Deponie am Wartberg wird abgedichtet

Heilbronn  Bis in die 1970er Jahre wurden auf der Deponie Vogelsang Hausmüll und Sperrmüll gelagert. Jetzt wird die 4,6 Hektar große Fläche wieder aufgeforstet.

Von Bärbel Kistner

 

Die Kosten der Baumaßnahme liegen bei 5,3 Millionen Euro. Das zeigt den Aufwand, der betrieben werden muss, um ein stillgelegtes Stück der Mülldeponie Vogelsang der Natur zurückzugeben. Zum ersten Mal wird ein 4,6 Hektar großes Teilstück der insgesamt 55 Hektar umfassenden Deponie am Wartberg zuerst verdichtet und später rekultiviert. Ab 2020 soll die Fläche mit Eichenmischwald aufgeforstet werden.

Spektakuläre Arbeiten

"Für uns ist es eine spektakuläre Baumaßnahme", erklärt Markus Hohmann, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Heilbronn. Asphaltfertiger und Straßenwalzen sind derzeit im Einsatz, um eine acht Zentimeter dicke und besonders dichte Asphaltschicht aufzubringen. Die Maschinen werden an Seilen gesichert, damit sie an den steilen Hängen nicht abrutschen. 10.000 Quadratmeter sind schon fertig.

Kein Hausmüll mehr aus Erddeponien

Bis in die 70er Jahre wurden auf dem Teilstück Hausmüll und Sperrmüll gelagert. Insbesondere Hausmüll darf heute nicht mehr einfach auf Erddeponien verfrachtet werden, nur noch organisch totes Material und mineralische Abfälle sind gestattet. In der Nachkriegszeit galten weniger strenge Umweltauflagen. 40 Jahre hat es gedauert, bis sich der Müll so weit zersetzt hat, dass kein Methangas mehr austritt. Jahrzehnte brauchte es zudem, bis die Geländebewegungen abgeschlossen waren. Nach der Deponieverordnung muss ein verfüllter Deponieabschnitt dann vollständig abgedichtet werden.

"Die Fläche wird nicht einfach mit Erde abgedeckt, sondern es entsteht ein hochtechnisiertes Bauwerk", berichtet Thorsten Simon, Ingenieur für Abfallwirtschaft. Der Müll wird regelrecht eingekapselt. Zur Oberflächenabdichtung gehören insgesamt sechs Schichten, jede einzelne muss von externen Prüfern abgenommen werden, so will es die Vorschrift im Deponiebau. Der Asphalt etwa wird nach einem genormten Messverfahren geprüft. "Da kommt eine sechsstellige Summe an Kosten zusammen", erläutert Simon.

Erde von der Audi-Baustelle

Zurück an die Natur

Mit drei Metern besonders dick ist die sogenannte Rekultivierungsschicht, die ganz oben drauf kommt. 120.000 Kubikmeter werden dafür benötigt. Die Erde stammt von der Audi-Baustelle in den Böllinger Höfen aus dem Jahr 2016. "Das hat für beide Seiten viele Vorteile", betont Hohmann.

Für das Unternehmen waren es die kurzen Transportwege zum Wartberg. Die Deponie profitiere davon, gleichmäßiges Material und gute Erde verbauen zu können. Begonnen haben die Arbeiten bereits 2016, wie Projektleiterin Claudia Kind berichtet. In zirka einem Jahr sollen die Oberflächenarbeiten abgeschlossen sein.

Keine Deponiegase mehr

Mit der Verdichtung soll sichergestellt werden, dass keine Deponiegase mehr austreten und kein belastetes Sickerwasser mehr entstehen kann, betont Hohmann. Die hohen Kosten der Bauarbeiten haben die Entsorger bereits bezahlt. Finanzielle Nachsorgemaßnahmen sind vorgeschrieben.

Ob das Deponie-Bauwerk für alle Ewigkeit besteht, vermag Hohmann nicht zu sagen: "Man weiß nicht genau, was hier alles gelagert ist. Vielleicht werden in Zukunft mal aus Deponien Rohstoffe gewonnen."