Anwohner in der Gerberstraße leiden unter hoher Verkehrsbelastung

Heilbronn  Streit um hohes Verkehrsaufkommen: Die Stadt prüft aufwendig, welche Auswirkungen eine Einbahnlösung hätte. Die Anwohner erwarten eine Entlastung und kritisieren regelmäßige laute Autokorsos von Hochzeitsgesellschaften vor ihrer Tür .

Von Carsten Friese

Anwohner in der Gerberstraße leiden unter hoher Verkehrsbelastung
Aktion gegen Falschparker: Hier in der Lohtorstraße hat die Stadt Poller am Gehwegrand installiert. Anwohner wünschen sie sich auch an andere Stelle. Foto: Carsten Friese
Von einer schnellen umsetzbaren Lösung für die verkehrsgeplagten Anwohner in der nördlichen Innenstadt und vor allem der Gerberstraße war Anfang April am Infoabend von Lokaler Agenda im Beisein von Stadträten die Rede.

Nach wie vor klagen Bewohner über stark gestiegene Verkehrszahlen nach der Sperrung der Kranenstraße, leiden unter der täglichen Belastung. Wann kommen konkrete Verbesserungen - wie die Idee, eine Einbahnlösung ohne komplette Durchfahrtschance zu testen?

Stadt verweist auf Erschließungsfunktion der Straße

Die Stadtverwaltung pocht auf notwendige Zeit, um mögliche Verbesserungen auszuloten. Die Gerberstraße erfülle auch weiter "eine ganz wichtige Erschließungsfunktion für die Innenstadt", teilt die Pressestelle auf Stimme-Anfrage mit. "Entsprechend ist auch das Verkehrsaufkommen." Das wiederum hat sich jedoch nach Schließung der Kranenstraße 2017 fast verdoppelt.

Das Amt für Straßenwesen prüfe, welche Auswirkungen verschiedene Einbahnstraßen-Varianten für die Gerberstraße "auf das umliegende Straßennetz" hätten, teilt Rathaussprecher Christian Britzke mit. Hierzu werde ein Verkehrsmodell eingesetzt, ein externes Verkehrsbüro würde die Arbeiten erledigen. "Diese Untersuchungen werden den Sommer über andauern." Mit den Daten würden dann Auswirkungen auf die Verkehrsqualität zusätzlich belasteter Knotenpunkte geprüft. Alle Untersuchungen würden schätzungsweise bis Herbst dauern.

Anwohner sind enttäuscht, dass es so lange bis zu einer Entscheidung dauert

In jüngster Zeit haben Anwohner Videos an Presse und Stadt gesandt, auf denen Autokorsos mit hupenden und vor Ampeln feiernden Teilnehmern von Hochzeitsgesellschaften zu sehen sind. Dies erlebe man hier fast jeden Samstag, kritisiert Anwohnerin Irene Schnabel. Was tun? Die Stadt sagt, Anzeigen lägen ihr nicht vor. Da Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes fahrende Autos nicht anhalten dürfen, "wäre die Polizei hinzuzuziehen".

Anwohner sind enttäuscht, wie lange die Stadt braucht, um eine Entscheidung oder konkrete Maßnahmen herbeizuführen. Diskutiert wird das Problem nun seit gut zwei Jahren. Ihr Eindruck sei, die Stadtverwaltung inklusive OB habe "keine Lust, aktiv Veränderungen herbeizuführen", zeigt sich Anwohnerin Elke Woll frustriert. Weil es sonst einen "Aufschrei" konservativer Heilbronner gäbe, die überall mit dem Auto hinfahren wollten. Es müsse doch darum gehen, im Sinne einer modernen Verkehrspolitik "den Verkehr zu reduzieren und nicht nur umzuleiten".

"Unsere Kernforderung bleibt die Aufwertung der nördlichen Innenstadt, die bisher ausschließlich eine Verkehrs- und Erschließungsfunktion hat - auf Kosten der Lebensqualität der Anwohner und der Aufenthaltsqualität von Gewerbetreibenden und Kunden", stellt Anwohnerin Irene Schnabel fest.

Kritik an zu vielen Autos, Staus und Falschparkern

Das Problem seien "zu viele Autos, Staus und Falschparker, die uns Fußgänger und Anwohner behindern", fasst Petra Thiessen-Veith zusammen. Poller gegen Falschparker, die in der Lohtorstraße angebracht wurden (siehe Foto und Kasten), lobt sie ausdrücklich. Das gleiche Vorgehen wünscht sie sich auch für die Zehentgasse.

Dass Stadt und Bürger zuweilen aneinander vorbeireden, wird an einem Beispiel deutlich. Die Stadt verweist auf Tempomessungen, nach denen in der Gerberstraße maximal zehn Stundenkilometer zu schnell gefahren worden sei. "Da hier überwiegend Stillstand und Stau herrscht, wundert mich das nicht", sagt die Anwohnerin.

Um ihre Forderungen nach einer Verkehrsberuhigung zu bekräftigen, hatten Anwohner eine Initiative gegründet. Im März haben sie eine Petition mit 1034 Unterschriften an OB Harry Mergel übergeben.

 

Einbahnvorschlag

Die Stadt hat nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 2019 in der Gerberstraße im ruhenden Verkehr 643 Verwarnungen gegen Falschparker ausgestellt. Im Mai hat der Bauausschuss beschlossen, die Gerberstraße testweise von der Kaiserstraße bis zur Käthchenhof-Tiefgarage zur Einbahnstraße zu machen und damit eine komplette Durchfahrt von der Mannheimer Straße zu unterbinden. Die Stadt lehnte es ab, um erst Auswirkungen zu prüfen.


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