Das Heilbronner „Olga“ wird zum Soziokulturellen Zentrum

Heilbronn  Das Oberzentrum der Region hat sich von der einst viel zitierten „Kulturwüste“ zur blühenden Kulturlandschaft verwandelt. Trotzdem hat Heilbronn als einzige Großstadt in Baden-Württemberg kein Soziokulturelles Zentrum. Dies soll sich nach langer Vorarbeit bald ändern.

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Das bisherige Jugend- und Familienzentrum Olga wird zum neuen Soziokulturellen Zentrum. Foto: Christian Gleichauf

Eigentlich war die Eröffnung des neuen Zentrums  für 2019 anvisiert. Nun werde der Betrieb „in jedem Fall im ersten Quartal 2020 aufgenommen werden“. So steht es in einer Gemeinderatsvorlage, die diese Woche im städtischen Verwaltungsausschuss auf den Tisch kam. Das geplante Zentrum soll in der ehemaligen Maschinenfabrik an der Rosenbergbrücke errichtet werden, in der derzeit das Olga Jugend- und Familienzentrum angesiedelt ist.

Die Trägerschaft hierfür wird im Frühjahr ein neu zu gründender Verein namens "Freies Kulturzentrum Maschinenfabrik e. V." übernehmen. Die offene Jugendarbeit der Stadt Heilbronn wird künftig im Wilhelm-Waiblinger-Haus stattfinden. Das Soziokulturelle Zentrum wird also nicht, wie in den ersten Konzeptentwürfen aus dem Jahr 2017 angedacht, dezentral drei Einrichtungen umfassen.

Vielmehr werde es zwischen dem neuen Soziokulturellen Zentrum in der Maschinenfabrik, dem Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre und der im Wilhelm-Waiblinger-Haus beheimateten freien- und städtischen Jugendarbeit „eine informelle und bedarfsgerechte Zusammenarbeit im Sinne der Zielgruppen und der Quartiersentwicklung geben, die inhaltlich unverändert gut und richtig ist." stellt der Leiter des Popbüros Daniel Schütt klar.

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Die Zigarre hat sich in den letzten Jahren zu einem florierenden Kunst- und Kulturhaus entwickelt. Foto: Mario Berger

Hoffnung auf Fördergelder

Die klare Trennung der Trägerstruktur sei neben städtischer Mitfinanzierung, festem Gebäude und inhaltlicher Vielfalt die Grundvoraussetzung dafür, dass nach einer Frist von drei Jahren Landesmittel für das neue Soziokulturelle Zentrum in der Maschinenfabrik beantragt werden könnten. Zum jetzigen Zeitpunkt sei daher  wichtig, dass die Strukturen des Soziokulturellen Zentrums wie im Konzept vorgesehen aufgebaut werden, sodass sie nicht grundsätzlich im Widerspruch zur geltenden Landesförderrichtlinie bei der späteren Antragstellung stehen.  

Hohe Kosten für Vorbereitung

Bei allem Lob wunderte sich SPD-Stadtrat Rainer Hinderer, dass SKJR und Popbüro für die bisherige Vorarbeit 87.500 Euro benötigten. Der Betrag sei nachvollziehbbar, beteuerte Kulturamtsleiterin Karin Schüttler mit Blick auf eine Rechtsberatung durch einen Fachanwalt, steuerliche Erklärungen oder etwa notarielle Beratung.

Insgesamt stellt der Gemeinderat für Planung, Betrieb und die Programmgestaltung des soziokulturellen Zentrums einen Zuschuss in Höhe von 150.000 Euro bereit. „Froh“ über mögliche Fördergelder vom Land zeigte sich Grünen-Stadträtin Susanne Bay. Ihr versicherte Amtschefin Karin Schüttler, dass die Stadt bei Nutzungsänderungen für bestimmte Räume „in guten Gesprächen sei, einvernehmliche Lösungen“ seien absehbar.

Wie Susanne Bay (Grüne) weiter erfuhr, werde aktuell wegen der Nachbarschaft eine Lärmprognose erarbeitet. Erst daraus resultierten dann konkrete Nutzungsinhalte und bauliche Maßnahmen, im Innen- und im Außenbereich des Olga. Konflikte wolle man von vorneherein vermeiden. Anfang des Jahres 2020 werde die Stadtverwaltung dazu einen Beschlussvorschlag in den Gemeinderat einbringen, hieß es.

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Im Wilhelm-Waiblinger-Haus wird künftig die offene Jugendarbeit angesiedelt, die bisher im Olgazentrum stattfand. Foto: Andreas Veigel

Bunte und vielfältige Nutzung

Schlagwortartig nennt das dem aktuellen Ratspapier beigelegte Konzept des Popbüros als Nutzungsmöglichkeiten: Konzerte, Festivals, Seminare, Gastronomie, Comedy, Workshops, Proberäume, Poetry Slam, Tonstudios, Lesungen, Ausstellungen Partys, Ateliers, Theater, Tanz, Vorträge, Film, Foto, Podien und Foren, Künstlermärkte, Kreativmessen, Werkstätten, Tagungen, Kabarett, Experimente, Kooperationen „und Vieles mehr“.

Grundprinzipien seien: Kultur von unten, Partizipation, kulturelle Vielfalt, demokratische Strukturen und Gemeinnützigkeit. Unter Funktionen werden genannt: Interessenvertretung, Anlaufstelle, Engagementförderung, Kommunikationsort, kulturelle Erlebnisräume, Raumgeber, Bildung und Nachwuchsförderung.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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