Bezirksbeirat fordert den Bau des Kreisverkehrs in Kirchhausen

Heilbronn  Das Kirchhausener Gremium lehnt in einer emotionalen Sitzung mit Mehrheit den Vorschlag der Stadt ab, das lang ersehnte Bauprojekt aufzugeben. Wie entscheidet jetzt der Bauausschuss? Am Dienstag soll eine endgültige Entscheidung fallen.

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Bezirksbeirat fordert den Bau des Kreisverkehrs

Buga-Karl hat die Problemkreuzung im Ortskern von Kirchhausen im Blick. Im Bezirksbeirat wurde das Dauerthema sehr emotional diskutiert.

Fotos: Carsten Friese

Das Dauerthema Kreisverkehr für den stark belasteten Ortskern von Kirchhausen steuert auf eine politische Kampfabstimmung zu: Am Donnerstagabend hat sich der Kirchhausener Bezirksbeirat nach zuvor emotionaler Diskussion im nicht-öffentlichen Teil mit klarer Mehrheit für den Bau ausgesprochen. Nach Stimme-Informationen lehnte der Beirat den Antrag der Verwaltung, den Kreisverkehr aus neuen verkehrstechnischen und finanziellen Gründen doch nicht zu bauen, mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und Grünen ab. Jetzt ist der Bauausschuss des Gemeinderates am Dienstag am Zug, endgültig über das rund 1,1 Millionen Euro teure Bauprojekt zu entscheiden.

Sprecher Theo Rappold wirft Verwaltung vor, Versprechen zu brechen

In der Druckvorlage für den Bauausschuss stellt die Verwaltung fest, dass durch die aufgeweitete Kurve im Bereich der Schlossstraße nun ein "störungsfreier Begegnungsverkehr zwischen Lkw und Lkw" möglich sei. Dies hätten Videobeobachtungen gezeigt. Das eingesparte Geld für den Kreisverkehr solle für andere Straßensanierungen im Stadtteil eingesetzt werden.

Im Bezirksbeirat hielt Sprecher Theo Rappold (CDU) eine lange, emotionale Rede, warf der Verwaltung vor, Versprechen zu brechen und Vertrauen zu verspielen. "Die Stadt vertraut offenbar mehr einer Videoüberwachung als Fachgutachten", kritisierte er. Man habe aktuell erlebt, dass in bestimmten Situationen Lkws nicht mehr weiter kommen. "Wieso will die Stadt die beste Lösung nicht bauen?", fragte er, obwohl ein klarer Ratsbeschluss vorliege und Fördermittel zugesagt seien. Es sei durch die aufgeweitete Kurve "besser als vorher, aber bei Weitem nicht gut".

Wenig realistisch

Eine Umgehungsstraße, um den Verkehr nördlich an Kirchhausen vorbeizuleiten, ist als Alternative offenbar wenig realistisch. Bürgermeister Hajek verwies darauf, dass man mit einem Antrag schon einmal gescheitert sei und der neue Bundesverkehrswegeplan erst zwischen 2025 und 2030 aufgestellt werde. Und: So ein Projekt habe nach den gezählten Verkehrsbelastungen im Stadtteil eher geringe Chancen, in den vordringlichen Bedarf zu gelangen - da man bundesweit "am untersten Rand" der Verkehrsbelastung liege, sagte Hajek.

Irene Seeburger (Freie Wähler) plädierte gegen einen Bau, weil ein Kreisverkehr, den man in der Mitte überfahren könne, ein "Schildbürgerstreich" sei. Es gebe einige Anwohner, die den Kreisverkehr nicht wollten, die die aufgeweitete Straße als gute Lösung einstuften. Sie sieht den Bau mittlerweile als "Verschwendung von Steuergeldern" an.

Ehrenritter Bruno Bopp kritisierte die Verwaltung, weil man mittlerweile zehn Jahre intensiv eine Lösung gesucht habe "und kurz vor dem Ziel gesagt wird, vergesst alles". Eine Anwohnerin stellte fest, der Verkehr fließe aktuell flüssig. Sie befürchtet, dass viele Lkw im Kreisverkehr "nicht rumkommen".

Baubürgermeister Hajek: Manchmal überholt die Realität die Planung

Baubürgermeister Wilfried Hajek verwies auf die neue Bewertung der Kreuzung und dass "die Realität manchmal die Planung überholt". Das Projekt werde erneut geprüft und dann demokratisch entschieden. "Wie es ausgeht, werden wir sehen." Aber selbst wenn der Bauausschuss am Dienstag an dem Projekt festhält, wäre das für manchen Kirchhausener noch kein Grund, erleichtert aufzuatmen. "Was ist, wenn in einer erneuten Ausschreibung wieder überhöhte Preisangebote eingehen?", fragte ein Bürger nach der Sitzung besorgt. Vor der Buga hatte die Verwaltung den Bau mit einem solchen Argument verschoben, als nur ein teures Angebot eingegangen war.

Bezirksbeirat fordert den Bau des Kreisverkehrs

Ein weiterer problematischer Punkt mit viel Rückstau: die Einmündung der Kreisstraße von Biberach auf die B 39 bei Kirchhausen. Hier wird eine Ampelanlage geprüft.

An einer zweiten Problemkreuzung, am Abzweig der B39 nach Biberach, will das Regierungspräsidium (RP) prüfen, ob eine "Lückenampel" den Verkehrsfluss verbessern kann. Die Pläne sehen vor, dass Sensoren ankommende Autos am Abzweig erfassen und nach gewisser Zeit die Ampel auf Grün geschaltet wird. Die B39 soll dabei Vorrang für Grün haben. Es sollen aber auch an der Bushaltestelle Ampeln für Fußgänger installiert werden.

Lückenampel für die B39 wird geprüft

Theo Rappold appellierte an die Stadt, sich für einen Kreisverkehr einzusetzen. "Das wäre dort die richtige Lösung." Verärgerte Bürger kritisierten, dass das RP vor Jahren bereits einen Kreisverkehr zugesagt habe. Bürgermeister Hajek mahnte, dass es dann aber keinen gesicherten Überweg für Fußgänger gebe. Heiner Dörner (Freie Wähler) forderte am Ende: "Die Ampel soll kommen. Das ist das Allerwichtigste."

 

 
 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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