Berberich holt Kilian Verpackungen nach Abstatt

Heilbronn  Das Heilbronner Traditionsunternehmen Kilian Verpackungen hat die Produktion aus der Wollhausstraße zu Berberich nach Abstatt verlagert.

Von Manfred Stockburger
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"Guggenmüller" nannten der Volksmund das Unternehmen in der Wollhausstraße − dabei steht außen am Gebäude der Schriftzug Kilian Verpackungen. Und schon seit mehr als 100 Jahren gehört die Firma in den Einflussbereich des Papiergroßhändlers Carl Berberich. Jetzt ist Geschichte, was der Buchbinder Carl Friedrich Müller 1872 in der Gründerzeit auf den Weg brachte − jedenfalls räumlich betrachtet.

Die Produktion des Tütenherstellers läuft seit Kurzem in Abstatt im Gebäude von Berberich Systems, die Verwaltung ist in das Berberich-Büro in der Heilbronner Sicherer-Straße umgezogen. Ihre Eigenständigkeit soll die Inzwischen zur GmbH umfirmierte traditionsreiche Carl Friedrich Müller AG aber weiterhin behalten, betont Berberich-Geschäftsführer Heinz König. Zusammen mit Eva Berberich-Martini hatte er vor einem Jahr die Geschäftsführung bei Kilian Verpackungen übernommen.

Alter Industriebau "nicht mehr zeitgemäß"

Der auffällige Industriebau in der Wollhausstraße, der im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach wieder aufgebaut wurde, steht jetzt leer. Was dort geschehen soll, ist laut Heinz König noch nicht endgültig entschieden. "Da sind verschiedene Optionen in der Prüfung." Deswegen könne er momentan zu diesem Thema nichts sagen. Als Fabrik sei das mehrstöckige Gebäude auf alle Fälle "nicht mehr zeitgemäß" gewesen. Die wirtschaftliche Lage war zuletzt schwieriger geworden, wie aus der letzten Bilanz der Carl Fried. Müller AG hervorgeht.

Den Umzug der Produktion nach Abstatt habe man erfolgreich hinter sich gebracht, saht Heinz König. "Das war nicht einfach. Aber es hat super funktioniert." Jetzt werden die beschichteten Tee-, Medizin- und Lebensmittelbeutel und die Isoliertüten etwa für Hähnchen ("Kilitherm") in Abstatt hergestellt. Jeweils wird als Material eine Kombination von verschiedenen Folien und Papier verwendet. Mehr als 250 Millionen Beutel in verschiedenen Formen und Auflagen produziert das Unternehmen im Jahr. Der Umzug sei schon lange geplant gewesen, sagt der Geschäftsführer. "Das musste man gut vorbereiten."

Lange Vorgeschichte

Begründer der Papiertütenbranche in Heilbronn war zwar die Firma Landerer gewesen, die Carl Friedrich Müller AG galt aber als das Traditionsunternehmen in diesem Sektor. Zunächst machte die Firma Spitztüten, in denen lose Ware auf Märkten und in Kolonialwarenläden verkauft wurde. Nach dem Tod des Firmengründers Carl Friedrich im Jahr 1903 verkaufte seine Witwe den Betrieb an den Heilbronner Papiergroßhändler Berberich .

Mit 135 Mitarbeitern produzierte das Unternehmen vor dem Ersten Weltkrieg auch Zementsäcke − für damalige Verhältnisse war der Betrieb damit ziemlich groß. In den 1930er Jahren kamen dann Bäcker- und Bodenbeutel hinzu, wie Professor Peter Kirchner von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in seinem Buch über die Cluster in der Region schreibt. Die Verpackungen aus Verbundmaterial seien dann Ende der 1960er Jahren hinzugekommen.

 


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