125 Jahre Posaunenchor mit langer Nacht in Kilianskirche

Heilbronn  Der evangelischer Posaunenchor Heilbronn feiert am Freitag in der Kilianskirche sein 125-jähriges Bestehen: mit einer langen Nacht der Posauenklänge. Jeder darf sich einklinken.

Email
125 Jahre Posaunenchor mit langer Nacht in Kilianskirche

Leitspruch und Fanfaren des Posaunenchors am Hochaltar von Hans Seyfer.

Vom Kriegsgeschrei der Makkabäer, inklusive Trompetensignalen, über den Hörnerschall vor Jericho bis zum Ruf der Posaune am jüngsten Tag: Blechbläser spielen in der Bibel eine wichtige Rolle. Und für viele Christen spielen sie eine solche bis heute: zum Beispiel im evangelischen Posaunenchor Heilbronn, der dieses Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, nicht mit Pauken, aber mit Trompeten, Hörnern, Tuben und natürlich mit Posaunen, kurzum: mit lauter Blechblasinstrumenten.

Am Freitag, 4. Oktober, 20 bis 24 Uhr, lädt die von Jörg Hinderer, Pia Benz und Steffen Beurer geleitete Truppe zu einer langen Nacht der Posaunenklänge in die Kilianskirche. Im Alltag probt man immer donnerstags im Wartberg-Gemeindehaus.

Zeitlos und aktuell

"Auch in Zeiten von Globalisierung und Ökumene, Esoterik und digitaler Musik" sei der Posaunenchor kein Anachronismus und kein Auslaufmodell, betont Chorleiter und Arzt Hinderer mit Blick auf eine "gesunde und bunte Gruppenstruktur der Posaunenchor-Großfamilie". Dazu zählen drei Dutzend aktive Musiker und eine schwer zu überschauende Anzahl von Senioren, ganz zu schweigen von den vielen Sympathisanten, die gerne in deren Lieder einstimmen: bei Gottesdiensten in Kirchen und Parks, bei allerhand anderen kirchlichen Anlässen, aber auch regelmäßig in der Stadtgesellschaft wie etwa auf dem Weihnachtsmarkt und bei den Gedenkfeiern zur Zerstörung der Stadt am 4. Dezember 1944.

OB lobt Chor in hohen Tönen

125 Jahre Posaunenchor mit langer Nacht in Kilianskirche

Die aktuelle Besetzung des Posaunenchors der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heilbronn umfasst drei Dutzend aktive Mitglieder aus drei Generationen.

Fotos: privat

So nimmt es nicht Wunder, dass in der Festschrift Oberbürgermeister Harry Mergel die Musiker in hohen Tönen lobt. "Eineinvierteljahrhundert", so der OB, habe der Chor schöne und tragische Momente der Stadtgeschichte begleitet, Zuhörer und Mitsänger "mit schwingender Musik verzaubert und oftmals in andere Sphären gehoben". "Damit beweisen die Mitglieder einen langen Atem", so der OB, "und verändern durch eine kleine Ewigkeit den Klang des Alltags", nicht zuletzt auf der Buga.

Prälat war Gründer eines solchen Chors

Prälat Harald Stumpf, der als Konfirmand Gründungsmitglied eines nunmehr seit 46 Jahren bestehenden Posauenchors ist, spricht von einem "typisch evangelischen Markenzeichen", einem Stück "Kirche an anderen Orten", einer "mobilen kirchenmusikalischen Einsatztruppe". In einer Gesellschaft, die sich immer mehr aufsplittert, pflege der Chor die generationsübergreifende Gemeinschaft und gebe urchristliche Werte weiter.

Wechselvolle Geschichte

125 Jahre Posaunenchor mit langer Nacht in Kilianskirche

2014 lud der Posaunenchor Heilbronn bereits zu einer langen Nacht der Posaunenklänge in die Kilianskirche, diesen Freitag ist es wieder soweit.

Die heutigen Posaunenchöre gehen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Pastor Eduard Kuhlo (1822-1891) und sein Sohn, der "Posaunengeneral" Johannes Kuhlo, (1856-1941) gelten als ihre Väter, wie Hinderer berichtet. Organisatorisch gehörten sie zunächst den evangelischen Jünglingsvereinen an, dem späteren CVJM, auch in Heilbronn, wo Stadtpfarrer Wurster und Chorleiter Jungnickel 1894 sechs Musiker zusammentrommelten. Jahr für Jahr wurden es mehr, bald blies man nicht nur in der Stadt, sondern auch bei überregionalen Posaunentagen.

Über die Wirren zweier Weltkriege hinaus gab es bundesweit diverse Dachverbände. Erst 1994 gelang es, ein einheitliches Dach für 29 Posaunenwerke und -verbände im wiedervereinigten Deutschland zu gründen, den "Evangelischen Posaunendienst in Deutschland e. V.". Er zählt 7000 Posaunenchöre und 120.000 Bläser, 18.000 in Württemberg.

Lange waren die Posaunenchöre von Kuhlos Klangideal geprägt, das einem Vokalchor möglichst nahekommen sollte, erklärt Hinderer. Deshalb wurden Hörner aller Art bevorzugt, während Trompeten verpönt waren. Erst nach 1945 rückte man von dieser Auffassung ab. Gleichzeitig hat sich das Repertoire geöffnet und reicht heute vom Choral über christliche Popularmusik, Volksmusik und Folklore bis zu Musicals, Filmmusiken und Jazz, der in Heilbronn schon früh mit dem "Feetwarmer"-Mitglied Werner Philipp Einzug hielt.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

Kommentar hinzufügen