Bau eines umstrittenen Kreisverkehrs wird angepackt

Heilbronn  Der Bauausschuss der Stadt stimmt mit 9:5 dafür, das vieldiskutierte Projekt für den Ortskern von Kirchhausen (B 39) auszuschreiben. Die kritische Frage bleibt, was passiert, wenn wieder nur überteuerte Angebote bei der Verwaltung eingehen.

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Umstrittener Kreisverkehr wird angepackt
Die Würfel sind gefallen. In der Kirchhausener Schlossstraße soll der Kreisverkehr umgesetzt werden. Hier eine Aufnahme mit Weitwinkel-Objektiv. Foto: Andreas Veigel

Ein wichtiger Etappensieg für die einen, enttäuschend für die anderen: Mit neun zu fünf Stimmen hat der Bauausschuss des Gemeinderates gestern den vieldiskutierten Bau eines Kreisverkehrs im Ortskern von Kirchhausen auf den Weg gebracht. Nach diesem Beschluss soll die Verwaltung das Bauvorhaben in diesem Jahr ausschreiben. Nach intensiven Diskussionen, nach einer aufgeweiteten Kurve mit spürbaren Verbesserungen und einer Zwei-Drittel-Mehrheit des Bezirksbeirats für das Festhalten am Bauprojekt soll die Umsetzung nun anlaufen. CDU, SPD und Grüne stimmten für den Bau; FDP, Freie Wähler, Linke und AfD wollten auf das Projekt verzichten. Sie schlossen sich der Verwaltung an, die nach der verbreiterten Kurve keine zwingende Notwendigkeit mehr für den Kreisverkehr sah.

"Ich fühle mich gut, der lange Einsatz hat sich gelohnt", sagte Kirchhausens Bezirksbeiratssprecher Theo Rappold (CDU) nach dem Votum. Er glaubt nun zu 85 Prozent, dass der Kreisverkehr gebaut wird. Für ihn ist dieser die beste Lösung für die problematische Kreuzung zwischen Schloss- und Hausener Straße mit der 90-Grad-Kurve, wo Lkw im Begegnungsverkehr auch heute noch teilweise Probleme haben. Anwohner Uli Muth dagegen war enttäuscht. Er fürchtet, dass vor allem die Sichtverhältnisse durch das Bauprojekt für Lkw-Fahrer schlechter werden und die asymmetrische Form des Kreisverkehrs Probleme bereiten werde. Muth erwartet, dass der Kreisverkehr wenigstens so angelegt wird, dass die Mitte nicht überfahren werden kann.

CDU: Simulation hat beste Qualität nur beim Kreisverkehr ergeben

Wie die Bürger im Ort, war auch der Bauausschuss gespalten. Thomas Randecker (CDU) verwies darauf, dass Simulationen bei mehr zunehmenden Fahrzeugzahlen nur beim Kreisverkehr durchgehend die beste Qualität ergeben hätten. Man wolle den Ortskern zukunftsfähig machen und die optimale Lösung umsetzen. Harald Pfeifer (SPD) geht ebenfalls von steigenden Kfz-Zahlen aus. Er erwartet vom Kreisverkehr eine weitere Verbesserung der Situation. Und: Man wolle auch das Votum des Bezirksbeirats aus dem Stadtteil "ernst nehmen".

Auch die Grünen stimmten für den Bau, weil es die bessere Lösung sei, wie Ulrike Morschheuser erklärte. Aber: Die Übergangsmöglichkeiten für Fußgänger sollten "optimal ausgestaltet" werden, forderte sie. Baubürgermeister Wilfried Hajek verdeutlichte, dass mit dem Kreisverkehr keine Fußgängerampel mehr möglich sei. Drei Zebrastreifen sollen nun das Überqueren möglich machen.

FDP: Nicht über die Köpfe der Anwohner entscheiden

Konrad Wanner (Linke) sah in der jetzigen Lösung indes ein Optimum erreicht. Argumente der Anwohner gegen den Kreisverkehr hätten ihn überzeugt. Auch Michael Seher (AfD) sah keine Probleme für Lkw in der jetzigen Situation. Er geht von rückläufigem Verkehr aus. Eugen Gall (Freie Wähler) sprach sich für die jetzige Lösung mit der verbreiterten Kurve aus, wenn man höre, "dass es gut läuft". Das Geld könne man sinnvoll woanders im Ort einsetzen. Gottfried Friz (FDP), sonst ein Freund von Kreisverkehren, wollte nicht über die Köpfe der Anwohner entscheiden. Es funktioniere jetzt. Und: Er traue den Verkehrsexperten nicht, sagte er. Ein Votum pro Kreisverkehr stufte er als "Himmelfahrtsentscheidung" ein.

Rund 900 000 Euro sind für das Projekt noch übrig

Im Haushalt 2019/2020 sind 1,43 Millionen Euro für das gesamte Projekt eingestellt, 492 000 Euro wurden bisher ausgegeben. Auf Antrag der CDU soll die Ausschreibung erst im Herbst erfolgen, weil die Firmen jetzt volle Auftragsbücher hätten. Man will vermeiden, dass erneut - wie 2018 - nur ein überteuertes Angebot (704 000 Euro) bei der Verwaltung eingeht. Die aktuelle Frage ist, was passiert, wenn erneut nur überteuerte Angebote auf den Tisch kommen.

Gespaltenes Meinungsbild

Die Stadt Heilbronn sah nach Videobeobachtungen an einigen Tagen keine Notwendigkeit mehr für den Bau des Kreisverkehrs. Der Bezirksbeirat hat indes mit Zwei-Drittel-Mehrheit für den Bau gestimmt. Vor allem bei Stau auf der Abbiegespur nach Massenbachhausen sei der Kurvenradius für Lkw zu klein und verursache weitere Rückstaus, hieß es. Einige Anwohner befürchten neue Verkehrsprobleme durch einen engen Radius im geplanten Kreisverkehr und dass Lkw Lärm beim Überfahren der Mittelinsel verursachen.


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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