Abriss oder Erhalt? Wie es mit dem Wollhaus weiter geht

Region  Die lokale Agenda bringt mit Podiumsdiskussion den Umbauvorschlag von Felix Krummlauf wieder ins Gespräch. Stadträte machen klar: Am Ende muss der Investor entscheiden.

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Wie geht es weiter mit dem Wollhaus? Foto: Andreas Veigel

Soll das Wollhaus erhalten oder abgerissen werden? Um diese Frage sollte sich die Diskussion am Montagabend im Volkshochschulkeller bei der Lokalen Agenda drehen. Die sieben Gemeinderatsvertreter sahen sich nur teilweise in der Lage, dazu klar Position zu beziehen. Trotzdem wurden einige Punkte deutlich.

Auf Einladung des Arbeitskreises Wohnen der Lokalen Agenda bekam Felix Krummlauf am Montagabend die Chance, seine Master-Abschlussarbeit ein Jahr nach der ersten Präsentation noch einmal vorzustellen. Sein Vorschlag macht aus dem Beton-Brutalismus des Wollhauses eine luftig-leichte Konstruktion mit Lichthof und begrünter Dachterrasse, ein Wohlfühlort zum Einkaufen, Arbeiten und Wohnen.

Abriss oder Erhalt? Das war bald nicht mehr die Frage

Bei der Diskussion im Gewölbekeller der VHS wurde deutlich, wie viele gute Ideen in dem Konzept stecken. Im Erdgeschoss eine moderne Markthalle, lichtdurchflutet durch einen nach oben geöffneten Baukörper. Statt eines großen Kaufhauses füllen Büros die oberen Stockwerke des ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäudes. Statt Arztpraxen sollen Wohnungen in den Turm kommen. Das kam bei den Stadträten an. Nach und nach zeigten alle Sympathien für den Ansatz. Abriss oder Erhalt? Um die Frage ging es bald gar nicht mehr.

Wolf Theilacker (Grüne) lobte das Konzept als "liebevolle Annäherung" und beklagte, dass durch die Investoren Strabag und ECE, die ihre Pläne 2018 beerdigten, einfach nur viel Zeit vertan worden war. "Sehr überzeugt" zeigte sich auch Raphael Benner (AfD). "Was nicht mehr der Zeit entspricht, wäre ein protziges neues Gebäude." Konrad Wanner (Linke) hoffte, dass man sich auch hier die Buga zum Vorbild nimmt und mit einer Konzeptvergabe die Richtung vorgebe. Dazu müsse die Stadt das Gebäude vielleicht auch "als Zwischenerwerb" kaufen.

Stadt soll das Wollhaus keinesfalls kaufen

An guten Ideen fürs Wollhaus mangelt es nicht

Die Stadträte Konrad Wanner (Linke, von links), Reinhard Hackenberg (SPD), Wolf Theilacker (Grüne), Gottfried Friz (FDP), Thomas Randecker (CDU), Raphael Benner (AfD) und Herbert Burkhardt (FWV) mit Architekt Felix Krummlauf vor dem Modell des umgebauten Wollhauses.

Foto: Christian Gleichauf

Hier sahen andere Stadträte eine rote Linie überschritten. "Und was ist, wenn die Stadt es dann nicht mehr loskriegt?", warnte Thomas Randecker (CDU). "Kein Investor hat bisher das Geld in die Hand genommen." Herbert Burkhardt (FWV) hielt das einfach nur für "abwegig". Gottfried Friz, FDP-Stadtrat und Heilbronner Einzelhändler, machte darauf aufmerksam, wie schwierig es ist, die künftige Entwicklung des Einzelhandels vorherzusehen. Einerseits eröffneten riesige Möbelhäuser, andererseits überlege Ikea nun, wieder kleine Flächen in den Innenstädten zu bespielen. "Im Handel ist einiges verrückt." Die Frage sei, wie man Frequenz nach Heilbronn bekomme.

Verkehrsfrage sollte getrennt betrachtet werden

Reinhard Hackenberg (SPD) gefiel die Aufenthaltsqualität, die Krummlauf mit seinem Modell in Aussicht stellt, und dass er auch den Verkehr rund um das Wollhaus beruhigen will. Das hätte Folgen für die gesamte Verkehrsführung in der Innenstadt, insbesondere auf der Allee. Hier seien nicht die Wollhaus-Eigner in der Verantwortung. "Das müssen wir gemeinsam angehen."

Bei der Fragerunde meldete sich der ehemalige Wollhaus-Mieter Dieter Harfensteller zu Wort: "Keiner sagt, dass es vielleicht ein toller Entwurf sein mag, aber ein realitätsferner." Denn die Kosten für die vielen Flächen zum Flanieren und Hinsitzen müssten auf die Mieten umgelegt werden - und damit seien sie nicht mehr bezahlbar. Im alten Wollhaus seien diese Flächen die Kostentreiber gewesen. "Und wer bezahlt die Pflege der Dachterrassen?"

Die Preisfrage? Nicht zu beantworten

Krummlauf räumte ein, dass solche Berechnungen keine Rolle gespielt hätten. Dass ein dreistelliger Millionenbetrag notwendig wäre, den Umbau zu realisieren, hält er zwar für möglich - "das ist aber alles Spekulation". Hackenberg kommentierte: "Jede Lösung wird teuer sein." Herbert Burkhardt (FWV) hielt die Veranstaltung vor diesem Hintergrund insgesamt für "kontraproduktiv", weil sie die Preisvorstellungen der Turmeigentümer anheize. "Das war schon im K3 so, dass Restflächen teuer erkauft werden mussten, damit man es überhaupt entwickeln konnte."


Zeitgeist in Bewegung

Moderatorin des Abends war Bärbel Kistner, die das Thema Wollhaus als Redakteurin der Heilbronner Stimme begleitet. In Erinnerung rief sie Aussagen der Architektur-Expertin Anette Busse in einem Interview aus dem Jahr 2016. Sie hatte damals vorhergesagt: "Wenn das Wollhaus die nächsten fünf Jahre überlebt, wird sich der Blick darauf geändert haben. Der Zeitgeist ist stark in Bewegung. Womöglich werden dann eher die Potenziale gesehen als die Nachteile." Auch Oberbürgermeister Harry Mergel hatte zuletzt betont, wie schnell Konzepte aus den Jahren 2013/14 überholt waren, wie leicht man sich auch als Stadt bei diesem Projekt verspekuliert hätte. 


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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