Deutlich mehr Stadtradler in Heilbronn unterwegs

Heilbronn  Die Aktion Stadtradeln macht im siebten Jahr einen Sprung nach oben. Theoretisch wurden 23 Tonnen CO2 vermieden, doch letztlich geht es nicht nur um solche Zahlen.

Von Christian Gleichauf
Deutlich mehr Stadtradler in Heilbronn unterwegs

Die Fahrradständer am Bahnhof sind teils auf zwei Ebenen belegt. Pendler nutzen immer häufiger das Rad. Belastbare Zahlen dazu gibt es trotzdem nicht.

Foto: Andreas Veigel

Die Aktion Stadtradeln erlebt in diesem Jahr einen weiteren Aufschwung. Zum siebten Mal hat die Stadt Heilbronn an dem Wettbewerb teilgenommen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der zurückgelegten Kilometer um 78 Prozent an, die Teilnehmerzahl legte um 70 Prozent zu. "Das ist auch Rückenwind für unser Team Radverkehr in der Verwaltung", sagt Stefan Muth, Radverkehrsbeauftragter der Stadt Heilbronn.

Der Wettbewerb wurde in diesem Jahr in 209 Kommunen und Kreisen in Baden-Württemberg ausgetragen. Geradelt wird in Teams von mindestens zwei Mitgliedern. Drei Wochen lang werden Kilometer aufgeschrieben und online eingetragen. Alle 68 für die Stadt Heilbronn gemeldeten Teams zusammen kamen nun auf eine Strecke von 162 500 Kilometer - nach nur 91 000 im vergangenen Jahr. 23 Tonnen CO2 seien so vermieden worden, rechnet das Online-Portal Stadtradeln.de aus.

Motivationsschub ist das Ziel

Da allerdings nicht nur der Weg zum Arbeitsplatz oder zur Schule zählt, sondern auch alle anderen zurückgelegten Strecken, sei es zugegebenermaßen nicht ganz zutreffend, die Kilometer in CO2-Vermeidung umzurechnen, sagt Stefan Muth. "Aber das ist auch nur ein Nebeneffekt." Wichtiger sei: "Wenn man drei Wochen kontinuierlich dabeibleibt, verändern sich die Gewohnheiten."

Dann merke man auch, welche Vorteile die Nutzung des Fahrrads im Alltag mit sich bringt. Im Vergleich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln müsse man auf dem Rückweg von der Arbeit etwa nicht darauf achten, wann der nächste Bus oder Zug fährt. "Man bleibt kurz vor dem Feierabend entspannter, ist flexibel." Und die Fahrt auf dem Rad sei dann einfach gesund, "auch für Geist und Seele", wie Muth betont.

Schüler des THG waren besonders eifrig

Bei der Gesamtzahl der zurückgelegten Kilometer gewann in diesem Jahr das Theodor-Heuss-Gymnasium mit mehr als 14 000 Kilometern. 110 Schüler und Lehrer hatten mitgemacht, damit war das THG auch das größte Team. Die Schule darf sich nun aussuchen, ob sie eine Brötchentütenaktion für alle Schüler wünscht, oder ob vor der Schule eine Radservice-Station aufgebaut werden soll, an der man kleinere Reparaturen erledigen kann. Beide Preise bewegen sich in etwa bei Kosten von um die 2000 Euro.

Die Schulen waren in diesem Jahr insgesamt stärker vertreten. "Grundsätzlich gibt es aber große Unterschiede, welchen Stellenwert das Fahrrad für den Schulweg hat", sagt Muth. Das sehe man häufig schon an den Rad-Ständern. Beim Stadtradeln hänge dann viel an einzelnen Lehrern: Engagieren sie sich, sind große Sprünge nach vorn möglich. "Eigentlich sollte sich jede Schule einen Radverkehrsbeauftragten leisten, schließlich gibt es dafür auch Deputatsstunden", findet Stefan Muth.

Kleine Teams haben gute Chancen bei der Pro-Kopf-Wertung

Auf den Plätzen zwei und drei in dieser Kategorie finden sich die Hochschule Heilbronn mit 13 053 Kilometern und das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium mit 11 351. Da es unterschiedliche Bewertungskategorien gibt, haben auch kleine Teams eine Chance - zwar nicht unbedingt bei der Gesamtkilometerzahl, dafür bei der Pro-Kopf-Wertung. Hier gewann das Team "Auf in den Süden" mit 1108 Kilometern vor den "RadlKoehlers" mit 1025. In der Einzelwertung gewann ein Radler, der nicht genannt werden möchte, mit knapp 2000 Kilometern.

Der Zuwachs bei Teilnehmern und Teams entspricht dem Landestrend. In Baden-Württemberg waren im vorigen Jahr 136 Kommunen gemeldet. 2019 waren es 209. Simon Bieling, Sprecher der Aktion für den Südwesten, hat dafür eine Erklärung: "Die Fördersummen wurden verdoppelt." Das Land unterstützt so die Stadtradeln-Verantwortlichen in den Kommunen bei Organisation, Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit.

Stadt und Landkreis bald gemeinsam unterwegs?

Jede Stadt, jede Gemeinde, jeder Kreis kann sich für die Aktion Stadtradeln anmelden. Geht es nach den Verantwortlichen im Heilbronner Rathaus und im Landratsamt Heilbronn, könnte es im nächsten Jahr eine gemeinsame Aktion von Stadt und Landkreis geben. "Es sind ja viele Pendler dabei, die im Landkreis wohnen und in der Stadt arbeiten - wie zum Beispiel ich selbst", sagt Stefan Muth, Radverkehrsbeauftragter der Stadt Heilbronn. Die Zuordnung sei dann schwierig. Ob die Aktion einen Zusammenschluss zulässt, ist aber noch offen. 

 

 


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