Zwischenbilanz zum Badevergnügen in den Freibädern der Region

Region  Anders als an den Badeseen haben sich in den Freibädern der Region die Hygienekonzepte und Abstandsregeln bewährt. Die Corona-Saison Zwischenbilanz fällt durchweg positiv aus. Es gibt viel Platz für Schwimmer.

Von Helmut Buchholz

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Im Heilbronner Freibad Neckarhalde kommen sich die Badegäste auch an Spitzentagen kaum in die Quere. Die Besucherzahl wurde auf 500 gedeckelt. So gibt es viel mehr Platz als sonst im Bad.

Foto: Ralf Seidel

Während sich an den Badeseen in der Region in diesen heißen Hundstagen teils chaotische Szenen abspielen, geht es in den Freibädern locker und entspannt wie selten zu. Trotz oder gerade wegen den coronabedingten Auflagen und der starken Reduzierung der Besucherkapazitäten. Die Zwischenbilanz der Corona-Saison fällt durch die Bank in Heilbronn, Untergruppenbach und Bad Rappenau ziemlich positiv aus.

Die meisten halten sich an die Regeln

An der einen oder anderen Stelle mussten die Heilbronner Stadtwerke als Badbetreiber die neuen Wegegführungen "optimieren", wie Bäderchefin Ursula Stiefken berichtet. Doch die Gäste halten sich "zum weitaus größten Teil an die Regeln". Den Einsatz von Security-Kräften haben die Heilbronner Bäderbetriebe deshalb auf die Wochenenden beschränkt. Im Untergruppenbacher Freibad halten sich die Gäste so gut an die Regeln, dass die Bäderverwaltung seit Mitte Juli die ursprüngliche Besucherzahl von 300 auf 400 Personen pro Schicht erhöht hat, teilt Hauptamtsleiter Tobias Binder mit.

Das Management im Solebad RappSodie in Bad Rappenau hat auf die Nachfrageentwicklung reagiert. Nun gibt es einen familienfreundlichen Block mit längerem Aufenthalt. "Die Umsetzung funktioniert, da die meisten Gäste Verständnis zeigen und sehr dankbar sind, dass überhaupt geschwommen und gebadet werden darf", sagt Betriebsleiter Timo Künzel.

Die Besucher strömen zurzeit bei den hohen Temperaturen in Scharen in die Bäder, immer im Rahmen der reduzierten Kapazitäten. "Die Zeitfenster nachmittags sind in allen drei Heilbronner Freibädern meist ausgebucht", berichtet Bäderleiterin Ursula Stiefken. Auch das Frühschwimmerangebot komme gut an: Rund 160 Schwimmer stürzen sich schon ab 6 Uhr ins kühlende Nass im Freibad Neckarhalde. Doch das alles sei kein Vergleich zu den Besucherzahlen vor Corona. In der Neckarhalde dürfen sich momentan "nur" 500 Besucher gleichzeitig aufhalten. In Vor-Corona-Zeiten tummelten sich an Top-Tagen hier mehrere tausend Gäste im Freibad.

Bis jetzt verbucht das Untergruppenbacher Freibad rund 18.000 Besucher. Für die Saison 2020 rechnet die Verwaltung mit etwa 30.000 Gästen. In den Vorjahren waren es bis zu 100.000 Besucher jährlich. Bei "gutem sommerlichen Wetter sind die einzelnen Freibadschichten ausgebucht", erklärt Hauptamtsleiter Binder. Das gilt zurzeit auch für Zeitblöcke in Bad Rappenau.

Das Defizit wird noch größer

Klar ist aber auch, dass weniger Besucher bei relativ hohem Personalaufwand einen größeren Verlust als sonst bedeuten. Wie groß das Minus wird, "darüber lässt sich jetzt noch keine seriöse Abschätzung vornehmen", sagt die Heilbronner Bäderleiterin Ursula Stiefken. Auch in Bad Rappenau gibt es noch keine konkreteren Zahlen. Im Untergruppenbacher Haushaltsplan war 2020 ursprünglich ein Defizit von 470.000 Euro fürs Freibad veranschlagt. Das Minus dürfte am Ende "nach derzeitigem Stand" bei etwa 590.000 Euro liegen, schätzt Hauptamtsleiter Tobias Binder.

Über die Stimmung in den Freibädern können die Bäderbetreiber fast nur Gutes berichten. "Die Besucher freuen sich, dass wir uns für die Öffnung des Bades entschieden haben", gibt Tobias Binder die Eindrücke aus Untergruppenbach wieder. Er fügt hinzu: "Die Atmosphäre ist entspannt. Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen." Ähnliche Stimmungsbilder meldet Bad Rappenau und Heilbronn. "Besonders die Schwimmer kommen auf ihre Kosten", berichtet Stiefken für die Heilbronner Freibäder. "Es wird viel Rücksicht aufeinander genommen."

 

 

Das sagen die Badbesucher

Die Situation mit Ticket-Begrenzung und Zeitfenstern ist für "Nur"-Schwimmer wie Wilfried Ruoff, die fast täglich im Heilbronner Neckarhalde ihre Bahnen ziehen, "fast" ideal. Dass das 50-Meter-Becken in breite Bahnen eingeteilt und zusätzlich noch mit Schildern für die "Schwimm-Geschwindigkeit" versehen ist, nennt der 60-Jährige "super". An die Einbahnwege im Freibadgelände habe man sich schnell gewöhnt. Die Stimmung im Untergruppenbacher Freibad findet Dauerbadbesucher Nico Prescher "super". Da weniger Leute im Bad sind, seien die Bedingungen für Schwimmer wie ihn besser.

Der Online-Ticket-Verkauf "funktioniert gut", so Prescher. Nur ein spontaner Badbesuch sei jetzt eben nicht mehr möglich. "Ich kann nur Positives berichten", lautet die Corona-Saison-Zwischenbilanz von Sigrid Bihr für das Untergruppenbacher Freibad. "Wir sind froh, dass es überhaupt auf hat", betont Joyce Lassleben. Helga Stecher freut sich generell, "dass man überhaupt schwimmen gehen kann". Das Oberstenfelder Freibad habe gar nicht geöffnet. "Von dort kommen jetzt alle Besucher zu uns."


Kommentar "Freud und Leid"

Von Helmut Buchholz

So kann man die Corona-Saison in den Freibädern zusammenfassen: Des einen Freud ist des anderen Leid. Vor allem durch die stark limitierten Besucherzahlen ist das Schwimmvergnügen so entspannt wie selten zuvor. Normalerweise quetschen sich jetzt Tausende in die Bäder. Der Dichtestress war kaum auszuhalten und für das Aufsichtspersonal eine Herausforderung.

Allerdings gehen nun diejenigen Besucher leer aus, denen das Online-Ticket zu kompliziert ist oder denen es zu umständlich ist, auf anderem Wege eine Eintrittskarte zu ergattern. Besucher müssen sich in diesen Hundstagen sputen, um ein Ticket zu ergattern, das im Windhundprinzip verkauft wird. Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt.

Auch wenn viele draußen bleiben, haben sich die Corona-Freibad-Konzepte bewährt. Man muss bedenken, dass es für die Bäder schon früher ein Kraftakt war, den Betrieb zu ermöglichen - wegen Personalmangel. Dass die Schwimmbäder in der Corona-Krise trotzdem öffnen, obwohl sie noch mehr Verlust machen als sonst, ist den Betreibern hoch anzurechnen. Denn es gibt auch Bäder, die geschlossen bleiben. Natürlich erhöhen die reduzierten Kapazitäten den Druck auf Badeseen. Das lässt sich nicht verhindern.

Die Freibadbetreiber sollten nun weiter flexibel bleiben und, wenn das Wetter es zulässt, die Saison etwas verlängern. Das wäre ein guter Service in diesen harten Zeiten. Doch damit taten sich zum Beispiel die Heilbronner Stadtwerke in den vergangenen Jahren sehr schwer. Das Untergruppenbacher Freibad hat dagegen schon auf seiner Internetseite ankündigt, das Badevergnügen eventuell bis in den Oktober hinein zuzulassen. Vorbildlich.

 


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