Bekommt Heilbronn eine Weinbar am Marktplatz?

Heilbronn  Die Heilbronn Marketing GmbH hat nach dem Riesling-Champion-Festival und anderen Wein-Events in Heilbronn ein neues Wunschprojekt. Mit Wein neuen Schwung in die Stadt zu bringen, soll nicht nur so dahergesagt sein.

Riesling-Champions bringen Schwung in die Weinstadt

Koch Mario Lutz gab einen Vorgeschmack auf die Küche des Parkhotels.

"Den Schwung von der Buga in den Alltag hinüberretten." Dieser Satz ist in Heilbronn zum geflügelten Wort geworden, auch bei den Wein-Villa-Wengertern. Geht es nach Steffen Schoch von der Heilbronn Marketing GmbH (HMG), bleibt es nicht bei einer Worthülse - auch wenn sein Traumprojekt einer Weinerlebniswelt bisher bloß eine Idee ist.

Wie er tatsächlich mit Wein Schwung in die City bringt, hat Schoch bereits mit der Weinsommer-Reihe an der Wasserbühne, den Abendmärkten am Rathaus und anderen Events gezeigt. Nun will er mitten in der City eine feste Wein-Adresse etablieren.

Gegenüber dem Marktplatz, Ecke Kilianskirche/Windgasse, dort wo der Textiler Peter Hahn bald auszieht, würde er gerne mit der Tourist-Info der HMG eine Wein- und Espresso-Bar installieren. Dies ließ Schoch zum Ausklang der "Riesling Champion 2019" anklingen. Europas Weinmagazin Vinum zeichnete dabei im Schießhaus 20 Top-Winzer aus. 500 Besucher konnten 150 Rieslinge genießen. Am Abend bekamen 100 Gäste bei der ersten "Weißen Riesling Nacht" von Top-Koch Mario Lutz einen Vorgeschmack auf die Küche des neuen Parkhotels: von Flusskrebstörtchen über Lachs, Poularde bis zum Kürbis-Pie.

Rekordbeteiligung und Neuauflage in Heilbronn

Vinum-Redakteur Rudolf Knoll sprach nach der perfekten Organisation und angesichts des zauberhaften Rokoko-Schlösschen gar von einer "neuen Partnerschaft". Sprich: Das Riesling-Festival mit bundesweiter Strahlkraft soll auch 2020 in Heilbronn stattfinden. Mit 1650 Weinen von 330 Betrieben erlebte es beim achten Durchlauf eine Rekordbeteiligung.

Wie berichtet, kamen die Sieger aus der Pfalz, Rheinhessen, Rheingau und von der Mosel. Württemberg kam auf keinen der sieben Podeste. Warum nur?, fragten sich viele. Dass Baden und Franken ebenfalls leer ausgingen, sei ein schwacher Trost.

Wo waren denn die Württemberger?

Riesling-Champions bringen Schwung in die Weinstadt

Rudolf Knoll, Nicole Graf und Dieter Blankenhorn (von links).

Die Gewinner-Regionen setzen traditionell auf Riesling, weiß Dieter Blankenhorn vom Staatsweingut Weinsberg. Viele Betriebe hätten sich darauf spezialisiert und auf internationalen Märkten ihr Profil gestärkt. Die Württemberger hingegen hätten bisher auf ihre Rotwein-Kompetenz gebaut, auf Rebsortenvielfalt und Trinkspaß. In Zukunft müsse zusätzlich der Lagen-Charakter gepflegt werden. Durch die Klimaerwärmung "sollte man wohl mehr in Höhenlagen gehen".

Dass Württemberg nach der Technisierung des Weinbaus und der Flurbereinigung inzwischen "auf einem guten Weg" sei, meinte Weinkritiker Knoll, dies zeigten etliche Finalteilnehmer, vor allem aber das Staatsweingut Weinsberg, das mit einer Durchschnittspunktzahl von 17,3 (von 20) Punkten unter den Top-Ten landete. Die Weingärtner Cleebronn-Güglingen (16,3) kamen immerhin unter die besten zehn Prozent, was für den Heilbronner Genossenschaftschef Karl Seiter zeigt, dass "langsam auch WG-Projekte fruchten".

Minister Wolf würdigt die Weinstadt

Riesling-Champions bringen Schwung in die Weinstadt

Geiger Jan Vajs (rechts) und Gitarrist Marco Floris umrahmten die Abendveranstaltung. Im Garten des Schießhauses präsentierten Rieslings-Champions, Finalisten und Wein-Villa-Betriebe zuvor 500 Gästen rund 150 Weine.

Fotos: Andreas Veigel

Bei der Siegerehrung zeigte sich Tourismusminister Guido Wolf beeindruckt, wie Baden-Württembergs älteste Weinstadt über den Wein, aber auch über die Buga, "Brücken in die Region baut und die Menschen zusammenführt". Mit Blick auf die aktuelle Dynamik Heilbronns, einige Leuchtturmprojekte, aber auch aufs bevorstehende Weindorf, attestierte Erster Bürgermeister Martin Diepgen dem Weinmagazin Vinum "ein gutes Gespür für den Ort und die Zeit".

Dies darf er auch der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) bescheinigen, die am Montag, 14. Oktober, zur Bundesweinprämierung in die Harmonie lädt. Wein-Villa-Aktivposten Martin Heinrich kündigte zudem für 2020 eine von  Starkritiker Knoll moderierte Raritäten-Versteigerung an. Beim Gala-Menü gab es einen Vorgeschmack: 1650 Euro kamen dabei für den Hilfsverein Autista zusammen.

 


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