Der Heilbronner Meseno-Sozialladen hat weiter geöffnet

Heilbronn  Während in vielen Läden die Regale wegen des Coronavirus teilweise leer sind, hat der Sozialladen für Bedürftige von Meseno noch alle Lebensmittel da. Damit sich keiner ansteckt, bekommen Kunden provisorische Schutzmasken für den Einkauf.

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Um die Gefahr einer Ansteckung zu reduzieren, dürfen immer nur zwei Kunden gleichzeitig im Meseno-Laden einkaufen.

Der Laden der Sozialorganisation Meseno in der Zeppelinstraße ist auch während der Corona-Krise weiterhin geöffnet. Dort können Bedürftige vergünstigt Lebensmittel, Hygieneartikel und Kleidung einkaufen. Einen Ausweis können Menschen mit schmalem Geldbeutel und geringem Einkommen wie etwa Arbeitslose, Rentner oder Sozialhilfeempfänger beantragen.

Durch die Ausbreitung des Coronavirus kämen zurzeit weniger Menschen zum Einkaufen in den Laden, erzählt Birgit Hörter-Schweizer, organisatorische Leiterin bei der Meseno-Elsa-Sitter-Stiftung. "Unsere Kundschaft ist verunsichert. Manche wissen vielleicht nicht, dass wir immer noch geöffnet haben." Etwa 500 bedürftige Menschen und Familien nehmen regelmäßig das Angebot in Anspruch.

Nudeln und Reis gibt es weiterhin zu kaufen

Die Regale im Sozialladen seien weiterhin gut gefüllt, sagt Hörter-Schweizer. "Wir haben an Lebensmitteln noch alles da." Es gebe Nudeln, Reis, Mehl, Zucker, Kaffee und einiges mehr. Zwischenzeitlich war es wegen Hamsterkäufen zu Engpässen gekommen. Diese habe man allerdings mit bereits eingelagerten Produkten überbrücken können.

Die Lebensmittel sind Spenden von Edeka und Kaufland. Anders als die Tafeln kauft Meseno weitere Produkte selbst ein und verkauft sie zu einem vergünstigten Preis.

Toilettenpapier gibt es auch bei Meseno nicht

Das gilt auch für Hygieneprodukte wie Deo, Zahnpasta und Waschmittel. Nur Toilettenpapier gebe es auch im Meseno-Laden nicht, sagt Hörter-Schweizer und lacht: "Toilettenpapier haben wir noch nie verkauft."

Das Personal im Laden hat sich darauf eingerichtet, Ansteckungen mit dem Coronavirus möglichst zu vermeiden. Alles wird regelmäßig desinfiziert, die Mitarbeiterinnen tragen Handschuhe.

Den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, ist in dem kleinen Geschäft jedoch nicht so einfach. Deshalb dürfen nur noch zwei Kunden gleichzeitig zum Einkaufen in das Geschäft. Der Rest muss draußen warten, das klappe gut. "Zum Glück ist das Wetter momentan so angenehm, da ist das Warten draußen kein Problem."

Maske aus Küchenpapier und Gummibändern

Am Eingang bekommt jeder Kunde eine improvisierte Maske aus Küchenpapier und einem Gummiband. Die Idee zum Selbstbasteln sei aufgekommen, damit immer genug Mundschutz-Masken da sind.

Die Bauanleitung für den provisorischen Mundschutz stammt aus einem Internetvideo. "Jeder freut sich darüber, alle haben vollstes Verständnis. Wir hatten niemanden, der die Maske nicht aufsetzen wollte", sagt Hörter-Schweizer.

In Österreich ist es seit Anfang der Woche Pflicht, im Supermarkt einen Mundschutz zu tragen. Dadurch soll das Risiko einer Tröpfcheninfektion verringert werden. Auch die Stadt Jena will eine Mundschutzpflicht einzuführen.

Menschen der Risikogruppe arbeiten nicht mehr an der Kasse

Der Meseno-Laden hat trotz Coronavirus weiter offen

Mitarbeiter basteln im Meseno-Sozialladen improvisierte Mundschutz-Masken aus Küchenpapier und Gummibändern. Bei den Kunden kommen die Einweg-Masken gut an.

Fotos: Privat

Experten warnen davor, dass Masken nicht ausreichend vor einer Infektion schützen. Deshalb arbeiten Mitarbeiter, die zur Risikogruppe für 

eine Ansteckung mit dem Virus gehören, im Sozialladen nicht mehr an der Kasse. Außerdem gibt es nur noch zwei Kassen, statt wie bisher drei. "Das ist ausreichend, wenn ohnehin nur zwei Kunden gleichzeitig einkaufen."

Die Öffnungszeiten wurden leicht angepasst, geöffnet ist nur noch vormittags zwischen 8.30 und 11.30 Uhr von Montag bis Freitag. In normalen Zeiten hat der Laden dienstags und donnerstags auch am Nachmittag geöffnet.

Angebot soll von Bedürftigen genutzt werden

Die Einschränkungen durch das neuartige Coronavirus könne der Laden überbrücken, erklärt Hörter-Schweizer. Das liege daran, dass bei Meseno keine Ehrenamtlichen arbeiten, sondern Festangestellte, die langfristig bezahlt werden müssen.

Dabei zahle man immer drauf. "Wir bemühen uns darum, Ware zu bekommen und bezahlen unsere Mitarbeiter weiter. Da wäre es schade, wenn das Angebot nicht genutzt wird", meint Hörter-Schweizer.

Auch während der Corona-Krise sei die Sozialorganisation jedoch auf Zuwendungen von Spendern angewiesen. "Wir freuen uns das ganze Jahr über, wenn wir Spenden oder finanzielle Unterstützung bekommen."


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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