Autofreie Route im Süden von Heilbronn im Blick

Heilbronn  Vertreter vom Lerchenbergweg-Verein sind mit Interessierten die zugewucherte alte Bottwarbahntrasse abgelaufen. Der Vorstand hat eine Vision und einen sicheren Rad- und Fußweg von Heilbronn-Süd in Richtung Innenstadt als Ziel.

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Autofreie Route im Süden der Stadt im Blick

Von Sträuchern und Dornenpflanzen überwuchert: Auch ein alter Prellbock steht noch an einer Stelle der alten Trasse an der Charlottenstraße.

Fotos: Berger/Friese

Es ist eine Idee mit viel Charme, die ein Stück neue Mobilität in die Stadt Heilbronn bringen könnte. Als der Verein Erlebnisweg Lerchenberg am Samstag mit Bürgern einen Spaziergang über die alte Trasse der Bottwarbahn zwischen der Südstadt und Sontheim unternimmt, hat der Begriff "Dornröschen" durchaus seine Berechtigung. Immer wieder ist der Weg unpassierbar, weil dichte Büsche und hohe Brombeersträucher ihn zugewuchert haben.

Auf dieser vergessenen, ungenutzten Bahnbrache regt der Vereinsvorstand um Wolf Theilacker, Heidrun Landwehr und Helmuth Etzler an, könnte die Stadt eine autofreie, sichere Route für Radfahrer, Fußgänger und Skater anlegen.

Eine Trasse bis zum Pfühlpark

In Kombination mit der ungenutzten Lerchenbergbahntrasse könne eine zentrale autofreie Route vom Schulzentrum in Sontheim über den Südbahnhof bis zum Pfühlpark entstehen. Für Vereinsvorstand Wolf Theilacker angesichts von hohen Luftschadstoffwerten, hohem C02-Ausstoß und vielen Staus in der Stadt ein absolut lohnenswertes Projekt.

"Wer küsst das Dornröschen wach?", hat der Verein den Gang zur Bottwarbahntrasse überschrieben. Rund 40 interessierte Bürger sind gekommen, die die einen Kilometer lange Strecke vom rostigen Prellbock und Gleisresten an der Charlottenstraße bis zur alten Eisenbahnbrücke an der Sontheimer Landwehr ablaufen.

Stadt kaufte die alte Bahntrasse nach Vereinsangaben für nur 20 D-Mark

Autofreie Route im Süden der Stadt im Blick

Gruppenbild im grünen Streifen: Hier verlief die alte Bottwarbahntrasse. Bürger regen an, dort eine sichere Rad-, Fußgänger- und Skaterroute anzulegen.

Foto: Mario Berger

An einigen Stellen verhindern Zäune das Durchkommen, zwei Mal muss eine Straße überquert werden. Wolf Theilacker berichtet, dass die Stadt die Trasse 1985 von der Bahn für 20 D-Mark gekauft habe. Der Grundbesitz wäre vorhanden, auch wenn der Streifen an einigen Stellen provisorisch von Anwohnern genutzt werde.

Wenn Verhandlungen der Stadt mit der Bahn über die nördliche Lerchenbergstrecke erfolgreich verliefen, könne man eine rund drei Kilometer lange autofreie Route von Sontheim bis zum Pfühlpark anlegen, blickt Theilacker voraus.

Der Vereinsvorstand ist überzeugt, dass es funktionieren kann. An der engsten Stelle habe man noch drei Meter Platz. Und an den zwei Straßenquerungen könne man mit roter Farbe den Rad- und Fußweg für Autofahrer sichtbar machen.

Historie der Strecke

Die Bottwartalbahn war eine 34 Kilometer lange Lokalbahn zwischen Marbach und dem Südbahnhof Heilbronn. Sie war eine Schmalspurbahn; zwischen Talheim und Heilbronn lagen auch Gleise für die Regelspur. Der Südast Marbach-Beilstein wurde 1894 eröffnet, 1900 erreichte ein Ast Heilbronn-Süd. Weil Autos und eine parallele Bahnbuslinie Fahrgäste abzogen, wurde der Personenverkehr 1966 eingestellt. Im Dezember 1968 folgte auch das Aus für den Güterverkehr.

Der Verein hat weitere Infos zu den Projekten: www.lerchenbergtunnel.de

Autofreie Route im Süden der Stadt im Blick

Anwohner nennen ihn gefährlich: der enge Radweg in der Sontheimer Straße.

An mancher Stelle nimmt der idyllische Grünstreifen sogar Alleecharakter mit großen Bäumen an den Seiten an. Anwohnerin Barbara Edelmann zeigt auf den schmalen Radweg an der Charlottenstraße, der eine besondere Konstellation aufweist. Rechts neben dem Radweg parken Autos. Wenn der Fahrer die Tür aufmacht, prallt ein ankommender Radler direkt drauf.

"Da hat es in letzter Zeit drei Unfälle mit schwer verletzten Radfahrern gegeben", sagt Barbara Edelmann. Die Radtrasse im Grünen wäre für sie deshalb eine sichere Alternative.

Vorstand will jetzt Mitstreiter im Gemeinderat suchen

An der Sontheimer Landwehr endet die Tour auf einer Brücke, auf der noch alte Gleisreste liegen. Der Verein wolle an die Fraktionen im Rat herantreten, "um Mitstreiter für das Projekt zu gewinnen", erklärt Heidrun Landwehr. Die Sicherheit auf der Route und der autofreie Ansatz sind für sie die Trümpfe. Die Kosten für eine autofrei Trasse schätzt Wolf Theilacker auf eine Million Euro. Durch Fördermittel könnte etwa die Hälfte vom Land mitfinanziert werden, erwartet er.

Jens Boysen, Vize-Leiter im Amt für Straßenwesen, begleitete als Stadt-Vertreter die Tour. Das neue Mobilitätskonzept solle den Radverkehr in der Stadt ja stärken, sagt er auf Nachfrage. Da seien solche Projekte "schon interessant".

 

 
 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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