Alter US-Hangar auf der Waldheide wird abgerissen

Heilbronn  Der Gemeinderat hat beschlossen, wie die Erinnerungskultur auf der Waldheide künftig aussehen soll. Nach einer hitzigen Debatte ist klar, dass der marode US-Hangar nicht erhalten wird. Dafür wird ein neuer Schafstall gebaut.

Von Kilian Krauth
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Nun ist es beschlossene Sache: Der alte US-Hangar auf der Waldheide wird abgebrochen. Die SPD forderte zuletzt, zumindest die Nordfront in den geplanten Neubau eines Schafstalls zu integrieren. Doch das wäre zu teuer.

Foto: Mario Berger

Der US-Hangar auf der Waldheide wird abgerissen und für 250.000 Euro durch einen neuen Schafstall ersetzt. Gleichzeitig sollen Teile erhalten und in ein auf 20.000 Euro veranschlagtes, dezentrales Gedenkkonzept integriert werden, das die gesamte Historie des 55-Hektar-Areals umfasst. Wie dies genau aussehen kann, wird über eine Geschichtswerkstatt mit Bürgern erarbeitet.

Darauf verständigten sich Verwaltung und Gemeinderatsfraktionen - nicht ohne Fragen der angemessenen Erinnerungskultur und des Vorwahlkampfs teils bissig zu diskutieren. Anlass dazu gab ein Antrag von SPD und Grünen, für den am Ende aber nur 14 von 40 Räten stimmten.

Die Argumente der Gemeinderäte

Alter US-Hangar auf der Waldheide wird abgerissen
Versteckt im Wald steht noch ein alter Wachturm der US-Army.

Mit Blick aufs alte Stadttheater und alte Stadtbad warnte SPD-Fraktionschef Rainer Hinderer vor dem Totalabbruch und forderte über die Geschichtswerkstatt hinaus zumindest die Nordfront des Hangars in den neuen Stall zu integrieren, Berufsschüler in die Arbeiten einzubinden und Stiftungsgelder abzufragen. "Geschichte wird am besten an authentischen Orten dokumentiert, weniger in Archiven", unterstrich Susanne Bay (Grüne).

Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass gab zu bedenken, der Erhalt des maroden Gebäudes käme auf 350.000 Euro, der Erhalt der Nordfront sei noch teurer. Die Einbindung von Berufsschülern wäre bei einer so komplexen Maßnahme illusorisch, betonte auch CDU-Chef und Handwerker Thomas Randecker. CDU, FDP und FWV pochten gleichzeitig auf eine Kostendeckelung, wobei OB Harry Mergel betonte, das endgültige Konzept müsste sowieso nochmals in den Gemeinderat - und damit auch die endgültigen Kosten.

Info-Stelen zur Historie mit QR-Code

In dem von Hochbauamtsleiter Johannes Straub und Stadthistoriker Peter Wanner in Wort und Bild ausführlich dargelegten Konzept wird zumindest der Erhalt von Teilen eines Hangar-Anbaus und einiger Teile mit Schriften angedeutet. Im Kern wäre eine solche Station aber nur eine von zirka zehn, an denen mit Text, Bild, aber auch mit QR-Code übers Handy Infos über die gesamte Waldheide-Historie gegeben werden. Damit werde der Blick nicht nur auf die US-Zeit "verengt", so Michael Link (FDP).

Alter US-Hangar auf der Waldheide wird abgerissen

Erwin Württembergers Schafe bekommen ein neues Domizil.

Fotos: Archiv

Daran zweifelte keiner: Der Bau eines neuen Schafstalls sei notwendig, weil das Veterinäramt die Nutzung des alten, ziemlich maroden verbietet. Gleichzeitig seien Schafe für die Pflege der Heide aus ökologischen und soziokulturellen Gründen sinnvoll, aber auch aus finanziellen: Ein Maschineneinsatz käme auf 32.000 Euro/Jahr, die Beweidung auf 13.000 Euro.

Ziemlich bissige Wahlkampf-Töne

Dass das Konzept "Charme habe", weil es Pflege und Gedenken unter einen Hut bringe, betonte Bürgermeister Martin Diepgen. So sahen es auch Alfred Dagenbach (Pro) und Birgit Brenner (Bunte). Bissig wurde es, als Randecker der SPD Wahlkampfgebahren vorwarf und Herbert Burkhardt (FWV) seiner ehemaligen Partei unterstellte, sie nehme für sich den Alleinanspruch für Erinnerungskultur in Anspruch.

Prompt flehte der OB: "Lieber Gott, lass es bitte 26. Mai werden", also den Tag der Wahl. Zumindest in der Waldheide-Frage wünschte sich Mergel Einigkeit. "Wir sind uns doch einig: Der Ort des Schreckens steht heute für Frieden, auch zwischen Mensch und Natur." Gleichzeitig seien alle an einem angemessenen Gedenken interessiert. Wie wichtig dies sei, zeige nicht zuletzt die aktuelle Aufkündigung der INF-Vertrags, über den die Abrüstung der Atomraktenfestung auf der Waldheide vor 30 Jahren festgeschrieben wurde.

 

 

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