Die Buga ist für Heilbronn das Thema des Jahres 2019

Heilbronn  Die Bundesgartenschau hat Heilbronn in einen Ausnahmezustand versetzt. Nicht nur in der Region, sondern auch bundesweit sorgt die Buga für Aufmerksamkeit. Grund ist die Stadtentwicklung im Neckarbogen. Zum Jahresende blicken wir zurück.

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Zwischen dem 17. April und 6. Oktober wird ein besonderes Kapitel Stadtgeschichte geschrieben. Mit der Buga hält eine neue Leichtigkeit Einzug und versöhnt die Heilbronner mit ihrer viel geschmähten Stadt. 2,3 Millionen Besucher zählt die Buga am Ende, mehr als erwartet.

Das Highlight der Buga sind die Wassershows

Die fünf Wassershows sind das große Dauer-Highlight der Buga. Fünf verschiedene Programme werden in der Regel von Donnerstag bis Samstag gezeigt, zu Klassik, Flower-Power-Musik, Disko und Deutschen Hits. Der kleine Wassertropfen spaltet die Besucher, die einen lieben ihn, den anderen geht die Show auf die Nerven.

Eine Regel gilt für die gesamten 173 Tage: Wer uneingeschränkte Sicht auf die Wassershow haben will, muss früh da sein und sich mit Picknick-Decke oder Campingstuhl einen Platz sichern. Das Interesse der Besucher an den Shows reißt nicht ab.

Trotzdem schätzen die Buga-Macher nicht richtig ein, was am 14. September auf sie zukommt: Als an diesem Abend alle fünf Wassershows gezeigt werden, strömen rund 50.000 Besucher aufs Gelände. Und es wären noch weit mehr geworden, wenn die Buga die Eingänge aus Sicherheitsgründen nicht schon früh am Abend geschlossen hätte. 

Dass die Shows so gut ankommen, ist kein Wunder. Dahinter steckt eine Menge Arbeit und beeindruckende Technik: 

 


Auf Brachland entsteht ein neuer Stadtteil

Eine Buga mitten in eine Stadt zu holen, das hat es selten gegeben. Heilbronn ist es gelungen. Die Stadt hat der Bahn das Fruchtschuppenareal hinter dem Bahnhof abgekauft und ein vergessenes Stück Land aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Zuvor gab es dort Schrotthändler und Altpapierverwerter, eine Bundesstraße führte am Gelände entlang. Das Neckarufer war zugewachsen, niemanden zog es dorthin.

Die Straße zu verlegen, war der wichtigste Schritt für einen neuen Stadtteil. Bundesgartenschauen heute werden vor allem deshalb gemacht, dass hinterher etwas Neues wächst. Also nicht nur wegen der Blumen, sondern um später ein attraktives Gelände zum Wohnen zu haben. 

So hat sich das Gelände bis zur Buga-Eröffnung gewandelt:

 

Was bleibt jetzt von der Buga?

Während der Buga wurde viel spekuliert: Die Seen werden zugeschüttet, lautet eines der hartnäckigsten Gerüchte. Doch das stimmt nicht. Von den 40 Hektar Buga-Ausstellungsgelände bleiben nachher 20 Hektar Grünfläche übrig. Diese Flächen sind von Anfang an für eine dauerhafte Nutzung vorgesehen und sollen möglichst viel Grün in das dicht besiedelte Quartier bringen. Direkt nach dem offiziellen Ende der Buga wurden die Blumenbeete geräumt. Anwohner und Passanten konnten das nicht verstehen. So begründete die Buga ihr Vorgehen.

Es gibt den Neckaruferpark, der heute schon als beliebter Spazierweg genutzt wird, den Uferweg als Verbindung von der Innenstadt zum Wohlgelegen, den Campuspark an der Rollsporthalle beim Europaplatz und natürlich die beiden Seen, Floßhafen und Karlssee genannt, mit dem Hafenpark, dem Wall mit der Kletteranlage und den Spielplätzen. Ein Teil der Ausstellungsfläche wird verschwinden, der Pappelwald wird gefällt, auch die Fruchtschuppenhalle wird abgerissen. Entlang der Paula-Fuchs-Allee und auf der Sommerinsel entstehen weitere Häuser. Der Neckarbogen soll 3500 Bewohner haben. 

Diese Gastro-Betriebe machen im Neckarbogen weiter

Für kontroverse Diskussionen sorgte das gastronomische Angebot auf der Buga. Kritik gab es zu Beginn der Buga vor allem an Preisen und dem Service. Daraufhin besserten die Gastronomen nach. Ein paar Lokale haben weiterhin Bestand. Auch das ist eine Besonderheit, denn bei vielen Bugas werden für die Gastronomie extra Zelte aufgebaut. Die Alte Reederei dagegen wird das historische Backsteingebäude auch künftig nutzen - inklusive Biergarten direkt am Neckar. Das Inklusionscafé Samocca wurde von Anfang als Quartierstreffpunkt geplant. Die Bäckereifiliale im Erdgeschoss des Hochhauses Skaio ist ein erster Baustein zur Nahversorgung. Die Weinvilla zieht dagegen um. Wohin, haben wir hier berichtet.    


Wohnen auf der Buga

Die Skepsis war groß: Sollte man wirklich das Wagnis eingehen, zeitgleich mit der Buga einen neuen Stadtteil zu bauen? Und die Bewohner ziehen noch vor Beginn in die Häuser ein und leben dort während der Schau? Rund 600 Menschen sind es, die in den 23 Gebäuden leben.

Sogar einige Hunde wohnen zur Buga dort. Sie bekommen einen eigenen Bewohnerausweis, dürfen aber nicht aufs Gelände, sondern müssen mit ihren Besitzern vom Eingang auf der Bleichinselbrücke auf direkten Weg zu den Wohngebäuden laufen. Wie es sich mitten auf der Buga wohnt, konnten Heilbronner-Stimme-Leser, eine junge Familie und ein Brüderpaar, beim Probewohnen testen.


Buga-Zwerg Karl: Erst in die Luft gesprengt und am Ende für teuer Geld versteigert

Weiterer Buga-Karl gesprengt in Flein
Der Buga-Karl in Flein wurde von einer Explosion zerstört, einige Teile flogen 20 Meter weit. Foto: Adrian Hoffmann

Was für ein Zwergenaufstand: Dass ausgerechnet ein Gartenzwerg für so viel Aufsehen sorgte, hätte kaum jemand gedacht. Der pinkfarbene Kerl spaltete die Menschen in der Region. De einen liebten ihn, die anderen fanden ihn abscheulich. Zu Werbezwecken hatte die Buga allen 46 Landkreisgemeinden einen 1,6 Meter großen Karl aufgestellt, ebenso in 40 weiteren Kommunen der Region Heilbronn-Franken.

So mancher hatte kein langes Leben: Karls wurden gestohlen, bemalt, beschädigt oder sogar gesprengt. Die Liste der Straftaten, die dem Zwerg angetan wurden, ist lang.

Am Ende wird ein pinkfarbener Karl für sage und schreibe 2820 Euro auf Ebay versteigert. Ein weitere Karl in Orange geht für 1861,51 Euro weg.


Die Buga und das liebe Vieh

Die Tierwelt sorgte für reichlich Wirbel auf der Buga. Im Vorfeld sind es die Nilgänse, die eine Plage sein können. Erst sollten Jäger den Bestand der Nilgänse auf den Buga-Wiesen verringern. Nach Protesten von Naturschützern verzichtete die Buga doch auf den geplanten Abschuss der Gänse.

 

Entenküken auf Wassertreppe
Ein Entenküken auf einer Wassertreppe auf dem Buga-Gelände. Foto: privat

Kurz nach Eröffnung der Buga folgte die nächste hitzige Debatte, als im Floßhafen 14 Entenküken wegen fehlender Ausstiegshilfen ertranken. Befeuert von einem Shitstorm auf Social Media geriet der Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas in die Kritik. Dass schließlich im Floßhafen Schotterinseln und Ausstiegshilfen für die Tiere angelegt wurden, begrüßten auch Tierschützer.

Bald sorgen sich Tierschützer um eine andere Vogelart. Auf dem an die Wassershow angrenzenden Siloturm brüten Wanderfalken. Die nächste Debatte dreht sich um die Frage: Schlüpfen die Küken - auch wenn ihr Nest auf den Silotürmen regelmäßig von Scheinwerfern der Wassershow angestrahlt wird? Tage später gibt es Fotos von frisch geschlüpften, putzmunteren Falkenküken.

Nur einer Vogelart blieb der Wirbel erspart. Die Schwanenfamilien samt Nachwuchs haben sich mit dem Andrang von fotografierwütigen Besuchern arrangiert. Und sie sind natürlich nicht das einzige beliebte Fotomotiv: Auch die Nutria-Familie, die sich ihr Sommerdomizil am Karlssee eingerichtet hat, schien sich vor der Kamera ganz wohl zu fühlen.

Nutrias auf der Buga
Was hier glänzt wie eine Gelfrisur aus den 90er-Jahren ist nicht der Teil des Pelzes, nach dem die Kürschner trachteten. Das Oberfell wurde geschoren oder gerupft, bis nur noch das schöne warme Unterfell blieb. Foto: Sarah Utz

Stimme-Tag

Auch die Heilbronner Stimme ließ es sich nicht nehmen, einen besonderen Tag für die Buga-Besucher zu veranstalten. Und alle hatten Glück, denn der Stimme-Tag war auch dank dem strahlenden Sonnenschein ein Erfolg: mit einer Zeitungsbootregatta, dem Konzert mit Schlagerstar Ella Endlich und vielen Mitmach-Angeboten für Groß und Klein.  

 

 

 


Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel  

Lisa Reiff

Lisa Reiff

Onlineredakteurin

Als Onlineredakteurin kümmert sich Lisa Reiff seit 2018 darum, die Stimme-Leser auf allen digitalen Kanälen zu informieren. Am liebsten sammelt sie Leserfragen für die Serie “Noch Fragen?”, weil daraus Geschichten entstehen, die die Menschen in der Region besonders interessieren.

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