Trappenseeschlösschen, in die Stadtbücherei." Da seien ein "paar Hunderttausend Euro" nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zumal die Steuereinnahmen demnächst wohl drastisch zurückgingen. Für Veranstaltungen gebe es auch Hallen wie das Bürgerhaus in Böckingen "mit einer überschaubaren Nutzung".

Susanne Bay (Grüne) bringt für Konzerte einen Anbau ans Wilhelm-Waiblinger-Haus ins Spiel. Die Grünen forderten schon lange ein soziokulturelles Zentrum. Was das Geld angeht, sagt Bay: "Es hängt davon ab, was man dafür bekommt."

 

Geld vom Land

Heilbronn hat als einzige Großstadt in Baden-Württemberg noch kein soziokulturelles Zentrum, sagt Kulturamtsleiterin Karin Schüttler. Das soll sich ändern. Daniel Schütt, Leiter des Popbüros, hat dazu ein Konzept erstellt, das vom Wissenschaftsministerium in Stuttgart bereits abgesegnet wurde. Das Land bezuschusst den Betrieb eines solchen Zentrums. Voraussetzung ist zum einen, dass es einen einzigen Träger für das gesamte Zentrum gibt. Bisher haben die drei Häuser Zigarre, Waiblinger-Haus und Olga verschiedene Träger. Schütt kümmert sich derzeit um die Gründung des Trägervereins.

Zweite Voraussetzung ist, dass das soziokulturelle Angebot drei Jahre besteht. Deshalb ist das Ziel, das Zentrum in diesem Jahr starten zu lassen, "dann läuft die Uhr", wie Schüttler sagt. Nach drei Jahren würde das Land 50 Prozent dessen, was die Kommune bezahlt, dazugeben. Für eine kleine Großstadt wie Heilbronn gehe man von einer Gesamtförderung von mindestens 250.000 Euro aus - wobei Mietkosten berücksichtigt werden.

Was die Investitionen im Olga-Zentrum angeht, so wurde eine Machbarkeitsstudie mit Kostenberechnungen erstellt. Sie ist noch nicht öffentlich. Um Lärmschutzmaßnahmen werde man wohl nicht herumkommen, sagt Karin Schüttler. Vieles könne man aber Schritt für Schritt umsetzen. Für den künftigen Träger sei es jedenfalls wichtig, dass auch Konzerte mit mehr als 300 Besuchern im Olgazentrum ermöglicht werden. 

 

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