Als Theodor Heuss von seiner Schulzeit erzählte

Geschichte  Vor 60 Jahren weihte Theodor Heuss, der erste deutsche Bundespräsident, den Neubau des nach ihm benannten Heilbronner Gymnasiums ein. In seiner Heimatstadt gab er Anlass zum Schmunzeln.

Von Kilian Krauth

Als Theodor Heuss sich als böser Bube outete

Der Bundespräsident nahm sich am 31. März 1958 einen ganzen Tag Zeit für seine Heimatstadt. Die Bürger strömten in Scharen zum THG-Neubau an der Karlstraße.

Wenn früher Könige oder gar Kaiser in die Stadt kamen, war das Hallo groß. Ähnlich verhält es sich in einer Demokratie, wenn der Bundespräsident vorbeischaut. Aller Voraussicht nach dürfte das auch am 17. April 2019 der Fall sein, wenn Frank-Walter Steinmeier die Bundesgartenschau in Heilbronn eröffnet.

Es gab Zeiten, da der Bundespräsident mit Heilbronn auf Du und Du stand - ganz einfach, weil er hier aufgewachsen, zur Schule gegangen, Chefredakteur der "Neckar-Zeitung" gewesen ist und hier nach eigenen Angaben "Demokratie als Lebensform" verinnerlicht hat, ehe er in Stuttgart und Berlin als Politiker Karriere machen sollte. Die Rede ist von Theodor Heuss.

Erinnerungen von Zeitgenossen

Als Theodor Heuss sich als böser Bube outete

Der Festakt zur THG-Einweihung fand im "Filmpalast"-Kino an der Fleiner Straße statt. Heuss kam in einer Staatskarosse mit Stern.

Fotos: Archiv / Hermann Eisenmenger

 

Während seiner Zeit als Bundespräsident schaute der gebürtige Brackenheimer immer wieder in der Heimat vorbei. Die Zahl der Zeitgenossen, die sich an seine Visiten zwischen Hauptbahnhof und Rathaus oder an Abstecher in die Gaststätte Rössle an der Gartenstraße erinnern, ist noch groß. Eine ganz besondere Erinnerung verbindet Artur Kübler mit "Papa Heuss".

Als Bub wohnte der spätere CDU-Fraktionschef und Ordnungsbürgermeister einmal einer Feier in der Harmonie bei, in der der hohe Herr über eine Unebenheit im Boden stolperte und sich gerade noch an der Schulter des kleinen Artur abfangen konnte, der den Staatschef so vor dem Sturz bewahrte.

Vor über 60 Jahren kam Heuss zu einem anderen denkwürdigen Besuch. Weil der legendäre Stimme-Fotograf Hermann Eisenmenger davon viele beeindruckende Bilder geschossen hat, wollen wir den Tag besonders würdigen.

 

Theodor Heuss weihte am 31. März 1958 den - vom Architekten Peter Salzbrenner entworfenen und hoch gelobten - Neubau des bereits 1950 nach ihm benannten Gymnasiums ein. Das THG hieß früher Lateinschule, dann Karlsgymnasium. Die Wurzeln der einstigen Renommieranstalt liegen im 15. Jahrhundert. Heuss selbst machte dort 1902 sein Abitur. In gewohnt launiger Manier meinte er beim Festakt im "Filmpalast" , er sei "bestürzt und besorgt, ob er die Würde der Namensgebung verkraften" könne.

Er sei zwar ein guter Schüler gewesen, aber auch das, was man einen "bösen Buben" nenne, der oftmals im Karzer gesessen habe. Gleichzeitig brach der schlaue Schwabe eine Lanze für die humanistische Bildung und nannte es einen "Vormarsch der Halbbildung", dass die Besatzungsmacht, also die Amerikaner, im Südweststaat zehn von einst 13 humanistischen Gymnasien "glatt" streichen wollten. Gleichzeitig ging der volksnahe Politiker und Menschenfreund auf Distanz zu "Bildungs-Snobs".

Jubeltag in der Stadt

Ähnlich zeitkritisch äußerte sich Direktor Karl Weiß, den Heuss an dem Jubeltag mit dem Bundesverdienstkreuz ehrte. Die Jugend habe es "in Zeiten des Massenmenschentums und des Managertums" schwer, ihren Weg zu gehen. Junge Menschen sollten sich davor hüten, "zu ehrfurchtsvollen Nützlichkeitstechnikern zu werden, die nur einem Job nachjagen".

Oberbürgermeister Paul Meyle, der an diesem Tag erstmals die Amtskette des Heilbronner Oberbürgermeisters trug, erinnerte an die harten Nachkriegsjahre. Der Unterricht habe nach 1945 teils in Privaträumen und Wirtshäusern stattfinden müssen, weil von der Zerstörung der Stadt auch alle Schulen betroffen gewesen seien. Das THG war die 13. und vorerst letzte Lehranstalt, die nach dem Krieg neu oder wieder aufgebaut wurde, berichtete Meyle. Heuss habe sich schon als baden-württembergischer "Kultminister" für entsprechende Staatsmittel stark gemacht, lobte er den Ehrengast und Ehrenbürger. Meyle schloss seine Rede mit dem Wunsch, in der neuen Schule möge eine Jugend heranwachsen, die Eltern und Stadt zur Ehre gereiche.