Corona-Krise fordert auch Tierheime heraus

Heilbronn  Wissenschaftler haben keinerlei Hinweise, dass sich das Coronavirus von Haustieren auf Menschen überträgt. Dass viele Halter in Aufregung seien, kann das Heilbronner Tierheim nicht bestätigen. Große Sorgen gibt es trotzdem.

Email

Kürzlich sind mehrere Tiere aus nicht-artgerechter Haltung ins Tierheim gekommen. Der Platz wird eng − und die Folgen von Corona komplizierter.

Foto: Archiv/ Mugler

Auch Tierheime spüren die Auswirkungen der Corona-Krise. Wie der Deutsche Tierschutzbund berichtet, erreichen einige Einrichtungen Anfragen verunsicherter Besitzer, die ihre Haustiere abgeben wollen. Sie fürchten, die Tiere könnten das Coronavirus verbreiten.

Hestla Pommerenring von der Pressestelle des Tierschutzbundes betont: "Mit diesem Vorurteil wollen wir aufräumen. Es besteht kein Risiko, sich über das eigene Tier mit Corona zu infizieren." Auch das Robert-Koch-Institut hat "keinerlei Hinweise" für eine Übertragung von Haustieren auf den Menschen.

Keine Anrufe besorgter Halter

Ob auch das Tierheim in Heilbronn bereits Erfahrungen mit Anrufen verunsicherter Tierhalter gemacht hat? Silke Anders verneint: "Das ist uns bisher Gott sei Dank erspart geblieben."

Komplett ausschließen könne die Vorsitzende des Heilbronner Tierschutzvereins solche Anfragen in naher Zukunft zwar nicht, "aber wir hoffen, dass es so bleibt und sich die Lage rund um das Thema Corona beruhigt".

Sorgen macht Silke Anders dagegen folgendes Szenario: Tierhalter, die sich möglicherweise mit Corona infiziert haben und in Quarantäne müssen: "Wer soll sich dann um die Haustiere kümmern, Futter besorgen oder Gassi gehen?"

Zumal der Platz im Heilbronner Tierheim momentan ohnehin stark eingeschränkt sei. Drei Hunde stehen laut Anders auf der Warteliste. "Wenn wir alles zusammenrücken, gibt es vielleicht noch Platz für drei oder maximal vier weitere."

 

 

Klären, wer im Notfall das Tier versorgt

Um eine Überfüllung zu vermeiden und die Tierheime weiterhin zu entlasten, appelliert der Deutsche Tierschutzbund an die Tierhalter, "sich schon jetzt zu überlegen, wer sich im Fall der Fälle um das Tier kümmern könnte. Idealerweise kann das jemand aus der Familie, ein Freund oder auch ein Nachbar sein". Zudem soll den Tierheimen künftig auch finanziell unter die Arme gegriffen werden, da ein Einbruch von Spendengeldern befürchtet wird.

"Die Sorgen sind groß. Wir hoffen trotz der bedrückenden Lage weiterhin auf die Unterstützung der Menschen, da sich Tierheime größtenteils aus Geld- und Zeitspenden finanzieren", äußert sich der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, Thomas Schröder, zur aktuellen Corona-Krise.

Laut Robert-Koch-Institut gibt es keine Hinweise, dass Halter sich über das eigene Tier mit Coronaviren infizieren können. Foto: dpa

Sorgen hat auch Silke Anders. Zum Schutz der Mitarbeiter wurde entschieden, keine Besucher mehr auf das Gelände des Tierheims zu lassen. Wer Interesse an einem Tier hat, könne sich telefonisch melden. Auch das Gassigehen mit Hunden entfällt künftig. Stattdessen werden die Tiere in ihre Ausläufe gebracht, wo sie sich frei bewegen und auspowern können.

Ohne Veranstaltungen fehlt dringend benötigtes Geld

Veranstaltungen im Tierheim finden ebenfalls keine mehr statt. Einnahmequellen durch Kaffee und Kuchen fallen damit weg. "Das sind Gelder, mit denen wir Futter für die Tiere kaufen oder unsere Mitarbeiter bezahlen", betont Anders.

Kontaktdaten

Wer Interesse an einem Tier hat, meldet sich unter 07131 22822 im Tierheim. Info: www.heilbronner-tierschutz.de

"Aktuell haben wir noch genügend Reserven, um durch das Jahr zu kommen." Doch sollte es so weitergehen, sieht sich Anders gezwungen, Abstriche bei der Aufnahme neuer Hunde oder dem Personal zu machen. So weit wolle sie aber noch gar nicht denken: "Wir hoffen, uns weiterhin auf Spenden von Tierfreunden verlassen zu können. Vor allem hoffen wir, nicht in Vergessenheit zu geraten."

 

Mehr zum Thema

Alle aktuellen Entwicklungen zum Thema Corona gibt es hier im Überblick

 

 

 

Lisa Könnecke

Lisa Könnecke

Volontärin

Lisa Könnecke arbeitet seit Februar 2020 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen